Eigentlich hätte die Gerichtsverhandlung am Haßfurter Amtsgericht schon im Februar 2011 stattfinden sollen. Doch der Angeklagte erschien nicht und wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Über zwei Jahre später saß der 30-Jährige jetzt wegen Diebstahls auf der Anklagebank des Amtsgerichts in Haßfurt. Neben ihm eine Dolmetscherin, die für den Arbeiter aus einem osteuropäischen Land übersetzte. Er wurde schließlich zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, ausgesetzt auf vier Jahre zur Bewährung.

Der Vorwurf: Der 30-Jährige soll in der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 2009 aus einem Baucontainer in Haßfurt Werkzeug im Wert von 5000 Euro gestohlen haben. Bei dem Einbruch entstand außerdem ein Sachschaden von 200 Euro.

Der Angeklagte will nach der Tat, die er gleich zu Beginn der Verhandlung zugab, mit seinem Auto zurück in den Osten gefahren sein. Das Diebesgut sei im Wagen seines Kumpanen geblieben, sagte er. Der sei auch der Drahtzieher gewesen. Außerdem stehle dieser Komplize regelmäßig in Deutschland Wagen, kaufe in Polen Unfallautos und baue daraus neue Fahrzeuge zusammen. Den Drahtzieher, so der Angeklagte weiter, habe er erst eine Woche später in Polen wieder gesehen.

"Aber dann haben Sie doch gar nichts von dem Diebstahl gehabt?", fragte Amtsrichter Roland Wiltschka den Angeklagten. "Wieviel haben Sie denn für den Einbruch gekriegt?" Magere 100 Euro will der 30-Jährige als Anteil kassiert haben, was der Richter mit einem Kopfschütteln registrierte.

Die Handschellen klickten
Der 30-Jährige war am 18. Januar 2013 am deutsch-polnischen Grenzübergang in Görlitz festgenommen worden. Bei einer Routinekontrolle hatte er die Personaldaten seines Bruders angegeben. Eigentlich, um seiner Festnahme zu entgehen. Doch der Arbeiter hatte Pech: Sein Bruder wurde - wie er selbst - per Haftbefehl wegen Diebstahls in Deutschland gesucht. Der Angeklagte wurde festgenommen. Zuerst wollte der 30-Jährige den Diebstahl in Haßfurt auf seinen Bruder abwälzen. Doch eine DNA-Probe identifizierte ihn zweifelsfrei als Täter. Er hatte seine Mütze im Baucontainer vergessen.

Bis zur Verhandlung am Haßfurter Amtsgericht saß der Osteuropäer in der Justizvollzugsanstalt in Bamberg ein. Nicht wegen des Vorfalls in Haßfurt, sondern wegen einer Verurteilung des Amtsgerichts Heilbronn. Auch dort hatte der Langfinger Beute gemacht und war 2010 zu einer Geldstrafe von 210 Tagessätzen zu je zehn Euro verurteilt worden. Weil er das Geld nicht zahlen konnte, landete er hinter Gittern. Der Angeklagte hat bereits fünf Eintragungen wegen Diebstahls im Bundeszentralregister.

Zahlt die liebe Familie?
Am Verhandlungstag in Haßfurt trennten den Angeklagten noch 617,14 Euro von der Freiheit. Er hofft, dass sein Bruder das Geld dabei habe, ließ er die Dolmetscherin übersetzten. Falls die Verwandtschaft nicht zahlt, muss der 30-jährige Familienvater noch bis zum 25. Mai im Bamberger Gefängnis bleiben.