Wohl wegen Kompetenz-Differenzen waren in einem Betrieb im Maintal zwei Firmenmitarbeiter aneinander geraten. Der Konflikt führte bis vor Gericht. Ein 44-jähriger Arbeiter war angeklagt, im März dieses Jahres einen Kollegen geschlagen und verletzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft habe, wie Anklagevertreterin Julia Rebhan bei dem Prozess am Amtsgericht in Haßfurt ausführte, öffentliches Interesse gesehen und daher das Verfahren eingeleitet.

Gegen den Strafbefehl über 60 Tagessätze zu je 30 Euro (1800 Euro) hatte der Angeklagte über seinen Rechtsanwalt Alexander Wessel Einspruch eingelegt. Deshalb kam es zur Verhandlung in Haßfurt. Der Einspruch hatte Erfolg, denn das Verfahren wurde nach der Beweisaufnahme im Einvernehmen der Prozessbeteiligten eingestellt.


Nur geschubst

Der Angeklagte schilderte, dass er eine Maschine, an der er zusammen mit dem angeblichen Opfer arbeitete, auf "seiner Seite" nach Arbeitsschluss gereinigt habe. Darüber, wer die "andere Seite" reinigen sollte, sei es zwischen den Kontrahenten zu einem Disput gekommen. Um das Problem zu klären, wollte der Angeklagte, wie er schilderte, zum Vorarbeiter gehen. Da stand ihm der Kollege im Weg. Deshalb habe er den anderen Mitarbeiter zur Seite geschoben, aber keinesfalls geschlagen, verteidigte sich der Angeklagte. "Der Kollege hat gleich markiert, machte auf sich aufmerksam und deutete an, einen Stoß oder Schlag von mir erhalten zu haben", berichtete der 44-jährige Beschuldigte weiter.

Ein 38-jähriger Zeuge, der die Auseinandersetzung mitbekommen hatte, erklärte, dass der Angeklagte den Kollegen mit der offenen Hand zur Seite geschubst habe. "Das war alles", sagte der Zeuge. Später hat er erfahren, dass sich das angebliche Opfer krank gemeldet habe.
Eine weitere Zeugin, eine 28-Jährige, hat die Diskussion über das Reinigen der Maschine mit angehört und gesehen, wie der Angeklagte den Kontrahenten mit der flachen Hand weggeschoben habe.


"Das ist Fakt

Das Opfer schilderte den Fall anders, und zwar so, wie ihn die Staatsanwaltschaft dargelegt hatte. Er sagte über den angeklagten Widersacher: "Der ging gegen meinen Körper, er griff mich direkt an, das ist Fakt. Zu Hause konnte ich meinen Kopf nicht mehr richtig drehen, deshalb habe ich das Krankenhaus aufgesucht." Eine Halswirbelprellung wurde diagnostiziert und er war eine Woche krankgeschrieben.

Der Verteidiger des angeklagten 44-Jährigen, Rechtsanwalt Alexander Wessel, fand es "seltsam", dass der Getroffene nach dem Vorfall noch mit seinem Roller nach Hause fuhr und auch ins Krankenhaus.
Richterin Ilona Conver stellte das Verfahren ein. Die Kosten trägt die Staatskasse.