Dass weniger manchmal eben doch mehr ist, hat der FC Sand bewiesen. Mit seinem im Vergleich zur Vorsaison deutlich reduzierten Kader hat er in der Fußball-Bayernliga Nord viele Beobachter überrascht und steht zur Winterpause auf Platz 7. 34 Punkte hat er in den ersten 22 Partien der Saison geholt. "Wenn mir das einer vor der Saison vorgelegt hätte, hätte ich es sofort unterschrieben", sagt Stefan Schmitt, seit dieser Saison Spielleiter beim Vorjahres-Aufsteiger. "Wir wollten mit den Relegationsplätzen nichts zu tun haben, und das haben wir geschafft." Zwölf Zähler beträgt der Vorsprung der Sander auf die Gefahrenzone, die mit Platz 14 beginnt.


Neue Mannschaft zusammengestellt

Nachdem das Sander Aufgebot im Vorjahr auf Grund von Nachverpflichtungen wegen zahlreicher Verletzungen auf 22 Feldspieler angewachsen war, wollten sie diese Zahl auf 18 reduzieren. Dazu kommen zwei Torhüter. "Momentan sind wir bei 17 plus zwei", rechnet Schmitt vor. Simon Bube (zurück zum FC Eintracht Bamberg) und Lukas Wirth (tritt studienbedingt kürzer) sind nicht mehr dabei, dafür kehrte Dominic Leim nach wenigen Begegnungen wieder von der SpVgg Jahn Forchheim zurück.

Elf Mann aus ihrem Bayernligakader haben die Sander nach der vergangenen Saison verloren, sodass der neue Trainer Uwe Ernst, der zuvor die Sander Zweite Mannschaft betreut hatte und die Nachfolge des zum SC Eltersdorf abgewanderten Bernd Eigner antrat, vor der Aufgabe stand, ein neues Team zu formieren. Das ging nicht ohne Probleme, aber "ich wusste von vorneherein, dass wir uns spielerisch nicht verschlechtert hatten", sagt Ernst.


Seit dem zehnten Spieltag läuft's

Zu Beginn sah das allerdings nicht so aus. Von den ersten sieben Partien gewann der FC Sand lediglich eine, mit 3:0 zu Hause gegen die DJK Ammerthal. Er profitierte allerdings davon, dass er wegen eines Aufstellungsfehlers des Gegners die drei Punkte aus dem verlorenen Heimspiel gegen die Würzburger Kickers II zugesprochen bekam. So richtig ins Rollen kamen die Sander nach dem zehnten Spieltag. Da bezwangen sie den SV Erlenbach im Seestadion mit 6:1 und kletterten in der Folge von Rang 14 in der Tabelle stetig nach oben. Danach kassierten sie nur noch zwei Niederlagen.

Vor allem die stabile Hintermannschaft nennt der Trainer als Grund für die Erfolge der vergangenen Monate: "Das geht vom Torwart an über die Viererkette bis zu unseren beiden Sechsern im defensiven Mittelfeld", sagt er. Da hätten es auch angriffsstarke Gegner schwer, sich durchzusetzen. Was sich der ehemalige Stürmer Ernst von seinem Team noch wünscht, sind mehr Torabschlüsse, vor allem mehr Distanzschüsse. "Wenn Basti Wagner dabei ist, klappt das einigermaßen. Wenn nicht, versuchen wir meist, zur Grundlinie durchzukommen und dann den Ball vors Tor zu legen", sagt er. "Manchmal hat das auch Erfolg, aber trotzdem: Wenn man nicht schießt, kann man keine Tore machen. Und es sagt ja auch keiner was, wenn der Ball mal weit drüber geht. Wir sind zum Abschluss gekommen und können uns in der Abwehr wieder aufstellen."


Es gibt keine großen Schwankungen

Was den FC Sand gefährlich macht: "Bei uns kann jeder ein Tor schießen", erklärt der Trainer. Und die Mannschaft bringe konstant ihre Leistung, da gebe es keine extremen Schwankungen, "auch wenn schon einmal einer einen schwachen Tag erwischen kann", meint Ernst. Dies alles, obwohl das Team von Verletzungen nicht verschont geblieben ist. Dominik Rippstein, Tevin McCullough, Dinis Ribeiro, Sebastian Wagner und Torwart Sebastian Stober fehlten über längere Zeit, dazu gab es weitere Ausfälle. Doch zeigten vor allem junge Spieler wie Marc Fischer oder Kevin Steinmann, dass sie in die Bresche springen können.

Deswegen wollen die Sander in der Winterpause auch keine Neuzugänge holen, Abgänge zeichneten sich ebenfalls nicht ab, sagt Spielleiter Schmitt. Er setzt darauf, dass die Akteure, die bisher oft fehlten, bis zum Trainingsstart Ende Januar fit werden und dann wieder angreifen. "Auf Grund des kleinen Kaders nehmen wir in der Halle aber nur an den Pflichtturnieren teil, der Kreismeisterschaft und der Bezirksmeisterschaft, für die wir gesetzt sind", erklärt er. Im Vorjahr wurden die Sander bayerischer Hallenmeister, doch die Verteidigung dieses Titels stehe "auf der Prioritätenliste sicher nicht ganz oben", wie Schmitt sagt.


Ziel: Möglichst schnell 40 Punkte

Zwölf Begegnungen sind ab Anfang März für die Sander bis Saisonende noch zu absolvieren. "Dann wollen wir die 40 Punkte möglichst schnell erreichen", gibt Schmitt das vorrangige Ziel vor, um den Klassenerhalt frühzeitig perfekt zu machen. "Alles, was darüber hinaus noch kommt, nehmen wir gerne mit." Grundlage dafür sollen die mannschaftliche Geschlossenheit und der Zusammenhalt sein, die das Team schon bisher stark gemacht haben. Trainer und Spieler könnten in Sand ungestört arbeiten, "die Vereinsführung steht und stand zu jeder Zeit hinter uns, auch, als es zum Auftakt nicht so gut gelaufen ist", versichert der Spielleiter.


Umstellung für den Trainer

Uwe Ernst räumt offen ein, dass es für ihn trotz seiner großen Erfahrung als Spieler zunächst nicht einfach gewesen sei, das Bayernligateam zu führen. "Es war eine Umstellung. Die Anforderungen sind viel höher, auch der Druck, und das zehrt. Man kann es nie allen recht machen", sagt der Trainer. Doch mittlerweile habe er sich gut zurechtgefunden, "und es hilft auch, dass ich mit Stefan Nöthling einen Co-Trainer habe, der selbst noch spielt. So weiß ich ziemlich genau, was ich der Mannschaft im Training noch zumuten kann und wann es an die Substanz geht."

Im Frühjahr wollen die Sander die Gespräche darüber führen, wie das Team in der Runde 2017/18 aussehen soll. Wenn es einigermaßen so weiterläuft wie bisher, sehe er wenig Änderungsbedarf, erklärte Schmitt.