Manfred Stühler ist ein Mann, der, wie er selbst sagt, viel gesehen hat im Fußball. Der Vorsitzende des 1. FC Haßfurt sitzt im Sportheim an einem der dunklen Eichenholztische, draußen pfeift der Wind, innen blättert Stühler in aller Ruhe die Chronik des FCH durch. Dann beginnt er, über seinen Klub und das Stadion zu erzählen - nicht von der Gründung oder der jüngeren Geschichte, sondern von der Glanzzeit des Haßfurter Fußballs, damals, als die Unterfranken in die 2. Liga Süd aufgestiegen sind. Das war 1961. Das Derby gegen den 1. FC Bamberg wollten in dieser Saison 12 000 Zuschauer sehen. "Knapp 10 000 Gäste standen rund um den alten Platz, weitere 2000 Zuschauer waren auf der Flutbrücke gestanden", sagt Stühler. Ein Rekord für Amateurligen, der über Jahre Bestand hatte.


12 000 Fans sahen das Derby

Das Spiel gewann der FCH indes mit 4:1, wurde Meister, setzte sich in der Aufstiegsrunde durch, durfte aber nicht aufsteigen. "Der SFV (süddeutscher Fußball-Verband, Anm. d. Red.) sah die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht gegeben", sagt Stühler. Das löste einen, wie man heute sagen würde, Shitstorm aus, an dem sich auch überregionale Medien beteiligten. Schließlich gab der SFV dem Druck nach und erteilte die Lizenz. Stühler denkt noch immer voller Begeisterung zurück: "Da waren Hessen Kassel, der FSV Frankfurt und Ulm zu Gast. Die haben hier alle den Arsch voll gekriegt."

Nach zwei Jahren ging es für die Haßfurter zurück in die Bayernliga, wo im Schnitt 2000 Zuschauer zu den Spielen kamen. Nur bei einem besonderen Freundschaftsspiel war das Stadion an der Flutbrücke noch einmal zum Bersten voll: 1971 gab sich der deutsche Fußball-Meister Borussia Mönchengladbach für ein Freundschaftsspiel die Ehre. Auch diesmal waren wieder 12 000 Fans dabei, um Stars wie Günter Netzer und Jupp Heynckes live zu erleben. In den Reihen des Meisters stand damals auch der Haßfurter Ludwig "Luggi" Müller, der das Spiel organisiert hatte.

1978 feierte der 1. FC Haßfurt erneut die Meisterschaft in der höchsten Amateurklasse Bayerns und hätte wieder in die 2. Liga aufsteigen dürfen - verzichtete aber aus finanziellen Gründen. "Wir haben dann stattdessen die Tribüne gebaut", sagt Stühler, der die Entscheidung, auf das Aufstiegsrecht zu verzichten, im Nachhinein zwiegespalten sieht. Aus damaliger Sicht sei es sicher vernünftig gewesen, doch gleichzeitig habe es den Niedergang des Vereins besiegelt: "Wir haben die Spieler damals um den sportlichen Lohn gebracht. Viele haben uns danach verlassen."


Kein Glück mit der Tribüne

Die Tribüne schien dem Klub kein Glück zu bringen: Nach Jahren in der Bayern- und Landesliga stieg der 1. FC Haßfurt zunächst in die Bezirksoberliga ab, wurde durchgereicht in die Bezirksliga und spielt seit 2012 in der Kreisliga Schweinfurt 2. Heute kommen noch knapp 100 Zuschauer ins Stadion. "Da ist so eine Tribüne natürlich ein bisschen überflüssig. Das sieht dann aus, als ob niemand da wäre", sagt Stühler etwas verbittert. Dennoch ist er stolz auf die Fans, die Mannschaft und die Mitglieder. Immerhin sei man 2009 unter seiner Leitung "dem Konkurs noch einmal von der Schippe gesprungen" und heute indirekt schuldenfrei. Darauf, so Stühler, ließe sich wieder aufbauen.