Eine Front des Widerstands tat sich vor eineinhalb Wochen in Zell auf. Etwa 200 Bürger sprachen sich bei einer Versammlung im Sportheim des TSV gegen ein Tierheim auf dem Standort einer ehemaligen Gärtnerei rund 300 Meter vom Ortsrand entfernt aus. Die Proteste waren so heftig und lautstark, dass sich die Vertreter des Landratsamtes mit Landrat Wilhelm Schneider (CSU) an der Spitze den Kompromiss abringen ließen, weiter nach einem Standort für ein Tierheim im Landkreis zu suchen. Eine achtwöchige Frist gaben sich Schneider und seine Kollegen aus der Landkreisbehörde. Ende Juli also müsste eine Lösung gefunden sein, und die könnte weiterhin Zell heißen, denn aus dem Rennen ist der umstrittene Standort nicht. Das Gärtnerei-Gelände hat der Landkreis schon gekauft, und der Kreistag hat bereits den Bau eines Tierheims auf dem Areal beschlossen.

Gleichwohl wird nach einer Alternative gesucht. Dem Landratsamt wurden laut einer Mitteilung der Behörde in Haßfurt vom gestrigen Mittwoch "mehrere Grundstücke im Landkreis angeboten". Teilweise konnten sie als Standort für ein Tierheim von vorneherein ausgeschlossen werden (mitten im Ort, zu weit weg). Teilweise "werden die restlichen Grundstücke noch auf ihre Eignung geprüft", versicherte das Landratsamt. Und: Alle Gemeinden, die von der Entfernung her nach Rücksprache mit den Vertretern der Tierschutzinitiative geeignet sind, werden nochmals auf geeignete Grundstücke hin abgefragt. Die Tierschutzinitiative will das geplante Tierheim betreiben. Ein Ergebnis gibt es bisher nicht.

Wird kein geeigneter Standort gefunden, konzentriert sich das Landratsamt wohl wieder auf das Gärtnerei-Gelände in Zell. Das haben der Landrat und seine Mitstreiter bei der Versammlung am Montag, 26. Mai, bereits deutlich gemacht.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass die Kontroverse um das Tierheim den Knetzgauer Gemeindeteil spalten könnte. Es gibt eine lautstarke Gruppe gegen den Gärtnerei-Standort, wie die Versammlung deutlich gemacht hat, aber auch Befürworter, die sich nicht so vehement positionieren. Es gibt sie aber.



PRO


"Die Befürworter sollen aufstehen"


Übergangslösungen sind für Britta Merkel (Tierschutzinitiative Haßberge) nicht länger tragbar. Ein Tierheim muss her. Sofort. Am besten in Zell, an dem umstrittenen Standort. Merkel hofft auf die Unterstützung durch Gleichgesinnte.

Wenn Sie das Stichwort Tierheim hören, was kommt Ihnen in den Sinn?

Britta Merkel: Ich denke, dass es in Zell gebaut wird. Ich hoffe es, weil wir den Standort sehr geeignet finden.

Warum geeignet?
Jetzt wurde drei Jahre gesucht und nichts gefunden, was in Sachen Infrastruktur oder Geräuschbelästigung tragbar war.
Die Größe passt. Die Anbindung passt. Und Zell bietet Freiraum für die Tiere. Wir wollen ein Begegnungszentrum Mensch-Tier haben und kein altmodisches Tierheim mit Zwingern und Gittern. Auch gut, dass Zell ein Weinort ist. Es kommen viele Leute von außerhalb, die das Heim besuchen könnten.

Was ist bei der Planung in Zell schief
gelaufen?

Dazu kann ich nichts sagen. Wir sind nur potenzielle Betreiber. Was der Landrat und die Gemeinden wann, wo beschließen, darauf haben wir keinen Einfluss.

Und Ihre persönliche Meinung?
Wie ich gehört habe, wurden Leute überrumpelt. Das ist schade. Aber ich denke, die "Bürgerwehr" hätte man so oder so gehabt. Einige hätten sich auch gegen den Standort gewehrt, wenn sie vorher einbezogen worden wären.
Man hat es bei der Info-Veranstaltung gesehen: Die meisten waren ruhig und wollten reden. Aber an zwei Tischen saßen Leute, die nur irrational protestiert haben.

