War es wirklich nur ein Versehen, bedingt durch familiären Stress, wie die Angeklagte behauptete? Angesichts von zwei einschlägigen Vorstrafen schenkte das Gericht der Frau keinen Glauben und verurteilte sie wegen Ladendiebstahls.

Weil sie einen Lippenstift und ein Paar Ohrringe im Wert von 19,45 Euro mitgehen ließ, muss die Diebin nun 875 Euro nebst Gerichtskosten bezahlen.

Erwischt hat man die 44-Jährige am 27. Dezember 2013 in einem Geschäft in der Kreisstadt. Kurz vor der Mittagspause betrat sie den Laden, in dem sie keine Unbekannte war. Die Angestellten hatten sie bereits im Verdacht.

Sie stand schon unter Verdacht

Als die Mutter von vier Kindern an dem Tag den Shop betrat, informierten die Mitarbeiter eine Detektivin. Die sagte im Zeugenstand aus: Unauffällig in einer anderen Ecke des Marktes stehend, beobachtete sie die Verdächtige. Von ihrer Position aus erspähte sie, wie die Kundin zuerst einen Lippenstift ausprobierte und dann ein Paar Ohrringe begutachtete.

Schmuck und Kosmetika in der hohlen Hand versteckend, verließ die Angeklagte den Laden. Als sich die Detektivin gleich hinter der Kasse zu erkennen gab und die Frau ansprach, flog der Schwindel auf. Die Polizei nahm alles auf, der Staatsanwalt beantragte eine Hauptverhandlung, weil die Frau bereits zweifach vorbestraft ist - ebenfalls wegen Diebstahls.

Sie hat es nicht nötig

Eigentlich, erfuhr man, hätte es die 44-Jährige nicht nötig, das Risiko eines Ladendiebstahls einzugehen. Ihr Lokal, erzählte sie, laufe gut. Sie habe keine Absicht gehabt, beteuerte sie, die Sachen zu klauen. Am Ende brach sie gar in Tränen aus.

Für Ilker Özalp als Vertreter der Staatsanwaltschaft war der Sachverhalt nach der Beweisaufnahme erwiesen. Bei der Höhe der Strafe bewertete er die beiden einschlägigen Vorstrafen zwar negativ, berücksichtigte andererseits jedoch, dass diese Urteile bereits Jahre zurückliegen. In seinem Plädoyer hielt er 40 Tagessätze á 25 Euro für tat- und schuldangemessen.

Richterin Ilona Conver orientierte sich in ihrem Urteil (35 Tagessätze) weitgehend an diesem Vorschlag von Özalp. Die Verurteilte muss sich nun wirklich am Riemen reißen, denn beim nächsten Diebstahl geht es mit Sicherheit nicht mehr mit einer Geldstrafe ab. Dann drohen ihr - egal, wie viel oder wie wenig sie mopst - schwedische Gardinen.