Maria Klein faltet seit Tagen stapelweise Papier. Nein, sie ist keine Origami-Künstlerin. Klein arbeitet bei der Stadt Eltmann und ist seit ein paar Wochen "außerplanmäßig" als Unterstützung für Christiane Rüttinger im Einsatz. "Die Finger werden dünn", sagt Maria Klein und lacht.

Christiane Rüttinger kümmert sich vor den Kommunalwahlen am 16. März um die Briefwähler: Das sind mittlerweile so viele geworden, dass sie froh ist um die Hilfe ihrer Kollegin, die die Wahlzettel faltet und in die Umschläge steckt - beide Frauen arbeiten normalerweise im Einwohnermeldeamt. "Wahlen sind Ausnahmezustand und haben Priorität", sagt sie. 1100 Bürger hätten in Eltmann bislang Briefwahl beantragt, bei rund 4200 Wahlberechtigten. Dass viele von ihnen am Wahlsonntag nicht ins Wahllokal wollen, um ihre Stimmen abzugeben, ist ein Trend, den Kommunen feststellen. Rüttinger rechnet für Eltmann heuer mit insgesamt 1500 bis 1600 Briefwählern. Beziehungsweise sie hofft, dass es nicht mehr werden. Warum? Weil sie nur für 1600 Bürger Briefwahlunterlagen bestellt habe, erklärt sie lachend.

Rasante Vermehrung

Auch in der Stadt Ebern sind die Briefwähler nicht gerade vom Aussterben bedroht. Im Gegenteil, sie haben sich in den vergangenen sechs Jahren rasant vermehrt: Nach Auskunft des Wahlbeauftragten Michael Baiersdorfer entschieden sich im Jahr 2008 bei der Stadtratswahl 1441 Eberner für die Briefwahl (Wahlberechtigte insgesamt: rund 6000). Bis zum gestrigen Mittwoch waren es bereits 2063 beantragte Briefwahlunterlagen. Und es werden wohl noch ein paar mehr werden, glaubt Baiersdorfer: "40 bis 50 Prozent, schätze ich."

Weil man in Ebern seine Briefwahlunterlagen auch online beantragen kann (wie in Eltmann auch), hätten sich viele Bürger dazu entschlossen, diesen unkomplizierten Weg zu gehen. Es sei bequemer, und auch bei schlechtem Wetter am Wahltag geht deswegen so manche Stimme nicht verloren.
Für Baiersdorfer ist das ein positiver Aspekt: "Ich bin der Meinung, dass sich die Wahlbeteiligung dadurch erhöht", sagt er. Er selbst werde auch per Brief wählen, dann hat er am Wahlsonntag nämlich den Rücken frei: Denn er und seine Helfer müssen im Rathaus die Wahlen auswerten.

Begründung nicht notwendig

Beate Heß, Wahlbeauftragte der Gemeinde Oberaurach, antwortet auf die Frage, ob Briefwahl ein Trend sei: "Das kann ich bestätigen." Etwa 750 Unterlagen habe sie bereits an Bürger ausgegeben. "Wir rechnen mit etwa 1000 Briefwählern", erklärt sie. Das seien ungefähr 30 Prozent der 3300 Wahlberechtigten in der Gemeinde. Bei der Kommunalwahl vor sechs Jahren gab es in Oberaurach 900 Briefwähler. Die Tendenz sei steigend.

Warum das so ist? Zum einen liegt es laut Heß wohl daran, dass man keinen Grund mehr angeben muss, um die Briefwahlunterlagen zu bekommen. Außerdem glaubt sie, dass sich "die Leute Zeit nehmen wollen", um die Stimmzettel ausführlich zu studieren. "Besonders beim Kreistag. Der Zettel ist so groß wie der Küchentisch."

Dieser Auffassung sind auch ihre Kollegen aus den anderen Kommunen: Bei 60 Stimmen, die der Wähler auf die Wahlvorschläge des Kreistags abgeben soll, möchten viele wohl in Ruhe zu Hause darüber nachdenken, wie sie abstimmen. Mit einem Listenkreuz ist es da meist nicht getan, "weil es eine Persönlichkeitswahl ist", sagt Christiane Rüttinger. Die Parteizugehörigkeit der Politiker spiele kaum eine Rolle, vielmehr gehe es darum, ob man denjenigen kennt (und mag), oder wo er wohnt.

Praktisch: Auf der Homepage der Stadt Ebern kann man die Stadtratswahl sogar üben. Dort gibt es eine Simulation, die anzeigt, wann ein Stimmzettel ungültig ist oder wie die Stimmen verteilt werden können.

Zeil ist keine Ausnahme

Blick nach Zeil: Hier kümmert sich Christine Karl um die Briefwähler. Die Bürger machen in der Stadt am Main keine Ausnahme. Mit 1125 sind es jetzt (Stand Mittwoch, 5. März) bereits 125 Briefwähler mehr als vor sechs Jahren insgesamt. Und noch ist Zeit, die Wähler können bis Freitag nächste Woche Unterlagen beantragen. 4600 Wahlberechtigte gibt es laut Karl in Zeil, davon werden heuer zwischen 1500 und 1800 per Brief wählen, schätzt sie. Grund dafür könnte sein, dass die Bürger "ihren Sonntag frei gestalten wollen", unabhängig von den Wahlen. Außerdem wollten viele sich die Zeit nehmen, die Stimmzettel ausführlich zu Hause zu studieren.