Immerhin müssen sie nicht mehr in einen Brühkessel steigen. Das war bis 1975 im Breitbrunner Ortsteil noch harte Realität, nachdem die Fußballer des SC Lußberg 90 Minuten auf dem Rasen absolviert hatten. "Damals gab es den Fußballplatz und das war's", sagt Günther Hofmann. Zum Waschen seien die Kicker nach dem Training oder den Spielen zur Dorfwirtschaft gegangen. "Der Wirt hat einen alten Brühkessel mit kaltem Wasser hingestellt, da sind sie dann hineingestiegen", erzählt das Vorstandsmitglied.

Diese Zustände haben sich vor 44 Jahren geändert - aber nicht die Strecke, die die Spieler zum Waschen zurücklegen müssen. Vom Sportplatz laufen die Fußballer etwa 300 Meter ins Dorfzentrum zur Kabine. Im Erdgeschoss eines alten Hauses erwarten sie fest installierte Duschen, die den Jungs im Jahr 1975 sicher Freudentränen in die Augen hatten schießen lassen. Geweint wird 2019 weder aus Freude noch aus Trauer, begeistert sind die Lußberger Fußballer von ihren Räumen aber ebenso wenig.

"Seit die Kabine eingerichtet wurde, hat sich daran nichts verändert", sagt Stefanie Frank. Das Vorstandsmitglied ist drei Jahre jünger als die SCL-Umkleideräume. Einzig einen Wasserrohrbruch musste der Verein vor ein paar Wochen beheben, die bei der Reparatur erneuerten sechs weißen Fliesen wirken wie ein Fremdkörper. Sauber ist es allerdings beim SC Lußberg. Dafür sind recht rabiate Methoden verantwortlich. "Wir gehen hier immer wieder mit dem Dampfstrahler durch", sagt Stefanie Frank.

Bundesliga-Fliesen als Höhepunkt

Aber dann wird es schon schwierig, positive Aspekte zu finden. Die Fliesen im 70er-Jahre-Schick sind Geschmacksache, die wackeligen Holzbänke lassen sich wohlwollend als "rustikal" bezeichnen. Wer die Fenster in der Dusche öffnen will, hat drei mögliche Szenarien vor sich: Fenster öffnet sich, Spreißel im Finger, Rahmen kracht auseinander. Dass Steffi Frank beim Betrachten "Bitte nicht aufmachen!" ruft, verwundert nicht.

Neben dem obligatorischen Bier-Kühlschrank und der wild verkabelten Stereoanlage in der Umkleide der Heimmannschaft, wartet die Schiedsrichterkabine mit einem weiteren Höhepunkt auf: Was zunächst wie Aufkleber aussieht, entpuppt sich als Bundesliga-Mannschaftswappen-Fliesensatz von 1975 - in erstklassigem Zustand. "Die Fliesen sind das Einzige, was wir bei der Renovierung erhalten wollen", so Stefanie Frank.

Trotz des miserablen Zustands mögen die A-Klasse-Fußballer aus dem Landkreis Haßberge ihre Kabine irgendwie. "Klar ist es etwas eng", sagt Dennis Frank. Der 20-Jährige ist Platzwart und Abwehrspieler der Lußberger Reservemannschaft. "Beim Spiel oder Training gibt es vor lauter Sporttaschen eigentlich keinen Platz mehr zum Gehen. Manchmal bleibt das Wasser kalt und wenn wir die Musik aufdrehen, krachen die Fenster fast aus ihren Rahmen." Aber eine Kabine sei eben nicht nur zum Umziehen, sondern auch zum Feiern da.

Keine Probleme mit den Nachbarn

Trotz der zentralen Lage des Hauses im Ortskern gibt es keine Probleme wegen der Lautstärke. Der direkte Nachbar ist Matthias Fischer, Abwehrspieler der ersten Mannschaft und ehemaliger Vorsitzender. "Vom Feiern ist er auch nicht abgeneigt", sagt Dennis Frank und grinst.

Gegenüber wohnt Steffi Frank, die den Fußballern ihren Freiraum lässt. Auch, wenn es manchmal ordentlich zur Sache ginge. "Es gab schon ein, zwei Situationen, als ich vom Bett aus angerufen habe und den Jungs gesagt habe, sie sollen mal einen Gang runterschalten."

Bald dürfen die Jungs aber wieder einige Gänge hochschalten, die Lußberger wollen ihre Kabine renovieren. Handwerker gibt es in der Mannschaft genug. Kombiniert mit dem Preisgeld springen vielleicht sogar neue Fenster heraus - dann würden Anrufe wie die von Steffi Frank der Vergangenheit angehören. Genau wie die Brühkessel.