Innerhalb der Mannschaft sei darüber schon ein bisschen gefrotzelt worden, erzählt Christopher Langer, "weil ich der Einzige war, der das bisher noch nicht geschafft hatte". Aber das hat sich am vergangenen Samstag erledigt. Mit 1008 Holz übertraf der Bayernliga-Kegler von Gut Holz Zeil in Speichersdorf zum ersten Mal die "Tausender"-Grenze. Dass sich der aus Ebelsbach stammende Langer über diese neue persönliche Bestmarke (bisher stand sie bei 999), die beste Zeiler Leistung an diesem Tag, freute, steht außer Frage. Allerdings ist der Jubel dadurch getrübt worden, dass die Mannschaft ihr Punktspiel verlor. "Es wäre mir lieber gewesen, wenn ich 995 geschoben hätte, und wir hätten gewonnen", sagt er. Doch eine Verletzung von Olaf Pfaller in der Schlusspaarung machte den Zeilern einen Strich durch die Rechnung.

Christopher Langer erzielte die Bestmarke in der Startgruppe. 635 Keile fielen bei ihm im Spiel in die Vollen, bei dem vor jedem der 100 Schub alle neun Kegel stehen. 373 erzielte er im Abräumen. Dabei sind in der Bayernliga ebenfalls 100 Wurf zu absolvieren, allerdings werden erst dann alle neun Kegel wieder aufgestellt, wenn der Sportler in den vorangegangenen Versuchen alle Keile gefällt hat.


Abräumen ohne Fehler

Dass dem 30-Jährigen im Abräumen kein Fehler unterlaufen ist, er also keinen einzeln stehenden Keil verfehlt hat, gilt als exzellent, ist für ihn allerdings in den jüngsten Begegnungen fast schon zur Gewohnheit geworden. Christopher Langer: "Das war bei mir in den letzten drei Spielen schon so. Es ist eine gute Basis und gibt Sicherheit, wenn man weiß, dass man sich keine Gedanken machen muss, ob ein einzelner Kegel stehen bleibt."
Mit der Bahn in Speichersdorf sei er "schon immer" gut zurecht gekommen, deshalb sei er auch mit Selbstvertrauen in die Partie gegangen. "Planen kann man so ein Ergebnis aber nicht", macht Langer deutlich.

"Man merkt zwar schnell, ob man sich an einem Tag gut fühlt oder ob es nicht so läuft, aber erst als ich auf der letzten Bahn wieder gut angefangen habe, habe ich daran gedacht, dass diesmal ein besonderes Ergebnis drin sein könnte." 748 Holz standen für ihn nach 150 Schub (nach jeweils 50 werden die Bahnen gewechselt) auf der Anzeige, 260 legte er auf den letzten 50 Kugeln drauf. "Mit Olaf Pfaller haben wir einen sehr guten Kapitän, der die Mannschaft immer bestens einstellt. Auf der letzten Bahn stand er dann direkt neben mir und hat mich geleitet", schildert Christopher Langer. Innerhalb der Mannschaft betreuen sich die Kegler immer gegenseitig, "das ist wichtig, weil man während des Spiels oft nicht gleich erkennt, wenn sich Fehler einschleichen."


Es fehlt die Cleverness

"Auf jeden Fall" müsse ein Kegler bei einem "Tausender" einen ausgeben, sagt Langer lachend. Das habe er beim Essen gleich nach dem Spiel erledigt, auch wenn, wie erwähnt, die Stimmung sicher besser gewesen wäre, wenn die Mannschaft nicht verloren hätte. Mit 4:8 Punkten rangiert Gut Holz in der Bayernliga auf dem vorletzten Tabellenplatz. "Wir spielen einfach unclever, heuer ist der Wurm drin", meint der Ebelsbacher dazu.

"Wenn wir gut spielen, ist der Gegner oft noch ein bisschen besser, wenn der Gegner schlecht spielt, passen wir uns an." Deshalb sei das vorrangige Ziel in dieser Saison der Klassenerhalt. Mittelfristig aber, macht Langer deutlich, wollen die Zeiler einen Anlauf Richtung Zweite Liga unternehmen - eine Spielklasse, die nach seiner Einschätzung vom Leistungsstand der Teams eher schwächer ist als die Bayernliga. Planen könne man so einen Aufstieg nicht, meint er, aber er sei zu schaffen, "wenn wir alle das spielen, was wir können."


Die Laufbahn begann in Ebelsbach

Da die Eltern und Großeltern von Christopher Langer bereits Kegler waren, sei er "schon immer" mit auf die Bahn gegangen. Im Alter von 13 Jahren hat er seine aktive Laufbahn in Ebelsbach begonnen, sieht Gut Holz Zeil aber als seinen Heimatverein an. 1999 ist er zum Verein gekommen, "da hat mir zum ersten Mal jemand gezeigt, wie man kegelt", lobt er die Ausbildung dort. Sieben Jahre, von 2004 bis 2011, kegelte er dann für Victoria Bamberg, meist in der Dritten Mannschaft, ab und zu auch in der Zweiten des mehrfachen deutschen Meisters und Champions-League-Siegers, ehe er wieder nach Zeil zurückkehrte.

Das Training bei Gut Holz unter Harry Rittel schätzt Langer sehr, "von der Technik und Methodik her ist das nicht viel anders als in Bamberg." Die Top-Leute der Bamberger zeichneten sich vor allem "durch ihre Coolness" aus, "sie werden unter Druck nicht nervös, da konnte ich mir einiges abschauen." Zudem sei der Konkurrenzkampf auf höchstem Niveau für alle ein Ansporn.


Fast eine Kreisauswahl

Seine keglerische Heimat sieht der 30-Jährige aber in Zeil, daraus macht er kein Hehl. "Gut Holz ist schon ein ganz besonderer und sehr gut geführter Verein", sagt er. "Wir bauen ja nur auf Leute aus der Umgebung, sind fast eine Kreisauswahl. Mit Christian Kager, der wie ich 2011 nach Zeil gekommen ist, habe ich schon in der Kreisjugendauswahl gespielt." Die Stimmung in der Mannschaft sei hervorragend, "es macht einfach Spaß."
In Zeil sei es ihm auch möglich, seinen Sport mit dem Zeitaufwand auszuüben, den er aufbringen kann.

Viel ist das nicht, denn der gelernte Diplom-Verwaltungswirt, der als Beamter in Diensten der Immobilienverwaltung des Freistaats Bayern in Würzburg arbeitet, absolviert neben seinem Beruf (er hat eine 60-Prozent-Stelle) auch noch ein Jurastudium an der Universität Würzburg. Dieses anspruchsvolle Programm lasse während des Semesters kaum Zeit zum Training. "Meine Mannschaftskameraden tolerieren das", sagt er. Natürlich hilft es dann, dass die Leistung stimmt, "wenn nicht, müsste ich mir wahrscheinlich schon die Möglichkeit schaffen, mehr auf der Bahn zu trainieren."


Bis zum Marathon

Er lege deshalb besonderen Wert auf eine gute Saison-Vorbereitung und körperliche Fitness. "Ich laufe in Würzburg viel, damit ich auch am Ende eines Spiels noch frisch bin. Das dauert ja immerhin eineinhalb Stunden", erzählt er. Bis hin zum Marathon reichen seine Strecken. Bei 3:42 Stunden steht Christopher Langers Bestzeit für die 42,195 Kilometer - eine sehr solide konditionelle Grundlage für weitere Spitzenleistungen auf der Kegelbahn.