Die drei Buben hatten ihren Spaß. Maximilian, Philipp und Silas kletterten auf den weißen Berg, rutschten hinunter, und gleich ging es wieder hoch. Wie ein Schneeberg sieht der weiße Haufen aus. Es ist aber kein Schnee, sondern Salz. Genauer gesagt: Streusalz, der Feind von Schnee und Eis.

In der Salzhalle der Autobahnmeisterei in Knetzgau lagern 1200 Tonnen Streusalz. Die Halle wird nie leer, auch nicht in den kommenden Wochen und Monaten, wenn die Streufahrzeuge der Meisterei ausrücken, um die Fahrbahnen von Schnee und Eis zu befreien. Sie wird immer wieder rechtzeitig aufgefüllt, damit zu keiner Zeit ein Engpass beim Streugut entsteht. "Die Autobahn hat Vorrang", erzählte Straßenwärter Raimund Hellmuth den drei Buben, weiteren Kindern und deren Eltern.

Vorrang bedeutet: Streusalz wird in erster Linie für Autobahnen bereitgestellt, dann für Bundes- und Staatsstraßen sowie für Kreisstraßen. Der private Verbrauch (kleine Säcke in Märkten) kommt am Ende der Skala, und da kann es in harten Wintern schon einmal eng werden.

Die 1200 Tonnen Salz werden in der neuen Wintersaison wohl nicht reichen. Rund 2500 Tonnen benötigt seine Dienststelle durchschnittlich pro Jahr, schildert Dieter Gonnert, der Leiter der Meisterei. Es ist immer Vorrat vorhanden - an 365 Tagen im Jahr. In Knetzgau könnte es theoretisch jeden Tag schneien und gefrieren.

Das ist wirklich Theorie, auch in Zeiten des Klimawandels. Und am Freitag dachte auf dem Gelände der Autobahnmeisterei ohnehin niemand an Eis und Schnee, denn es war angenehm warm beim sogenannten Türöffnertag. Den hatte der Westdeutsche Rundfunk für seine "Sendung mit der Maus" bundesweit organisiert. Hintergrund: Für Kinder sollten sich an diesem Tag Türen öffnen, hinter die sie sonst nie schauen können. Und ihnen wurde dort erklärt, was hier genau passiert. Das taten in Knetzgau Dieter Gonnert und seine Kollegen gerne und mit viel Engagement.

609 Einrichtungen machten in Deutschland beim Türöffnertag mit. Die Autobahnmeisterei war der einzige Standort im Kreis Haßberge. Die Oberste Baubehörde (München) hatte bei den Meistereien angefragt, wer bei der Aktion mitmachen möchte. "Wir haben uns bereiterklärt", sagte Gonnert unserem Portal.

Knetzgau war ausgebucht

Das Interesse war riesig. 12 000 Mal wurde die Internetseite der Meisterei deswegen angeklickt. 100 Kinder mit ihren Eltern konnten sich anmelden und wurden am Freitag über das Gelände an der Autobahn geführt. Mehr ging nicht. 399 der 609 Türöffner-Einrichtungen waren ausgebucht. Auch Knetzgau.

Gleich neben der Salzhalle zeigte Straßenwärter Erwin Buhlheller ein Schneeräumfahrzeug. Er erzählte der kleinen Hanna, die auf den Fahrersitz geklettert war, und deren Eltern, dass Schneeräumen anstrengend und ermüdend sein kann. Stundenlange nächtliche Touren auf der A70 gehen an die Substanz.

Das Auto, in dem Hanna saß, streut übrigens kein Trockensalz, sondern Salzlauge. Die ist billiger und bleibt besser liegen (weil feucht). Hat aber einen großen Nachteil: Wenn das Thermometer über minus sieben Grad anzeigt, wirkt die Lauge nicht. Dann muss Trockensalz dazu.

Neben der Salzhalle wurde geklopft. Kinder pflasterten. Sie übten, wie man Pflastersteine verlegt. Gar nicht so leicht. Dass es klappte, dafür sorgten Straßenwärter Heinz-Jürgen Schleicher und sein Kollege Philipp Mühlbauer. Sie können pflastern, denn das gehört laut Schleicher zur Ausbildung und "zu den vielen Aufgaben" in ihrem Beruf. Aber wo liegt Pflaster auf der Autobahn? Man muss nur genau hinschauen: Wassereinläufe und ähnliche Bauwerke sind oft gepflastert. Diesen Anlagen setzen Wetter und Frost im Laufe der Jahre zu - und das Salz, das für die Sicherheit der Autofahrer ausgestreut wird.


Daten zur Autobahnmeisterei

Strecke Die Autobahnmeisterei in Knetzgau betreut die Maintalautobahn A 70 zwischen den Anschlussstellen Schweinfurt/Bergrheinfeld und Bamberg/Hafen. Das sind 52 Kilometer. Dazu kommen weitere gut zehn Kilometer für die Auf- und Abfahrten sowie die Parkplätze an der Autobahn.

Bedeutung Der Verkehr auf der Maintalautobahn hat seit der Eröffnung der vierspurigen Trasse stets zugenommen. Derzeit passieren an einem Tag etwa 24 000 Fahrzeug den Ort Knetzgau, an dem die Meisterei liegt. Die beiden nahen Städte Schweinfurt und Bamberg haben ein höheres Aufkommen.