Es hat sich ereignet im Urlaub, wo der Mensch Zeit hat für allerlei Betätigung, denn ein Urlauber lässt sich schließlich gerne treiben: Man kann sich an die Nähmaschine setzen und bunte Kinderkleidchen nähen, man kann in der "onleihe" im Haßfurter Bibliotheks- und Informationszentrum e-book-Krimis ausleihen und schmökern ohne Ende, und man kann, wenn man das alles durch hat, auch in den Garten gehen. Das ist gesund.

Dort gibt es ein familiäres Politikum: den Komposthaufen. Lang hat es hitzige Debatten um diese Errungenschaft gegeben, denn der Hausherr hätte lieber weniger Chaos und Wildnis und mehr Park. Doch die Hausfrau setzte sich irgendwann durch und bekam ihr Schlampereck.

Gut Ding will Weile haben

In einem ruhigen Eckla des Gartens reift das schwarze Gold aus trockenen Grasabfällen, alten Äpfeln, Laub und Gemüseschalen. Die kostbare Komposterde - ohne Mikroplastik, ohne Chemie - lässt sich bedauerlicherweise nur schweißtreibend heben. Die Erdbrocken müssen durch das Kompostsieb. Mancher Klumpen muss mit der Schaufel zerpatscht werden.

Faszinierend. Von dem ganzen Abfall ist nichts mehr zu erkennen. Die Bodenorganismen haben ganze Arbeit geleistet, eskortiert von Larven, Käfern, Regenwürmer. Schubkarre um Schubkarre schönster gesiebter Komposterde findet ihren Weg in die Töpfe auf der Terrasse. Schon ist der schöne Komposthaufen zusammengeschrumpft, da blitzt etwas auf dem Kompostgitter: Was ist denn das? Ein Messerla.

Das Messerla! Solinger Dünnschliff! Das Gute, vor über vier Jahren für teuer Geld gekauft, weil es eine besondere Klingenform hatte. Durch den speziellen Dünnschliff ein Traumwerkzeug in der Küche. Als das Dingelchen vor gut vier Jahren plötzlich weg war, gab's Rabatz. Jeder wurde verdächtigt, Oma, Hausherr, Katze. Doch es half nichts, es war unwiderruflich weg - da ist es nun. Wo das Griffholz war, hängen die Metallnieten in dem Messerstahl. Die Klinge selbst ist nach wie vor messerscharf. Viel zu schade, um das Teil wegzuwerfen.

Woher nehmen?

Wie könnte man es wieder flott bekommen? Selber Griffhölzer schnitzen? Hm. Oder mit Fimo was formen? Hm. Moment, die Inschrift auf der Klinge verweist auf den Hersteller. Mal googeln.

Auf die Email nach Solingen kommt tatsächlich eine Antwort: "Gerne können wir neue Griffe an der noch guten Klinge montieren. Die Kosten hierfür betragen dann 9,00 € NETTO zzgl. Mwst und Versand. Die Bearbeitungszeit liegt allerdings bei bis zu 6 Wochen, da wir keine eigene Abteilung für Reparaturen im Betrieb haben, sondern diese neben dem regulären Tagesgeschäft bearbeiten müssen."

Deutsches Handwerk, die Freude ist groß. Und die Neugierde geweckt: Jetzt möchten wir es genau wissen!

Tags darauf hebt in der Messermanufaktur Mitarbeiterin Maike Leonhardt den Telefonhörer ab: "Fünf bis sechs Ordner haben wir mit Geschichten gesammelt", erzählt sie auf Anfrage. Und solche Kompostgeschichten gibt es oft. Alte Damen haben sich beispielsweise an den Betrieb gewandt, ob es nicht möglich wäre, das geliebte Messerchen mit einem neuen Griff zu versehen, es hätte so lange gute Dienste geleistet... "Wir nehmen 60 Jahre alte Messer auch mit auf die Messen, um zu zeigen, wie unsere Produkte halten."

Maike Leonhardt amüsiert sich über unsere Geschichte. Dass sie den Weg in die Öffentlichkeit finden soll, erzeugt besonderes Schmunzeln und noch mehr...

Es gibt einen Preis

Haben Sie, verehrte Leser auch eine "Kompostgeschichte"? Erzählen Sie sie uns, schreiben Sie uns eine Email (redaktion.zeil@infranken.de) oder rufen Sie an: 09524/300123 (9 bis 12 Uhr, werktags). Die drei besten Geschichten erhalten einen Preis. Und dreimal dürfen Sie raten, was das ist.