"Es war schrecklich". So bezeichnete Trainer Martin Reichert vor wenigen Wochen das erste Auftreten des ESC Haßfurt beim ERSC Amberg. "Es war Wahnsinn, was sie heute gebracht hat", schwärmte der 52-Jährige diesmal von seiner Mannschaft. Zwar gingen die "Hawks" im Rückspiel gegen die "Wild Lions" erneut als Verlierer vom Eis. Doch beim 3:5 (0:1, 1:1, 2:3) im letzten Heimspiel der Vorrunde in der Eishockey-Landesliga Gruppe 1 zeigten sie eine ihrer besten kämpferischen Leistungen der Saison.

"Eindeutig" habe "die glücklichere Mannschaft heute gewonnen", sagte Reichert. Unter dem Strich aber musste der ESC einen weiteren Rückschlag im Kampf um die Zwischenrundenplätze einstecken. Vor allem im zweiten und letzten Drittel dominierte er klar - und das zwei Tage nach dem kräfteraubenden Derby im Schweinfurter "Icedome" sowie nochmals personell geschwächt. Immerhin fehlten neben Phillip Bates nach dessen Beinbruch auch Michael Rister (ebenfalls angeschlagen) die langzeitverletzten Ingo Krapf und Manuel Kurz, Neuzugang Phillip Hay, Kilian Hümmer sowie der gesperrte Max Hildenbrand.


Früh in Rückstand

Dies machte sich vor allem im ersten Abschnitt noch negativ bemerkbar, als die ausgeruhten "Wild Lions" das Kommando übernahmen und in Überzahl frühzeitig durch Dominik Schopper in Führung gingen (5.). Doch mit zunehmender Spieldauer kämpften sich Neu-Kapitän David Franek und seine Teamkollegen zurück in die Partie. Auch nach dem zweiten herben Rückschlag durch das 0:2 von Kirill Groz (23.), den der für Stammtorwart Martin Hildenbrand eingewechselte Martin Köhler einstecken musste, resignierten die Haßfurter keineswegs. Der junge Lucas-Andreas Thebus setzte die Scheibe aus dem Gewühl zum 1:2-Anschluss in die Maschen (37.). Anschließend dominierten die "Hawks" immer mehr. Der überfällige Ausgleich fiel jedoch erst nach der zweiten Pause, als Jan Slivka ein Zuspiel von Christian Dietrich nutzte (42.) Doch es kam noch besser: David Franek erzielte in der 53. Minute sogar die viel umjubelte 3:2-Führung. Der unbändige Wille der "Hawks" wurde belohnt.


Deutliche Worte

Die Oberpfälzer mussten sich in der anschließenden Auszeit wohl einige deutliche Worte ihres Trainer Alexander Reichenberger anhören, denn danach rissen sie sich wieder am Riemen. Mehr als der erneute Ausgleich zum 3:3 durch David Rybka (55.) war jedoch nicht mehr drin - bis zur Schlussminute, als sich die offiziell 242 Zuschauer schon auf das dritte Penaltyschießen im dritten Heimspiel in Folge einrichteten. Gegen sichtlich erschöpfte und deshalb auch unkonzentrierte "Hawks" brachten Dominik Schopper sowie David Rybka mit einem Doppelschlag binnen 24 Sekunden den letztlich schmeichelhaften Auswärtssieg doch noch unter Dach und Fach (60.).

"Da war ganz viel Pech dabei. Wir hatten so viele Schüsse, so viele Chancen, und die Scheibe geht so oft ganz knapp am Tor vorbei oder bleibt vor der Linie liegen. Aber so ist es", ärgerte sich Martin Reichert einerseits über die zweite Nullausbeute dieses Doppelspieltags. Anderseits war er richtig stolz auf seine Mannschaft. "Mehr geht nicht, was sie heute gezeigt hat. Mehr kann man nicht erwarten."


An Kleinigkeiten arbeiten

Dass das Wort "aufgeben" für die "Hawks" nicht existiert, machte Torschütze Lucas-Andreas Thebus deutlich. "Eishockey geht über 60 Minuten. Es ist immer alles möglich, also nie aufgeben", sagte der 20-Jährige. "Es ist schon bitter, nach einer Führung noch zu verlieren. Wir müssen konzentriert bis zum Ende spielen und Kleinigkeiten noch abstellen. Dann klappt es nächstes Mal mit einem Sieg".

Ihm und den restlichen "Hawks" bleibt auch gar nichts anderes übrig, als am kommenden Sonntag das erste von drei "Endspielen" beim EV Dingolfing zu gewinnen. Nur bei einem Erfolg bei den "Isar Rats" sowie bei weiteren Siegen in den weiteren Auswärtspartien in Bad Kissingen (16. Dezember) und Selb 1b (18. Dezember) besteht noch ein Funken Hoffnung auf Tabellenplatz 4.