Die Anhebung der Umlage für erneuerbare Energien dürfte die Energiewende im Landkreis Haßberge aber nicht bremsen. Im Gegenteil.

Wen plagen die meisten Sorgen, wenn von der Energiewende und ihren Folgen die Rede ist? Lässt man den Hammelburger Grünen-Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell diese Frage beantworten, kommt die Antwort schnell und sicher. Bei den vier großen Energiekonzernen in Deutschland geht die Angst um. "Ihnen steht der Angstschweiß auf der Stirn" angesichts des sich stetig ausbreitenden Anteils erneuerbarer Energien (Sonne, Wind, Wasser, Biogas) an der Energieversorgung im Land.

50 Prozent erneuerbare Energie in der Zukunft?

Bei einer Versammlung seiner Partei am Wochenende in Haßfurt rechnete Fell, Energieexperte der Grünen und "Vater" des Erneuerbare-Energien-Gesetzes", vor, dass der Anteil der erneuerbaren Energie am gesamten Energieverbrauch in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren bis Mitte 2012 von 17 auf 25 Prozent gestiegen sei. Einen Anteil von 50 Prozent in naher Zukunft hält er nicht für utopisch. Kein Wunder, meint er, wenn die Energieriesen, die von Großkraftwerken leben, um ihre Zukunft bangen müssen.

Umlage steigt um 47 Prozent

Daran ändert nach Fells Meinung auch die am Montag verkündete Erhöhung der Umlage für die Förderung erneuerbarer Energien nichts. Die Verbraucher müssen im kommenden Jahr mit einer Strompreiserhöhung rechnen. Die auf den Strompreis aufgeschlagene Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien steigt um 47 Prozent auf 5,277 Cent je Kilowattstunde. Das haben die vier für die Verwaltung der Förderzahlungen zuständigen Übertragungsnetzbetreiber am Montag bestätigt.

Dies würde für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden bedeuten, dass allein diese Zusatzkosten beim Strompreis von 125 auf knapp 185 Euro steigen - ohne Mehrwertsteuer.

Ein Grund ist der Boom bei der Solarenergie. Die vier Betreiber von Höchstspannungsleitungen in Deutschland berechnen den erzeugten Ökostrom und sind daher auch für die Zahlung der Vergütungen an Betreiber von Solaranlagen, Windrädern und Biogasanlagen verantwortlich. Diese erhalten auf 20 Jahre garantierte Vergütungen für jede Kilowattstunde Strom. Die Fördersätze werden regelmäßig gesenkt, in einigen Jahren soll die Förderung auslaufen.

Höhere Umlage spornt noch mehr an

Hans-Josef Fell ist sich sicher, dass die höhere Umlage die angestrebte Energiewende (weg von der Atomkraft, hin zu erneuerbaren Energien) nicht aufhalten kann. Höchstenfalls etwas verzögern. Diese Meinung teilt Norbert Zösch, der Leiter des Stadtwerks in Haßfurt und einer von drei Geschäftsführern der Energiegesellschaft GUT, die im Landkreis die Energiewende vorantreibt. Die höhere Umlage "spornt noch mehr an", erklärte Zösch im Gespräch mit unserem Portal. Die GUT (Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte) und auch das Stadtwerk Haßfurt lassen sich nach Zöschs Worten nicht davon beeinträchtigen auf dem Weg, die Energiewende im Landkreis herbeizuführen und autark zu werden.

Regionale Energie für die Region

Haßfurt hat diesen Weg bereits eingeschlagen. Das Stadtwerk und damit die Stadt sind an der Biogasanlage an der Osttangente beteiligt, und ein Windrad bei Bayerhof im Westen des Landkreises läuft für Haßfurt. Ziel ist es in Haßfurt wie auch für die GUT, die Energie in der Region zu erzeugen und auch dort zu vermarkten.
"Strompreis ist jetzt ehrlicher"

Norbert Zösch erkennt zwar, dass der Strompreis mit der im kommenden Jahr greifenden Umlagenerhöhung zunächst mal nach oben geht. Aber damit werde der Preis jetzt ehrlicher und auch realistischer. Und: Zösch geht davon aus, dass mittel- bis langfristig die Preise für Strom sinken werden. Seine Argumente: Die Förderung für die erneuerbaren Energien werde ohnehin immer geringer, bei manchen Anlagen (die etwa Mitte der 90er Jahre gebaut wurden) laufe sie bald aus, Photovoltaikanlagen und Windräder seien, auch mit Blick auf den Preis, heute schon markt- und damit auch konkurrenzfähig. Die Preise aus erneuerbaren Energiequellen seien, so Zösch, schon in der Nähe des Preises für Strom, der aus den konventionellen Anlagen kommt.

Ein Beispiel: Das Haßfurter Windrad bei Bayerhof läuft laut Zösch ohne Förderung. "Die Mengen, die das Windrad erzeugt, werden direkt vermarktet." Und in diese Richtungen müssen nach seiner Ansicht alle Bemühungen gehen.

Haßfurt ist mit seinem Stadtwerk neben Zeil die einzige Kommune im Landkreis, die mit ihrem Stadtwerk als Stromversorger auftritt. Zeil ist mit seinen Stadtwerken in einer ähnlichen Situation, allerdings auf einem etwas anderen Weg als Haßfurt. Zeil produziert keinen Strom selbst, hat aber den Beschluss im Stadtrat gefasst, dass alle Haushalte, die vom Zeiler Stadtwerk beliefert werden, ökologischen Strom bekommen. Das hat sich Zeil von seinen Stromlieferanten zusichern lassen.

"Preis steigt noch"

Im Gegensatz zu Zösch geht Günther Bier, der Leiter der Zeiler Stadtwerke, davon aus, dass mit der Umlagenerhöhung das Ende der Strompreisspirale noch nicht erreicht ist. "Da kommt noch mehr. Das ist nicht das Ende der Fahnenstange", erklärte er unserem Portal. Vor allem wisse niemand, wohin die Reise bei der Energiewende gehe. Es werde viel diskutiert, sagt er, aber es gehe nicht voran. "Und wir Stromversorger sind mittendrin." Es gebe offene Fragen wie zum Beispiel die Haftungsregelung bei Off-Shore-Anlagen (das ist die Windkraft aus der Nordsee) und insbesondere den immer üppiger werden Bürokratismus, die allesamt den Strompreis verteuern können. Es gebe "unheimlich Arbeit", um das alles auf die Reihe zu bringen. Günther Bier: "Energiewirtschaft ist nicht mehr einfach".