Königsberg bewahrt in vielen Dingen seine Tradition. So auch am Samstagabend mit einem Gottesdienst in der Marienkirche, der seit vielen Jahren an Herzog Wilhelm erinnert, der am 11. Mai 1598 geboren wurde, und ein Spross des Herzogshauses Sachsen-Weimar war.


Teilnehmer des Religionskriegs

Herzog Wilhelm nahm auf protestantischer Seite am 1618 begonnenen Religionskrieg teil. In den Diensten des Herzogs von Braunschweig fiel er in die Hände des Feindes und wurde in Neustadt in der Steiermark in Festungshaft gelegt.

Dort sollte ihm die Freiheit erst wiedergegeben werden, wenn er als Fürst von der erkannten Wahrheit abfallen würde. Herzog Wilhelm blieb jedoch seinem Glauben treu.


Nach dem Gefängnis erst einmal nach Königsberg

Am 27. Dezember 1624 wurde Herzog Wilhelm wieder auf freien Fuß gesetzt, unter der Bedingung, dass er nicht mehr zum Schwert greift. Sogleich kündete er dem Amtmann von Königsberg seinen baldigen Besuch an.

Am 25. Januar 1625 traf er hier gegen Abend ein, wo er von der Bevölkerung mit großer Begeisterung erwartet wurde. Ein Chronist berichtet: "Am Mittwoch Nachmittag hat der Herzog gebeichtet (...) und auf den folgenden Tag, als den 27. Januarie das Heilig-Abendmahl in Christlich-Fürstlicher Devotion und Andacht empfangen und diesen Tag als einen Dank- und Freudentag mit Vor- und Nachmittagspredigt celebrieret".

Heute noch wird jedes Jahr in Königsberg "in Memoriam" Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar ein Gottesdienst abgehalten. Diesen beeindruckenden Gottesdienst, in dessen Mittelpunkt das Friedensgebet stand, zelebrierten Pfarrer Peter Hohlweg und Prädikant Alfred Austel.


Einst ein furchtbarer Krieg

Pfarrer Hohlweg ging in seiner Ansprache auch auf diese Ereignisse vor rund 400 Jahren ein, einen furchtbaren Krieg, "bei dem die Kirche versagt hat, Frieden zu stiften". Leider, so fügte er an, sei auch heute in vielen Teilen der Erde der Friede eine Ausnahme und der Krieg Alltag.

Abschließend meinte er, dass es für alle Menschen mit der gleichen Einstellung möglich wäre anzufangen, Frieden zu stiften: "Nein, ich mache da nicht mehr mit!". Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor Königsberg, Organistin Kristin Pfautsch und dem Kinderchor unter Leitung von Rotraut Arnold.