Salvador ist weit weg. 8473 Kilometer Luftlinie von der Kreisstadt Haßfurt, um genau zu sein. Aber in den Gedanken vieler Fußballfans ist der Austragungsort des ersten WM-Spieles der deutschen Nationalmannschaft ständig präsent. Und natürlich auch die Frage: Wer läuft nun auf gegen Portugal, wenn es gilt, in Brasilien gegen Ronaldo und Co. einen guten Start ins Turnier hinzulegen?

Genau diese Frage haben wir vier Trainern aus dem Landkreis Haßberge gestellt. Wer soll ins Tor, wer die Abwehr bilden? Welches Duo könnte im Mittelfeld die gegnerischen Vorstöße unterbinden, und wer soll die nötigen Tore schießen, damit ganz Fußball-Deutschland jubeln kann? Nachstehend die erste Wahl dieses Experten-Teams. Sieben der benannten Spieler kommen vom deutschen Meister und Pokalsieger FC Bayern München.


Tor

Für Michael Hehn kann es auf dieser Position keine Diskussion geben. "Wenn er fit ist, muss Manuel Neuer spielen", sagt der Trainer des FC Neubrunn, der mit seinem Team über die Relegation die Rückkehr in die Kreisliga Schweinfurt schaffte. Und daran, dass der Schlussmann des FC Bayern fit wird, zweifelt Hehn nicht, "sonst hätte ihn der Bundestrainer nicht mitgenommen." Neuer habe vor allem fußballerisch gegenüber seinem Kontrahenten Roman Weidenfeller erhebliche Vorteile, "und das ist heutzutage, wo der Torwart fast wie ein Libero mitspielen muss, sehr wichtig." Und falls doch Weidenfeller ran müsste, wäre Hehn auch nicht bange, "er hat es verdient, dass er als Nummer 2 dabei ist, und hat in der Champions League sehr viel Erfahrung gesammelt."


Abwehr

Markus Henneberger, Trainer der Spfr. Unterpreppach (Aufsteiger in die Kreisliga Coburg), hat eine klare Vorstellung davon, wie die deutsche Abwehrreihe aussehen soll: Philipp Lahm rechts, Jerome Boateng und Mats Hummels in der Mitte, dazu Neuling Erik Durm links. "Das ist das Bestmögliche, das wir zur Verfügung haben", sagt der ehemalige Stürmer. Philipp Lahms angestammte Position sei die des Rechtsverteidigers. Von dort aus könne der deutsche Kapitän zudem für die Offensive mehr leisten, auch wenn er im Mittelfeld durchaus ebenfalls seine Qualitäten habe. Jerome Boateng habe sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt, "davor war er manchmal ein Unsicherheitsfaktor". Und Mats Hummels sei konstant gut drauf und zu einem Weltklasseverteidiger geworden. Die Position des Linksverteidigers sieht Henneberger als Problembereich. Der 22-jährige Nachwuchsmann Erik Durm "ist die beste Option", wie Henneberger meint. Er habe in der Champions League gezeigt, dass er auch gegen Weltklasseleute bestehen könne.


Defensives MIttelfeld

Für die "Abräumer" vor der Abwehr sieht Johannes Fischer keine allzu großen Auswahlmöglichkeiten. Das Duo seiner Wahl spielt auch bei seinem Lieblingsverein Bayern München oft in dieser Rolle zusammen: Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos. "Bastian Schweinsteiger ist für mich gesetzt, wenn er fit ist. Er ist der Leader im Mittelfeld, extrem routiniert und kann ein Spiel lenken", sagt Fischer, der nach der kurzen Sommerpause seine erste Trainerstelle beim TV Ebern (Bezirksliga Oberfranken West) antritt. Für die Eberner stürmt er seit Jahren sehr erfolgreich. Für Kroos plädiert Fischer, "auch wenn er manchmal das Spiel verschleppt. Aber seine Schüsse aus der zweiten Reihe sind einfach stark, vielleicht die besten auf der Welt." Falls einer der beiden Bayern-Stars ausfallen sollte, wäre Sami Khedira für Fischer die erste Alternative, "vielleicht könnte er sich mit Schweinsteiger abwechseln, beide kommen ja von Verletzungen zurück."


Angriff

Über keinen Mannschaftsbereich wird so viel diskutiert wie über die Offensive. Echte Neun, also mit einem klassischen Mittelstürmer, falsche Neun (ein Mittelfeldspieler oder mehrere stoßen immer wieder ins Sturmzentrum vor), das ist die Frage. Erwin Albert war in seiner Zeit als Profi beim SK Beveren in der belgischen Profiliga ein klassischer "Neuner", dennoch plädiert er für Thomas Müller in der Spitze. "Er ist so schwer auszurechnen, weil er manchmal selbst nicht weiß, was er macht", sagt er. Dahinter ist für ihn Mesut Özil erste Wahl. "Ich wundere mich manchmal über die Diskussion über ihn", erklärt Albert. Bei den jüngsten Testländerspielen habe die Mannschaft ein hartes Trainingslager hinter sich gehabt, "das verkraftet halt der eine besser und der andere schlechter". Links würde der ehemalige Trainer des Landesligisten FC Sand, der seine Laufbahn nach der abgelaufenen Saison zunächst einmal beendet hat, Mario Götze vom FC Bayern aufstellen, "der kann so viel am Ball", und rechts André Schürrle. Für Schürrle spreche seine Schnelligkeit, "und er hat in der Premier League gelernt, seinen Körper im Zweikampf noch robuster einzusetzen". Mit Miroslav Klose, der nach seiner Verletzung möglicherweise noch nicht wieder bei 100 Prozent sei, und Lukas Podolski "können wir dann noch einmal nachlegen", sagt Albert. Beide seien als Joker bestens geeignet. Albert macht kein Hehl daraus, dass er es für sehr schade hält, dass Marco Reus verletzt ist: "Er war zuletzt in bester Form und hätte meiner Meinung nach auf alle Fälle gespielt."



Die Elf der Trainer

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München)

Abwehr: Philipp Lahm, Jerome Boateng (beide FC Bayern München), Mats Hummels, Erik Durm (beide Borussia Dortmund)

Defensives Mittelfeld: Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos (beide FC Bayern München)

Offensives Mittelfeld/Angriff: Mario Götze (FC Bayern München), Mesut Özil, André Schürrle (beide FC Chelsea London), Thomas Müller (FC Bayern München)