"Wenigstens ist diesmal das Wohnhaus stehen geblieben" - Sabine Schneider steht mit ihrem Mann Klaus und Sohn Christoph vor den Trümmern ihres Schweinezuchtstalles in Bischofsheim. "Eine halbe Stunde - und das war's", sagt Christoph Schneider und schüttelt den Kopf. Der Stall, gut 200 Muttersauen und über 400 Ferkel fielen dem Feuer zum Opfer. Für die Familie Schneider ist es der zweite große Brand. Vor 28 Jahren brannte fast das komplette Gehöft nieder.

"Ein Ferkel hat kurz mal gequiekt"

"Damals war es schlimmer, wir standen mit zwei kleinen Kindern auf der Straße, unser ganzes Hab und Gut war verbrannt", erinnert sich Sabine Schneider. Vielleicht erklärt diese Familiengeschichte die relative Gelassenheit, mit der alle vor den Trümmern des Stalles stehen - vielleicht ist auch der Eindruck noch zu frisch. "Nur ein Ferkel hat kurz mal gequiekt, Gottseidank sind sie wohl alle erstickt, bevor Panik ausbrechen konnte" - Christoph Schneider ist froh, dass ihm dieser furchtbare Moment erspart blieb. In wenigen Tagen hätte er einen Großteil der Ferkel in den Maststall gebracht.

Die Betriebsgrundlage der Familie Schneider ist zerstört, doch beim Bau des Maststalls haben sie auch ihre Versicherungen aktualisiert. Sie stehen also nicht direkt vor dem finanziellen Ruin, doch für ein Jahr werden sie wohl vom Markt weg sein. So lange wird es realistisch dauern, bis die Gebäude wieder errichtet und Tiere dort eingezogen sind. Viel Arbeit sind sie gewohnt, die Schneiders, aber an die Entsorgung der verkohlten Kadaver wollen sie am Donnerstagmorgen noch nicht denken.

Die Brandermittler der Kriminalpolizei Schweinfurt suchen nach der Ursache, die vermutlich bei einem technischen Defekt liegt. Damals, als Christoph Schneider ein drei Monate altes Baby war, waren es die Gas-Heizer für die Ferkel-Nester, wie Sabine Schneider erzählt.

Die Feuerwehrleute kämpften in der Nacht weniger um den Erhalt des Stalles, als gegen ein Übergreifen des Feuers. Nur wenige Meter nebenan steht das Wohnhaus der Schneiders. In den Dachgauben zerbarsten die Fensterscheiben, die Rolläden schmolzen, und in weniger als fünf Minuten hätten die Gauben wohl Feuer gefangen, ist einer der Feuerwehrleute überzeugt. Er war "eigentlich kaum von der Feuerwehr daheim", als der Alarm ging. Immer mittwochs ist bei der Zeiler Feuerwehr Übung. Anschließend schauten viele der Aktiven noch Fußball im Gerätehaus - und um 1 Uhr wurden sie zum Einsatz gerufen. Mit Rotem Kreuz waren rund 160 Helfer im Einsatz, vorwiegend Ehrenamtliche, einige sind auch am Donnerstagvormittag noch dort, löschen nach, wo Glutnester noch Rauch produzieren.

Loderndes Feuer

Alle Nachbarn sind erleichtert, dass der größte Schrecken nun vorbei ist. "Es war Wahnsinn", sagt eine 61-jährige Frau, die gegenüber wohnt. Das Feuer habe wie verrückt gewütet. Zwar waren die meisten Nachbarn durch das Tohuwabohu ohnehin bereits wach geworden und nach draußen gegangen, aber die Polizei klingelte dennoch an allen umliegenden Türen und bat die Bewohner, aus dem Haus zu kommen. Denn, so berichtet die 61-Jährige, die Gefahr bestand, dass auch Nachbargebäude in Brand geraten könnten.

"Der Funkenflug war enorm", berichtet sie und zeigt auf ihren Hof, wo überall Aschereste liegen und Ruß den Boden schwärzt. Die Feuerwehr hat deswegen vorsorglich die Nachbarhäuser mit Wasser besprüht, um weitere mögliche Brandherde einzudämmen.

Christoph Schneider ist jedem Feuerwehrmann dankbar, der aus dem Bett sprang. Umso verärgerter ist man in Bischofsheim über ein paar dumme Kommentare im Internet. Unter anderem beschwert sich dort eine Zeilerin über die nächtliche Störung durch die Feuerwehr.

Die Kinder von Christoph Schneider sind bei einer Tante. Sie sind wie die Nachbarskinder sehr erschrocken über das Feuer. "Papa, jetzt brennt mein Häusle", hat Lukas ungläubig ausgerufen, nachdem zuvor sein Trampolin in Flammen aufgegangen war. Die Nachbarn sehen nach den Schneiders, ebenso wie Diakon Bernhard Trunk. Er hat von dem Feuer aus dem Radio erfahren und sich gleich auf den Weg gemacht.

Die Schneiders nehmen den Zuspruch dankbar an, auch den telefonischen durch Berufskollegen und Züchterverband. Sie werden sich Zeit nehmen müssen, um diese Nacht zu verarbeiten. Auch wenn Christoph Schneider den Tag herbeisehnt, wenn alle Sachverständigen ihre Arbeit getan haben und er an den Wiederaufbau gehen kann.