"Grundlage einer Verurteilung dürfen keine Spekulationen, sondern nur klare Fakten sein", stellte Rechtsanwalt Jochen Vogel in seinem Plädoyer fest. Im Prinzip sah das die Strafrichterin Ilona Conver genauso, denn nach der Beweisaufnahme mit fünf Zeugen gab es einfach zu wenige handfeste Indizien dafür, dass ein Ehepaar verbotenerweise zwei Pferde gehalten und eine Bekannte dazu Beihilfe geleistet hat. Ergo kam es zu einem Freispruch für alle drei.
Um den jüngsten Fall des Haßfurter Amtsgerichts zu verstehen, muss man die Vorgeschichte kennen. Ein Ehepaar aus dem Steigerwald, sie 29 und er 35 Jahre alt, wurde im Oktober 2012 wegen Tierquälerei zu einer Geldstrafe und zu einem fünfjährigen Tierhaltungsverbot verurteilt. Dagegen, so der Vorwurf von Ilker Özalp von der Staatsanwaltschaft, hätten beide verstoßen, indem sie zwei Pferde kauften und hielten. Um das nach außen hin zu verschleiern, so die Anklage weiter, habe sich das Paar mit einer 43-jährigen Bekannten abgesprochen. Diese Frau sei dann - quasi als "Strohfrau" - pro forma als Pferdehalterin aufgetreten.

Andere Darstellung

Diese Frau und auch ihr Anwalt Bertram Marsch widersprachen energisch dieser Darstellung. Die Hausfrau behauptete vielmehr, dass sie die Pferde in erster Linie anschaffen wollte, um ihrer 16-jährigen Tochter und deren Freundin das Reiten zu ermöglichen. Sie bekräftigte, alle anfallenden Kosten vom Kaufpreis über die Versicherung und den Tierarzt bis hin zum Hufschmied aus eigener Tasche getragen zu haben. Da sie selber keine Ahnung von Pferden habe, sei sie damals auf das befreundete Ehepaar zugegangen und habe es gebeten, ihr mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Was diese auch machten, denn unbestrittene Tatsache war, dass der Kauf der Rösser von den angeklagten Eheleuten abgewickelt wurde. Beide waren erst zur Besichtigung in dem Reiterhof im süddeutschen Raum, beide fuhren dann ein zweites Mal hin mit einem Pferdeanhänger. Die Ehefrau unterschrieb auch den Kaufvertrag und übergab den Kaufpreis von 1250 Euro in bar - allerdings "i.A.", also im Auftrag. Und dem Gericht lag eine schriftliche Vollmacht der 43-Jährigen vor.
Dass in der Folgezeit der Ehemann zweimal täglich die Pferde versorgte und am Wochenende die Ehefrau ebenfalls auf der Koppel war, spielte keine entscheidende Rolle. Denn: Für die beiden bestand ja nur ein gerichtliches Tierhalteverbot, kein Tierbetreuungsverbot. Vogel, der die Ehefrau verteidigte, führte aus, dass als Halter derjenige gilt, der das Bestimmungsrecht über das Tier ausübt und die Unterhaltungskosten und damit das ganze wirtschaftliche Risiko trägt. Mit anderen Worten, derjenige, der das Pferd reitet, muss noch lange nicht der Halter sein.
Um das zu verdeutlichen, verwies Vogel auf das im Kfz-Bereich häufige Konstrukt, wonach ein Vater als Halter ein Auto kauft und seiner Tochter für die tägliche Fahrt zur Arbeit zur Verfügung stellt. Rechtsanwalt Bernhard Langer, der den Ehemann vertrat, steuerte ein weiteres Beispiel bei, indem er von einem vielbeschäftigten Freund erzählte, der einen Hund hält, und das tägliche Gassi-Gehen erledigt ein anderer.
Als Hauptbelastungszeugin trat eine 48-Jährige in den Zeugenstand, die früher mal mit dem angeklagten Ehepaar befreundet war. Sie schilderte, dass sie einmal von der Ehefrau gefragt wurde, ob sie bereit wäre, auf ihren Namen ein Pferd anzumelden, was sie aber abgelehnt habe. Außerdem, sagte sie weiter, habe der Ehemann sich einmal darüber ausgelassen, dass das Geld für die Pferde eigentlich für einen ganz anderen Zweck angespart worden sei.

Berufung?

Özalp hielt diese Aussagen für so glaubwürdig, dass er für das Ehepaar eine dreimonatige Freiheitsstrafe und für die dritte Angeklagte eine Geldstrafe von 600 Euro forderte. Die drei Verteidiger plädierten dagegen auf einen Freispruch, weil es gravierende Zweifel gebe, die nicht auszuräumen gewesen seien. Dieser Linie folgte auch das Gericht, und die Kosten des Verfahrens trägt bei einem Freispruch die Staatskasse. Ob der Staatsanwalt in Berufung geht, ist offen.