Ein mindestens 50 Jahre altes Schild mit einem simplen Satz: "Elf Freunde sollt ihr sein, um Siege zu erringen" heißt es in weißer Schrift auf rot-schwarzem Grund, den Vereinsfarben des FC Strullendorf.

"Alle waren sich einig, dass das Schild in die neue Kabine mit muss", sagt Jens Müller. Und Jan Neundörfer nickt. Beide haben im Erwachsenenbereich nur für Strullendorf gespielt. Neundörfers Urgroßvater hat das Schild einst gefertigt. Nun ist es das einzige Überbleibsel, das die Renovierung der Umkleiden beim künftigen Bamberger Kreisligisten überlebt hat.

Alles in der Strullendorfer Kabine ist neu

Alles andere ist neu: Fünf Kabinen inklusive Schiedsrichterumkleide, drei Duschräume und Toiletten - das gesamte Untergeschoss des Vereinsheims wurde auf Vordermann gebracht. Geplanter Kostenpunkt der Maßnahmen: 160 000 Euro. In Strullendorf wissen sie, dass das eine Menge Geld ist, doch "es ist auch eine Investition in die Zukunft", sagt Vorstandsmitglied Richard Rödel.

Etwa 30 Prozent Zuschuss kommen von der Gemeinde Strullendorf, dem Kreisjugendring und dem bayerischen Landessportverband. Die restliche Summe stemmen die Strullendorfer mit Hilfe von Fremdfinanzierung.

Das meiste Geld floss in Energieeffizienz und Wasseraufbereitung. "Etwa 80 000 Euro", sagt Heizungs- und Lüftungsbaumeister Richard Hofmann, der die Projektleitung innehatte. Im Vergleich zu früher sparen die Strullendorfer zwischen 50 und 60 Prozent Energie ein. "Alles ist auf dem neuesten Stand der Technik", sagt Hofmann. "Es gibt momentan nichts Besseres."

Die Fußballer profitieren davon: Früher wurde das Wasser in einem alten Gusskessel gespeichert und auf 65 Grad aufgeheizt. Die ersten duschten heiß, die nächsten lauwarm und die letzten kalt. Der Energieverbrauch war enorm. Das ist vorbei: "Das Wasser wird nur noch aufgeheizt, wenn es benötigt wird", sagt Hofmann. Dank einer Frischwasserstation mit Plattenwärmetauscher dauert es keine zehn Sekunden bis das Wasser warm ist - die nötige Energie liefert eine Solaranlage. Scheint die Sonne nicht, springt ein Gas-Brennwertkessel ein.

Strullendorfer Kabinen nicht mehr zeitgemäß

"Die alten Kabinen waren nicht mehr zeitgemäß", sagt Rödel. Gebaut wurden diese Anfang der 80er Jahre. Getan hat sich seitdem nichts. Die Decken und Wände waren mit Holz vertäfelt. Alles war dunkel und erdrückend. Lüftungen gab es keine.

Doch bevor der Umbau beginnen konnte, wurde auf der Mitgliederversammlung über das Projekt abgestimmt. "Die Älteren waren skeptisch, doch die Mannschaften wollten neue Kabinen", zeigt Rödel die Gegensätze auf. Durchgesetzt haben sich die Aktiven. Ende November begannen der Abriss und die Entsorgung, ausgeführt in Eigenleistung durch die erste und zweite Mannschaft und einige ehrenamtliche Helfer. "Es hat mitgemacht, wer eben Zeit hatte", sagt Neundörfer. Und Müller fügt an: "Da waren viel Action und eine Menge Spaß dabei." Die Holzvertäfelung wurde herausgerissen, Fliesen geklopft und Estrich entfernt. Eine Mauer wurde durchgebrochen, um eine Heimkabine größer zu machen. Im Anschluss waren Firmen dran, denn Handwerker gibt es in der Mannschaft nicht. Die Arbeiten verliefen ohne größere Probleme. Pünktlich zum ersten Punktspiel des Jahres Anfang April waren die Kabinen bezugsfertig.

Wer jetzt in das Untergeschoss des Strullendorfer Sportheims geht, wird nicht von der Dunkelheit erdrückt. Die weißen Wände sorgen für eine helle Atmosphäre. Der graue Boden zieht sich durch das Untergeschoss. Aus Holz sind nur noch die Sitzbänke und die Leisten der Kleiderhaken. Was noch fehlt, ist der Feinschliff. In den alten Kabinen hatten alteingesessene Spieler wie Jens Müller Namensschilder. "Mein Platz ist der gleiche geblieben, aber das Schild vermisse ich schon ein wenig", sagt der 35-Jährige. "Vielleicht machen wir die wieder hin."

Erste Feier gab es schon

Eine spontane Feier hat die neue Kabine schon überstanden. Die FC-Fußballer erfuhren von der Meisterschaft in der Kreisklasse 2 Bamberg auf dem Trainingsplatz. Konkurrent SV Weichendorf hatte im Nachholspiel gepatzt. "Eine Einweihungsfeier soll aber noch kommen", versichert Neundörfer.

Chance auf 2000 Euro

In der Serie "Schöner umziehen - ein Blick in Frankens Kabinen" suchten wir die schönste, aber auch die renovierungsbedürftigste Umkleidekabine Frankens. Die Bewerbungsphase ist jetzt beendet. Am Samstag, 22. Juni, beginnt die zweiwöchige Online-Abstimmung auf inFranken.de/schoenerumziehen. Der Verein mit den meisten Stimmen für die "hässlichste" Kabine erhält 2000 Euro für einen Umbau. Der Verein mit den meisten Stimmen für die schönste Umkleide gewinnt 500 Euro für eine Kabinenparty und einen gefüllten Glastür-Kühlschrank. red