Nein, nostalgisch will er nun wirklich nicht werden. Hubert Karl richtet den Blick nach vorne. Auch, wenn er beim Anblick des Trimm-Dich-Pfades in Zeil am Setzbachbrunnen im Bischofsheimer Forst kurz die Stirn runzelt. Dass früher alles besser war? Das kann eigentlich nur behaupten, wer stehen geblieben ist. Der Zeiler Ultrasportler ist nie stehengeblieben, im Gegenteil: Sein Lebensprinzip heißt Bewegung.
Seine Sportlerkarriere lässt das zweifellos erkennen: Ziele setzen, Ziele erreichen. Neue Ziele setzen. Scheitern. Wieder neue Ziele setzen, weiterkommen, ankommen und noch einmal von vorn. So hat es Karl auf über 164 000 Laufkilometer in 700 Wettkämpfen gebracht, darunter der 457 Kilometer lange Peace-Run von Hiroshima nach Nagasaki.
Auch wenn er für seine Ultraläufe durch die ganze Welt gereist ist, begonnen hat alles am Setzbachbrunnen am Rande Zeils mit einem zwei Kilometerlauf entlang des Trimm-Dich-Pfades. Ein schmuckes Waldstück mit tollen, variablen Strecken, wie Karl erklärt, Gratismotivation durch die schöne Natur inklusive.
Nicht so schön: Der Zustand des Trimm-Dich-Pfades heute. Der wurde in den 70er Jahren dort geschaffen, zwischenzeitlich nach der Jahrtausendwende noch einmal "aufgepäppelt", heute verwahrlost er vor sich hin. "Schade", befindet Karl. Es bleibt trotzdem seine Lieblingstrainingsstrecke. "Es ist ein Ort, der für mich immer Bedeutung hat."
Ob er sich daran erinnere, wie das damals war in den 70er Jahren mit dem Trimm-Dich-Trend? Karl ist 60 Jahre alt, in den 70ern war er noch aktiver Fußballer, erst 1983 kam er zum Laufen. Aber dass da ein Sport-Pfad im Wald verläuft, das wusste er. Groß von einem Trend hin zu "Sport im Freien" will er gar nicht sprechen, er muss schmunzeln, denn: "Die 70er waren ohnehin bewegungsfreudige Jahre. Sportstudios hat es keine gegeben, die Leute sind da mehr raus."


Archiv des Heimatforschers

Der Zeiler Fitness-Pfad mit zahlreichen Stationen und Übungstafeln wurde laut Archivmaterial des Zeiler Heimatforschers Ludwig Leisentritt 1972 eingeweiht. Gemäß einem Zeitungsbericht vom 9. Mai 1972 ging es zunächst um einen neuen Walderholungsplatz am "Jägerhäuschen", dazu ist folgende Passage zu finden: ",Im Zeichen der ständig zunehmenden Erholung und Freizeitgestaltung im Wald muss der Bevölkerung neben Parkplätzen und Wanderwegen auch eine Möglichkeit für eine gemütliche Brotzeit zur Verfügung gestellt werden', erklärte Forstdirektor Gerneth, der Leiter des Forstamtes Eltmann im Waldgelände am ,Jägerhäuschen' im Forstbezirk Zeil-Bischofsheim."
Später kommt in dem Artikel der "Trimm-Pfad" zur Sprache, wieder ist es Forstdirektor Georg Gerneth, "der sich für die Erholungsmaßnahmen in seinem Staatsforst im Interesse und zugunsten der Bevölkerung nachhaltig einsetzt". Laut dem Bericht hatte er "weitere Maßnahmen im Auge, die noch heuer abgeschlossen werden sollen" - hier ist dann die Rede von der "Einweihung des Trimmpfades bei Zeil".
Helmut Trautner, der damals schon für die SPD im Zeiler Stadtrat saß (er ist auch Mitglied im aktuellen Stadtrat), erinnert sich noch an die Anfänge des Trimm-Pfades: "Das ist damals von der Stadt initiiert worden."


Neuer Anlauf?

Dass der Pfad nunmehr seit einigen Jahren völlig verwahrlost und viele Stationen nicht mehr genutzt werden können - die Gefahr, sich bei Übungen etwa an morschen, moosüberzogenen Holzbalken zu verletzen ist nunmehr größer als der anvisierte Fitness-Effekt - , hält Trautner für mehr als bedauernswert, auch wenn die Zeiler Stadtkasse sicherlich nicht überquillt: "Ich finde, da müsste sich die Stadt Zeil intensiver darum kümmern."