Gibt es Alternativen für Zell?
Ebern kommt nicht in Frage - da sind nur acht Prozent der Fundtiere. Wir müssen alle selbst abholen und ins Heim bringen, die Polizei macht das nicht. Und wenn ich in Ebern bin und für 90 Prozent der Fundtiere 40 Kilometer ins Maingebiet runter muss, zwei, drei Mal am Tag, wer soll das
finanzieren?

Haßfurt?
Haben wir ein paar Mal diskutiert. Da gibt es Probleme mit den Leitungen und das alte Heim ist eingekesselt von Schnellstraßen. Wie soll man da Gassi gehen? Wir wollen Tiere nicht wegsperren, sondern ihnen ein gutes Leben bieten. Ich wüsste keine Alternative zu Zell. Von mir aus auch etwas weiter weg vom Ortskern, drei- oder vierhundert Meter weiter.

Was wünschen Sie sich?
Dass die Befürworter des Tierheims aufstehen. Wir haben viele Anrufe aus Zell bekommen, die pro Tierheim
waren.



CONTRA


"Der Standort liegt zu nah am Ortskern"


Es geht Willi Fuß nicht um Krawallmache oder Prostest um seiner selbst willen. Der Knetzgauer Gemeinderat ist an einer baldigen Lösung für das Tierheim interessiert - zur Not auch in Zell. Aber er stellt Bedingungen.

Wenn Sie das Stichwort Tierheim hören, was kommt Ihnen in den Sinn?
Willi Fuß: Es spricht nichts gegen ein Tierheim. Nur die Art und Weise der Planung lief falsch. Normalerweise nimmt man die Bürger mit ins Boot.

Was ist bei der Planung in Zell schief
gelaufen?

Die Information im Vorfeld. Man hat verschiedene Standorte geprüft (zum Beispiel Sylbach und Haßfurt) und sie wurden abgelehnt. Jedes Mal hat sich die Bevölkerung dagegen aufgelehnt. Im Fall Zell konnten wir Bürger aber gar nicht mitreden.
Es wurde eine überhastete Entscheidung getroffen, kurz bevor die Amtszeit des alten Landrats vorbei war. Damit wurde der neue Landrat vor vollendete Tatsachen gestellt - wie wir auch. Wilhelm Schneider kann man keinen Vorwurf machen.

Wie hätte man den Prozess gestalten
sollen?

Man muss weiter ausholen. Leider wurde 2011 das Tierheim in Haßfurt geschlossen. Die Gründe sind hinlänglich bekannt. Man hätte eigentlich schon zu einem früheren Zeitpunkt reagieren müssen, um diese Schließung von vornherein zu verhindern. Dem Tierschutzverein kann man da aber keinen Vorwurf machen.
Ich favorisiere - wie viele andere auch - den alten Standort in Haßfurt. Warum nicht diesen ausbauen? Er liegt zentral und hat eine gute Infrastruktur. Hätte man Haßfurt forciert, dann hätte es die Probleme in Zell nie gegeben.

Ist Zell für Sie vom Tisch?

Nein. Wir haben nichts gegen ein Tierheim in Zell. Allerdings wäre es besser aufgehoben an der Autobahn. Der Standort, den wir vorschlagen, liegt gut einen guten Kilometer entfernt vom Ortskern und würde niemanden stören. Der jetzig geplante Standort liegt zu nah am Ort.
Es gibt sonst noch einen alternativen Standort in Ebern, über den schon am Rande gesprochen wurde. Auch diesen Vorschlag sollte man weiter verfolgen.

Aber jetzt gibt es ja schon ein
Grundstück...

Ja. Ein großes Problem ist, dass das Objekt in Zell schon gekauft wurde. Und es wird schwer, das weiterzuverkaufen. Von dem Grundstück können nur 5000 Quadratmeter genutzt werden. 1,7 Hektar sind noch verpachtet bis 2021. Das erschwert den Weiterverkauf.

Was wünschen Sie sich?
Dass das Landratsamt auf uns zugeht. Wir haben den schwarzen Peter zugeschoben bekommen und sollen uns nach einem alternativen Standort umsehen. So geht's nicht.