Es war die 70. Minute, als Ahmet Kulabas so laut brüllte, dass auch die Zuschauer auf der anderen Seite des Sander Seestadions verwundert von ihrem Bier aufblickten. Der Erlanger Angreifer machte seinem Frust Luft, zum x-ten Mal spielte der ATSV einen gut herausgearbeiteten Konter schlampig zu Ende. Auch deshalb ging der FC Sand nach 90 Minuten mit einem glücklichen 1:0 im Rücken vom Rasen.

FC Sand - ATSV Erlangen 1:0

Denn der Führungstreffer der Gastgeber war das einzige Glanzlicht in einer ersten Hälfte, die die Männer von Trainer Diether Schlereth sicher schnell abhaken wollen. Der ATSV gestaltete die Partie zu Beginn überlegen, Markus Geier war jedoch mehrmals zur Stelle und hielt die Hausherren im Rennen. Doch auch der Schlussmann sorgte für Schnappatmung bei den Zuschauern und präsentierte sich ebenso wie seine Vorderleute nicht wirklich von seiner besten Seite.

Im Spiel nach vorne hakte es gewaltig. Das Umschaltspiel funktioniert nicht, nach Ballgewinn agierten die Korbmacher behäbig und zu zaghaft. Lange Bälle aus der Defensive, vornehmlich von Joe Bechmann, fanden keinen Abnehmer. Arbeiteten sich die Außenspieler einmal ins letzte Drittel vor, haperte es am berüchtigten letzten Ball.

"Mit so einer Leistung, wie wir sie in der ersten Hälfte gezeigt haben, erbst du eigentlich gar nichts", analysierte auch der Sander Trainer Dieter Schlereth. "Das war ziemlich schlecht von uns."

Doch das änderte sich nach dem Seitenwechsel - und die Ursache dafür war noch Teil der ersten Halbzeit: Thorsten Schlereth ergatterte sich den Ball auf der linken Außenbahn, scheiterte mit seinem Schussversuch aber noch knapp. Die Erlanger schafften es jedoch nicht, die Situation zu entschärfen, Dominik Schmitt nutzte das gnadenlos aus: Mit einem Sonntagsschuss ließ er ATSV-Keeper Michael Kraut keine Abwehrchance, der Ball zappelte in den Maschen (45.+2).

Mehr Dampf nach der Pause

Dass der "psychologisch wichtige Zeitpunkt" kurz vor dem Pausenpfiff keine Binsenweisheit ist, bewies der FC Sand nach Wiederanpfiff. Die Hausherren mussten zwar die beiden gefährlichsten Chancen von Ismail Yüce (46.) und Tim Ruhrseitz (49.) überstehen, danach zeigten sie sich wie ausgewechselt. Die Offensivriege um Shaban Rugovaj und Philipp Markof lief die ATSV-Defensive konsequent an und übte Druck aus, das Mittelfeld um Sebastian Wagner baute das Spiel mutig von hinten heraus auf.

Hatte der Trainer in der Pause also die richtigen Worte gefunden? "Ich hab den Jungs gesagt, dass die erste Halbzeit grottenschlecht war und das einzig positive der schöne Treffer zum 1:0 war", sagte Schlereth. "Der Zeitpunkt war natürlich unglaublich wichtig für uns."

Ab der 65. Minute arbeitete sich Erlangen wieder zurück ins Spiel, mehrmals lag der Ausgleich in der Luft - nur fallen wollte er nicht. Es folgte das Frust-Gebrülle von Kuhlabas, das seinem Team aber auch nicht weiterhalf. Denn die Sander ackerten unermüdlich weiter, nur belohnten sie sich nicht für ihre Mühen. Die dickste Chance hatte Shaban Rugovaj, der seinen Ball nach Vorarbeit von Thorsten Schlereth ohne Bedrängnis deutlich über den Querbalken setzte. "Unglaublich. Im Training macht er aus zehn solcher Möglichkeiten zwölf Tore", kommentierte Schlereth.

Fehlentscheidung mit Folgen?

Kurios wurde es in der Nachspielzeit: Die Gäste warfen alles, inklusive Keeper Kraut, nach vorne und verloren den Ball. Adrian Reith und Shaban Rugovaj sprinteten in Richtung ATSV-Gehäuse, beim Abspiel wollte der Unparteiische eine Abseitsposition erkannt haben und pfiff Reiths Treffer zurück. Eine klare Fehlentscheidung, denn Reith startete klar aus der eigenen Hälfte.

Den Dreier hatte der FC Sand dennoch sicher und hält somit die Chance auf den direkten Klassenerhalt am Leben. "Der Schiedsrichter kam nach dem Spielende zu uns in die Kabine und hat sich entschuldigt. Da hat er charakterliche Größe gezeigt, das rechne ich ihm an", sagte Schlereth.

Rechenspiele

Nun "droht" eine Punktgleichheit zwischen dem FC Sand, dem ATSV Erlangen und sogar dem ASV Vach. Die gibt es bei einem Sander Remis in Aubstadt und einer gleichzeitigen Erlanger Niederlage gegen eben diesen ASV Vach. Dann geht es an den direkten Vergleich, und hier hätte Vach die Nase vorn. Sand muss also beim Meister in Aubstadt gewinnen, während Erlangen bestenfalls remis spielen darf. Dann wäre der Klassenerhalt geschafft.

FC Sand: Geier - Bechmann, Rugovaj, D. Schlereth, T. Schlereth (80. Witchen), Karmann, Wagner (85. Moser), Markof (70. Rippstein), Reith, Steinmann, D. Schmitt / ATSV Erlangen: Kraut - Vargas (80. Faßold), Kleefeldt, Geißler, Yüce (70. Fiebig), Guerra (46. Kulabas), List, Marx, Ruhrseitz, Markert, Steininger / SR: Hannes Hemrich / Zuschauer: 250 / Tore: 1:0 (45.+2) D. Schmitt