Sie bereitet sich im Maria-Ward-Gymnasium in Bamberg gerade auf ihr Abitur vor, trainiert daneben fünf Mal in der Woche entweder zu Hause, in Würzburg oder bei ihrem neuen Verein in Karlstadt und nimmt zusätzlich an Wettkämpfen teil. Die Tage von Elisa Jäger aus Dörflis (Stadt Königsberg) sind gut gefüllt und verplant. Doch für die 17-jährige Leichtathletin zahlt sich die Anstrengung gerade in sportlicher Hinsicht aus.

Erst vor einigen Wochen gewann sie bei den bayerischen U20- und U18-Meisterschaften in München den Titel über 400 Meter in einer Zeit von 58,41 Sekunden. Damit schaffte sie die Qualifikation zu den deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften in Neubrandenburg. Dort verpasste sie bei ihrem Vorlauf über 400 Meter jedoch den Einzug ins Finale klar und belegte mit ihrer Zeit von 60,84 Sekunden den 19. Rang. Als Schlussläuferin holte sie bei der bayerischen Meisterschaft in Fürth mit der 4x400-Meter-Staffel dagegen die Goldmedaille, während im 4x200-Lauf der hervorragende zweite Platz heraussprang. Keine Frage: Elisa Jäger ist auf dem besten Wege, sich weiter nach oben zu laufen.

Erst vor fünf Jahren begonnen

Dabei begann die junge Frau erst vor fünf Jahren mit der Leichtathletik, nachdem sie von ihrer im Sport aktiven Mama Sandra Hofmann einmal "zum Schnuppern" überredet wurde. "Anfangs", erinnert sie sich, "wurde ich wie jeder dort auf die Mittelstrecke geschickt." Doch irgendwann hatte Elisa keine Lust mehr auf "reines Laufen". Sie wollte vielmehr schnellere Disziplinen. "Durch den Langsprint habe ich in der W15 erstmals die Kadernorm des BLV erreicht, doch da mein Sprinttalent beim TV Zeil leider nicht weiter gefördert werden konnte, entschloss ich mich zu einem Vereinswechsel", begründet die Schülerin ihren Weggang im vergangenen Jahr.

Dass ihr neuer Verein die LG Karlstadt ist, hat natürlich seinen Grund: "Schon als ich noch beim TV Zeil war, wurde ich zu Stützpunktmaßnahmen eingeladen. Diese waren damals noch monatlich in Karlstadt, wodurch ich regelmäßig Kontakt zu den Trainern und Athleten der Leichtathletik-Gemeinschaft hatte und mich natürlich auch mit ihnen anfreundete." Es lag also nahe, dass Elisa an ihre noch bestehenden Kontakte "mit tollen Trainingspartnerinnen und Trainingspartnern" anknüpft und diese intensiviert. Ein Wechsel beispielsweise nach Fürth kam für sie dagegen "nicht in Frage, da dies mit einem Bezirkswechsel verbunden gewesen wäre."

Die Anfahrtswege zum Training sind weit

Natürlich hat sich dadurch vor allem der zeitliche Aufwand erhöht, denn bis zum Zeiler Tuchanger brauchte Elisa Jäger nur einige Minuten. Mittlerweile verbringt sie für Hin- und Rückfahrt in jedem Monat viele Stunden auf den Straßen. Zwar hat sie von ihrem Trainer Marco Gößmann-Schmitt einen individuellen Plan bekommen, nach dem sie drei Mal wöchentlich zu Hause trainiert. Doch immer montags fährt sie zum Stützpunkttraining nach Würzburg (Sanderrasen) sowie samstags zum knapp 80 Kilometer entfernten Sportplatz an der Erwin-Amman-Halle nach Karlstadt, "wenn keine Wettkämpfe sind." Beide Einheiten nehmen inklusive Anfahrt ungefähr fünf Stunden in Anspruch.

Zumindest nach Karlstadt ist die Anfahrt aber relativ entspannt, denn sie nimmt meist die Bahn. "Nach Würzburg haben wir eine Fahrgemeinschaft mit Athleten der LG Haßberge und des FC Schweinfurt 05. Da wechseln sich entweder die Eltern ab, oder die Volljährigen fahren selber", erzählt sie. Die zur Verfügung stehenden Zeiten für ihre weiteren Hobbys, Reiten und Klavierspielen, sind jedenfalls wesentlich knapper geworden.

Dauerläufe in den Freistunden

An ihrem Ziel, an weiteren deutschen Meisterschaften sowohl im Einzel als auch in der Staffel teilzunehmen und dann dort möglichst gute Ergebnisse zu erreichen, arbeitet Elisa Jäger jetzt noch intensiver. Sogar in der Schule. "Wenn ich nur einen Dauerlauf oder ähnliches mache, erledige ich das oftmals auch in meinen Freistunden in Bamberg", ist sie deshalb gar nicht so gefrustet, wenn wieder einmal eine Unterrichtsstunde ausfällt, und ist somit oft in der Domstadt unterwegs. "Leider", grinst sie, "habe ich genügend Freistunden. Na ja, dann hab' ich da wenigstens etwas zu tun."

Nicht selten kommt die 17-Jährige abends erst sehr spät heim. Das empfindet sie vor allem im Winter, wenn es bereits dunkel ist, als "doof". Aber immerhin kommt dann entweder Papa Dieter, Mama Sandra oder einer von ihren Brüdern Louis und Janne noch mit zum Trainieren - auch in die Turnhalle des TV Augsfeld, in der überfachliches Training wie etwa Athletik oder Gymnastik auf dem Programm steht.

Nach dem Abitur zunächst ein Freiwilliges Ökologisches Jahr

Ein kompletter Umzug nach Karlstadt ist vorerst nicht geplant. Vorrang hat jetzt noch die Schule. Und nach den Abiturprüfungen in einigen Monaten möchte Elisa Jäger nicht sofort das angestrebte Tiermedizin-Studium aufnehmen, sondern zunächst ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) machen. Dies sei auch ein Grund dafür, dass sie sich nochmals verstärkt auf die Leichtathletik konzentrieren könne. "Deshalb schaue ich zunächst natürlich auch auf Stellen, die in der Nähe von Karlstadt und Würzburg liegen." Ein weiterer Wechsel zu einem noch größeren Verein komme nicht in Frage. "Ich fühle mich bei der LG Karlstadt sehr wohl. Außerdem zählt sie zu den führenden Verein in Nordbayern", betont sie, fügt aber gleich hinzu: "Wie das Ganze im Studium ausschaut, weiß ich noch nicht."