Längst geht es um mehr als nur eine Bauvoranfrage, wie es noch bei der Sitzung des Bauausschusses in Ebern vergangene Woche geheißen hatte. Die "Nutrition Secure Solutions EU GmbH" will im Gewerbegebiet Alte Kaserne einen Pilot-Betrieb zur Abfüllung von Fleisch- und Proteingetränken in Flaschen einrichten. Daraus ist eine konkrete und vom Stadtrat abgesegnete Planung geworden. Und ein Politikum.


Zusage erteilt

Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) bestätigt die Recherchen dieser Zeitung, wonach dem Unternehmen mit Zentrale in der Schweiz bereits eine Zusage erteilt wurde: "Es gibt eine Bereitschaft der Stadt Ebern, das Grundstück zu verkaufen und den Betrieb hier anzusiedeln." Nach FT-Informationen hat das Gremium den Verkauf der Gewerbefläche neben der Frauengrundhalle in nichtöffentlicher Sitzung kontrovers diskutiert, ehe eine Zwei-Drittel-Mehrheit für das Geschäft votierte. Der Notarvertrag wird bereits vorbereitet.

Verhandlungspartner der Stadt ist der Unternehmer Rolf-Werner Stumpf, der in der Kaserne die Firma "Anwatec" betreibt, einen aufstrebenden Produzenten von Kühl- und Klimaanlagen. Er ist Präsident der "Nutrition Secure Solutions EU GmbH" und hat das Vorhaben in die Stadt gebracht. "Da reagiert ein Bürgermeister natürlich sofort", erklärt Hennemann, gehe es doch darum, "eine Ansiedlung und 25 Arbeitsplätze nach Ebern zu holen".


Die Zeit drängt

Kurzfristig verfügbar ist nur die Fläche im Zentrum der ehemaligen Kaserne, ein "Filetstück" neben der Stadthalle, dessen Verkauf der Stadtrat bislang stets abgelehnt hatte. Inzwischen handelt es sich um die einzige noch verfügbare Gewerbefläche in städtischem Eigentum. Alle anderen Flächen in den Gewerbegebieten in Sandhof und Fischbach sind Privatbesitz, oder es wäre erst - zeitaufwändig - ein Bebauungsplan nötig.

Doch der Investor macht Dampf. Immerhin sei er bereits seit September an der Sache dran und habe mittlerweile eine halbe Million Euro in das Projekt gesteckt, sagt Stumpf. Der Geschäftsmann ist mit seinem Start-up-Projekt international unterwegs, ein Telefonat mit dieser Redaktion am Donnerstag führte er von Kanada aus. Wie der Firmenchef sagt, habe es gegenüber früheren Plänen Abstriche gegeben, indem Parkplatzflächen reduziert und die Bebauung auf Wunsch des Stadtrates weiter von der Frauengrundhalle weggerückt wurde. Kompromisse gab es also bereits, aber auf das städtische "Filetstück" im Bereich der früheren Kaserne inklusive angrenzender Asphaltfläche, auf der laut Plan eine Solaranlage vorgesehen ist, hat sich der Unternehmer festgelegt. Eine Alternative komme für ihn nicht infrage.


Ein Vorzeigeprojekt

Neben der Stadthalle soll ein runder Kuppelbau (Durchmesser 56 Meter) als Abfüllhalle entstehen. Stumpf spricht von einer "hochtechnisierten Vorzeige-Produktionsstätte". Er warte nur noch die endgültige Stadtratsentscheidung am 7. Juni ab. Ein weiteres Werk sei bereits in Frankreich vorgesehen, und international sollen seinen Vorstellungen nach 20 weitere Fertigungsstellen folgen.
"Ebern hat das dumme Glück gehabt, sagt Stumpf, "die erste Adresse zu sein." Sollten sich die Pläne, die bereits dem Landratsamt vorliegen, doch noch zerschlagen, so habe er einen "Plan B" in der Hinterhand, denn auch aus Haßfurt und Knetzgau lägen gute Angebote vor.


Debatte bei Facebook

Derweil wird in Ebern noch eifrig diskutiert. Dabei geht es, wie immer wieder betont wird, niemandem darum, eine Gewerbeansiedlung zu verhindern, auch wenn der Gedanke an Fleisch aus der Flasche gewiss nicht jedermann das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt.
Kritik in den sozialen Medien gilt vielmehr der Stadtplanung, dem Mangel an visionärem und an strategischem Denken. Dabei geht es um die zukünftige Nutzung der Stadthalle, die der FT bereits vergangene Woche im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben thematisiert hatte. Perspektivisch, wird per Facebook argumentiert, mache der Erhalt der Grünanlage neben der Veranstaltungshalle Sinn, um den Platz für kulturelle Anliegen, Konzerte, Großereignisse oder Messen mit Bedarf an Außenflächen vorzuhalten. Daher wird nachhaltigeres Denken vom Stadtrat gefordert.


Meinungsaustausch blockiert

CSU-Vorsitzende und Stadträtin Gabriele Rögner war als stellvertretendes Mitglied selbst an der jüngsten Bauauschusssitzung beteiligt, in der es um die Bauvoranfrage ging. In einer Zuschrift an den FT kritisiert sie die mangelnde Gelegenheit, über das Projekt zu diskutieren, das sie als "Tempel der amerikanisierten Fleischindustrie" bezeichnet. Das "Totschlagsargument Arbeitsplätze" dürfe nicht zu unüberlegten und zu schnellen Entscheidungen führen, meint die Politikerin. Gewerbeansiedlungen würden von ihr und der CSU immer begrüßt, aber sie fordere Alternativvorschläge für den Standort.
Rögner bringt eventuelle Geruchsbelästigungen und die Verkehrs- und Abwasserproblematik ins Gespräch: "Die großzügige Grünfläche vor der Eberner Festhalle, zudem in der Nähe eines durchaus gutgehenden Hotels, sollte für diese gewerbliche Form der Nutzung nicht zur Verfügung stehen", schreibt sie, handle es sich doch um einen "wirklich sensiblen Bereich". Entscheidend in der Kommunalpolitik sei es, Schritte zu verhindern, die offensichtlich in die falsche Richtung gehen.
Wenn der offene Austausch von Argumenten in den Gremien der Stadt blockiert werde, dann müsse "der Gegenwind halt mit voller Kraft aus dem Blätterwald kommen."


Fleisch aus der Flasche

Die Nutrition Secure Solutions EU GmbH will unter dem Markennamen "Peter und Phil's" Proteingetränke produzieren, die bei Sport und Freizeit, im Militäreinsatz, im Katastrophenfall oder als Krankenhauskost einsetzbar sind. Griffig gesagt geht es um Fleisch aus der Flasche, das zunächst in drei Sorten angeboten wird: "Chicken Royal", "Gurmeat Beef" und "Beef Bombay".