Als "mein Wohnzimmer" bezeichnete Tennislegende Boris Becker einst den Centre Court in Wimbledon. So weit würden Stefan Pflaum und Wolfgang Krug bei ihrem zweiten "Zuhause" zwar nicht gehen. Doch offenbar fühlen sich beiden in "ihrem" Kassenhäuschen am Sportgelände der SG Eltmann wohl. Zusammengerechnet 42 Jahre haben sie vor und während der Heimspiele der Ersten und Zweiten Mannschaft etliche Stunden in der vier Quadratmeter großen Holzhütte verbracht.
Dabei hat Wolfgang Krug von den 42 Jahren alleine 30 "abkassiert". Der Rentner ist nicht ganz freiwillig zu seinem "Nebenjob" gekommen, "weil diese Aufgabe damals keiner übernehmen wollte", erinnert er sich an die Anfänge. Doch das alte Kassenhäuschen ist ihm in den Jahren ans Herz gewachsen. Ebenso wie Stefan Pflaum, der 2003 quasi die Nachfolge von Krugs damaligem Kollegen Günther Witt übernommen hat. Für ihn bedeutet Kassier mehr, als von den Zuschauern Eintritt zu verlangen. "Wir haben auch Kontakt zu Schiedsrichtern, zu den Gastmannschaften beziehungsweise den mitgereisten Fans und vertreten ja in gewisser Weise auch unseren Verein nach außen", sagt er.
Warum sind Wolfgang Krug und Stefan Pflaum eigentlich immer zu zweit im Einsatz? Weil einer der beiden wegen Krankheit oder Urlaub ausfallen könnte, begründen sie den "Doppel-Einsatz" auf der Mainhalbinsel, während der Saison meist in einem 14-tägigen Rhythmus.
Außerdem sei es dann nicht zu langweilig, wenn das Spiel schon angepfiffen ist und sie wieder einmal nur durch den Jubel hören, dass ihre SG die Gästeführung ausgeglichen oder die Führung erzielt hat.
"Zu weit macht es einfach mehr Spaß", sagt Pflaum, der auch schon ehrenamtlich als Stadionsprecher im Einsatz war. Apropos Jubel: Der sei in den vergangenen Jahren deutlich weniger geworden. Deshalb, weil die Zuschauerzahlen sehr zurückgegangen sind. "Das ist natürlich sehr bedauerlich", betont Pflaum. "Die SG Eltmann und natürlich auch die anderen Vereine sind doch auf die Eintrittsgelder angewiesen."
Er verweist auf die verschiedenen Fix-Kosten, etwa für die Schiedsrichter, Platzpflege, Strom, Wasser und so weiter. "Die Leute sind aus verschiedenen Gründen aber oftmals nicht mehr bereit zu zahlen", bedauert Wolfgang Krug. Beide hoffen, dass sich dahingehend das Blatt wendet und sich die Zuschauerkurve auch einmal wieder nach oben dreht.
Immerhin geht es auch um ihren "Arbeitsplatz", der ja noch viele Jahre erhalten bleiben soll. Und sowohl Wolfang Krug als auch Stefan Pflaum wollen der SG Eltmann weiterhin die Treue halten. "Ein solches Ehrenamt kann man aber nur ausführen, wenn man mit Herzblut dabei ist und an seinem Verein hängt", weiß Pflaum.