Er ist schon bei 50 Grad Hitze im "Tal des Todes" in Kalifornien gelaufen und 18 Stunden lang bei Dauerregen in Japan - da können Hubert Karl auch die derzeitigen frostigen Temperaturen nicht schrecken. Er sei halt "ein Naturmensch, und wir müssen akzeptieren, was die Natur uns anbietet, und uns darauf einstellen", sagt er. Aber einige besondere Maßnahmen ergreift der Zeiler, der bereits rund 138.000 Laufkilometer in den Beinen hat, durchaus, wenn es richtig kalt wird. Viele davon empfehlen sich seiner Meinung nach auch für andere Läufer.
Denn eines wäre nach Meinung des Zeilers grundfalsch: Die Eiseskälte als Grund dafür zu nehmen, sich "noch mehr zu verkriechen. Die meisten Erkältungen holt man sich in überheizten Räumen, in der Schule, im Büro, aber nicht draußen."

Die oberste Devise für Karl lautet: kein Tempotraining. "Das halte ich für mich selbst so und auch beim Training mit der Kindergruppe des TV Zeil", sagt er, und Elisa Jäger von den Zeiler "Roten Teufeln" kann das bestätigen: Eigentlich bereite sie sich im Winter genauso auf die Wettkämpfe vor wie im Sommer, erklärt sie, fügt aber nach kurzem Nachdenken hinzu: "Wir laufen nur nicht so schnell." Nicht an die Belastungsgrenze herangehen, damit die Bronchien nicht unnötig gereizt und dadurch Infektionen ausgelöst werden, das ist die Kardinalregel. Karl: "Das gilt generell, sobald die Temperaturen im Minusbereich sind", und nicht nur für eine so ungewöhnliche Kälte wie in diesen Tagen.


Flott gehen statt laufen



Für den ambitionierten, wettkampforientierten Läufer heißt das, wie der hauptberufliche Lauftherapeut Karl erläutert, "nur mit 60 Prozent der maximalen Herzfrequenz laufen statt vielleicht sonst 80 Prozent, also nicht in den oberen Pulsbereich gehen. Da ist es dann egal, wenn man nur neun Kilometer in der Stunde zurücklegt statt elf." Etwas schwieriger werde die Dosierung für den Gelegenheitsläufer, der, weil weniger trainiert, schneller seinen persönlichen Grenzbereich erreiche. "Da ist es dann vielleicht besser, wenn man statt zu laufen einfach nur flott geht. Damit hat man dann auch etwas für seine Gesundheit getan." Und noch einmal betont der 53-jährige Zeiler: "Wichtig ist, überhaupt raus zu gehen und sich der Natur zu stellen."

Dass die richtige Laufkleidung gerade im Winter ein absolutes Muss ist, "das weiß mittlerweile ja wohl jeder", glaubt Hubert Karl. Wichtig seien da Handschuhe und vor allem eine Mütze, "denn man verliert ja unheimlich viel Wärme über die Kopfhaut, und gerade für einen Läufer ist Wärme gleich Energie." Ob ein Athlet nun Bekleidung aus modernen Kunstfasermischungen bevorzugt oder auf die gute alte Baumwolle schwört, das sei zweitrangig. Hubert Karls persönliche Vorgabe ist, lieber eine Bekleidungsschicht weniger anzulegen als eine zu viel, "denn mir ist es lieber, ich friere am Anfang ein bisschen, was sich nach fünf Minuten dann sowieso gibt, als bei großer Kälte zu viel zu schwitzen."


Ausreichend trinken ist enorm wichtig



Auf seine Ernährung legt Hubert Karl seit vielen Jahren nicht nur im Winter, sondern jederzeit im Jahr großen Wert und empfiehlt dem Hobbyläufer, bei Kälte besonders darauf zu achten. "Obst ist natürlich oberwichtig", betont er. Und die ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Der Zeiler Laufexperte weiß: "Wenn es so kalt ist, hat man meist weniger Durst. Aber wenn man dann nicht genug trinkt, wird man noch anfälliger für eine Infektion." Er selbst habe es sich zur Regel gemacht, jeden Tag vier bis sechs Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
Unter dem Strich bleibt: Wenn ein Hobbyläufer einige relativ einfache Vorgaben berücksichtigt, kann und wird er auch bei unter minus zehn Grad Spaß an seinem Sport haben.