Zahlreiche Besucher drängten am Sonntag in die ehemalige Synagoge, die am diesjährigen Tag des Denkmals geöffnet war. Am Nachmittag wurde hier eine Ausstellung des Untermerzbacher Künstlers Gerd Kanz eröffnet. Sie trägt den Titel "Über Nichtvergessen und Leichtigkeit". Die Ausstellung ist einer der ersten Programmpunkte des aktuellen Landkreis-Kulturprojektes "Kunststück", das am Tag zuvor in Ebern durch Landrat Wilhelm Schneider eröffnet wurde.

Die ersten Gäste haben die Bilder und Skulpturen von Gerd Kanz am Sonntag gesehen. Wer das noch tun möchte, hat an den Sonntagen 16., 23. und 30. September jeweils von 13 bis 17 Uhr sowie am Samstag, 22. September, von 15 bis 18 Uhr und zu anderen Zeiten auf Vereinbarung dazu Gelegenheit.

Den Skulpturen und Tafelbildern von Kanz liegen Gedanken des bildenden Künstlers zugrunde, die er so formuliert: "Leicht macht es einem die Geschichte der Synagoge Memmelsdorf nicht. Vergessen kann man das Ende der jüdischen Gemeinde wegen allem, was im Gebetsraum fehlt, sowieso nicht. Es gibt aber auch Geschichten zu erzählen, die an leichtere Zeiten erinnern. Wie findet beides nebeneinander Platz? Darf man Leichtigkeit und Nichtvergessen miteinander verbinden?"

Wie Kanz diese Überlegungen mit der Sprache seiner Kunst bildlich umgesetzt hat, kann in der Ausstellung verfolgt werden. Teilweise scheinen die Bilder mit der Wandbemalung beziehungsweise mit den Resten, die davon übrig geblieben sind, zu verschmelzen. Andere stechen mit markanten Mustern oder gegensätzlicher Farbigkeit davon ab.

Seinen Skulpturen hat Kanz Titel wie etwa "Einbruch in die Freiheit" gegeben. Die Bilder entfalten als "Blattwerk Libelle", als "Kelch", "Flügel" und "Flügelwesen" ihre Wirkung auf den Betrachter. Kanz war am Sonntagnachmittag anwesend und konnte befragt werden, in welchem Kontext Kunstwerk und Betitelung für ihn stehen.

Musikalisch untermalte Lesung

Parallel zur Eröffnung der Ausstellung Kanz'scher Werke gab es eine Lesung. Dafür hatten die Sprecherin und Sängerin Barbara Schofer, die oft mit dem Nürnberger Akkordeon-Ensemble zu erleben ist, und Ina Karg, ehemalige Gymnasiallehrerin und Professorin für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur in Göttingen, ein Programm mit Texten jüdischer Autoren zusammengestellt. Sie trugen Interessantes und Lustiges, aber auch Nachdenkliches vor. Jüdische Märchen und Legenden, Geschichten aus dem Talmud, dem "Born Judas" und Erzählungen der Chassidim waren dabei. Mit der mysteriös-humoristischen Erzählung eines ehemaligen Rabbiners über den "krummen Moses" entführten sie die Zuhörer in eine jüdische Landgemeinde im 19. Jahrhundert. Schofer sang mit warmer voller Stimme traditionelle jüdische Lieder und spielte dazu auf Shruti Box, einem aus Indien stammenden Folklore-Instrument, das einen dem Akkordeon ähnlichen Klang erzeugt.

Vor der Lesung stand dem Tag des Denkmals entsprechend eine Führung auf dem Programm des Träger- und Fördervereins der Synagoge Memmelsdorf. "Entdecken, was uns verbindet", lautete bundesweit das Motto des Tages. Es bezog sich auf das Europäische Kulturerbejahr 2018. Für Memmelsdorf bedeutete es das Gegenmodell zur Ideologie des Nationalsozialismus, die auf Ausgrenzung und Abschottung basiert. Der Förderverein bringt in seinem Informations- und Terminblatt zum Ausdruck, dass das Motto "Was uns verbindet" auf Gleichberechtigung und Anerkennung basiere.

Im oberen Teil der ehemaligen Synagoge kann eine Dauerausstellung mit Bildschirmpräsentation über die Geschichte und Entwicklung des fränkischen Landjudentums am Beispiel Memmelsdorf besichtigt werden. Darin ist unter anderem etwas über die Auflösung der jüdischen Gemeinde in Memmelsdorf zu erfahren.

Die Synagoge wurde 1728/29 erbaut und am 10. November 1938 innen zerstört. Sie ist die älteste als Gebäude noch bestehende Synagoge Unterfrankens. Der 1835 angelegte Friedhof ist ebenfalls erhalten.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.synagoge-memmelsdorf.de.