Als ein "Bild des Jammers" bezeichnete Richter Roland Wiltschka den Zustand einer 16-jährigen Mischlingshündin, die im September des vergangenen Jahres bei dem Besuch eines Tierarztes eingeschläfert werden musste. Am Amtsgericht in Haßfurt ging es um ein Vergehen nach dem Tierschutzgesetz. Beschuldigte war eine 56-jährige Frau aus einer Gemeinde im Steigerwald, die die Hündin über ein dreiviertel Jahr hinweg hat "dahinvegetieren" lassen, wie es Wiltschka ausdrückte.

Dafür bekam die Hartz-IV-Empfängerin eine Geldstrafe in Höhe von 400 Euro aufgebrummt. Sie kam damit besser weg, als es vor der Verhandlung der Fall war: Gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft in Höhe von 800 Euro hatte sie Einspruch eingelegt.

Richter Wiltschka zeigte im Gerichtssaal Bilder von der schwerkranken und verwahrlosten Hündin, was im Zuschauerraum für ein Raunen sorgte: Die große Hündin war ziemlich abgemagert, die Muskulatur ihrer Hinterläufe war quasi nicht mehr vorhanden, die Krallen waren auf das Dreifache der normalen Länge angewachsen. An einigen Stellen ihres Körper hatte das Tier kein Fell mehr, an ihrem Gesäuge wucherte ein Tumor.

Altersbedingte Leiden?

Der Anwalt der Angeklagten, Bernhard Langer, hatte dem Richter erklärt, dass die Hündin ja ohnehin schon sehr alt gewesen sei, körperliche Leiden somit relativ normal seien. "Dass es nicht der beste Zustand der Hündin war, ist klar. Aber man muss auch das Alter des Tieres berücksichtigen", sagte er.

Der Richter wehrte ab und belehrte die 56-jährige Beschuldigte: "Sie haben halt nichts unternommen. Das ist der Punkt. Sie haben den Hund in keinster Weise gepflegt." Deswegen habe das Tier unnötig leiden müssen. Da die Hündin kaum noch laufen konnte, haben sich ihre Krallen nicht mehr abgewetzt und sind immer weiter gewachsen. "Die hätten Sie zurückschneiden müssen."

Außerdem sei deutlich zu erkennen gewesen, dass das Tier Schmerzen habe und Hilfe brauche: Ein Tierarztbesuch sei längst überfällig gewesen. Erst nach einem dreiviertel Jahr, in dem das Tier langsam und qualvoll dahinsiechen musste, kam es zu einem Tierarztbesuch. Dort hat eine Tierärztin entschieden, das Tier einzuschläfern.

Die 44-jährige Tierärztin sagte als Zeugin aus und bestätigte die Annahme des Richters, dass die Angeklagte von dem desaströsen Gesundheitszustand ihres Haustieres etwas hätte merken müssen: hochgradiger Flohbefall, Haarausfall und immerwährender Juckreiz machten der Hündin zu schaffen, das Tier habe sich ständig kratzen müssen. Es sei zwar nicht ungewöhnlich, dass ein so alter Hund extreme körperliche Beschwerden habe.

Normalerweise würde man dann aber einen Tierarzt einschalten, der die Leiden des Tieres mindern könne. Wenn sich ein Hund ständig kratzt oder nur noch daliegt und nicht mehr aufsteht, kämen die Leute in der Regel sofort zu ihr.
Allerdings nicht, weil sie ihr Tier so gerne hätten, wie die Ärztin auch anmerkte, sondern weil sie oft Angst um ihren Teppich oder Parkett hätten, weil das Tier dort ständig Kot und Urin verliert. Oder die Tierhalter fühlten sich durch das ständige Kratzgeräusch gestört.

Eigennützig

Als die Tierärztin erzählte, warum die Leute ihre Haustiere tatsächlich zum Tierarzt brächten, geriet Richter Wiltschkas Weltbild vom liebenden Haustierbesitzer ein wenig ins Wanken: "Menschen machen doch sowas auch, weil sie einen Bezug zum Hund haben", sagte er. "Glauben Sie mir, ich habe da jahrelange Erfahrung", entgegnete ihm die Ärztin. "Es gibt auch Leute, die sich wirklich kümmern, aber das ist eher selten."

Die Angeklagte jedenfalls gehörte zu der Sorte Mensch, der sich um das Wohlergehen seines Haustieres nicht ernsthaft kümmerte. So sah es das Gericht und auch Staatsanwalt Nino Goldbech, der sich wunderte, dass die Frau nichts unternommen hatte: "Es ist doch offensichtlich, dass das Tier gelitten hat. Da brauch' ich kein Tierarzt zu sein."

Letztlich beschränkte der Anwalt den Einspruch auf die Rechtsfolge. Er wollte 30 Tagessätze zu je fünf Euro (150 Euro). Richter Wiltschka folgte jedoch der Staatsanwaltschaft und verurteilte die Frau zu 40 Tagessätzen zu je zehn Euro (400 Euro Gesamtstrafe). Juristisch gibt die Zahl der Tagessätze den Wert der Strafe an. Das Urteil ist rechtskräftig.