Tadeusz Kaczmarek hat an der Tür des katholischen Pfarramts in Ebelsbach ein Schild befestigt: "Die Urlaubsvertretung von Pfarrer Matthias Rusin ist unter folgender Mobilfunknummer zu erreichen."
Kaczmarek will es den Menschen leicht machen, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Er spricht perfekt deutsch, hat sein Handy immer dabei und checkt regelmäßig seine E-Mails. Besuchern begegnet er mit einem breiten Lächeln und einem klugen Blick aus lebhaften blauen Augen. Doch man darf sich nicht täuschen lassen: Der Pole Tadeusz Kaczmarek hat in Russland gelernt, für seinen Glauben zu streiten.

"Mama" aus Aidhausen
30 Kilometer weiter nördlich in Aidhausen/Kerbfeld: Über das Thema "Streit" kann man mit Abbé Leon N'Dour (Abbé kommt aus dem Französischen und bedeutet Priester) vortrefflich diskutieren.
Oh, falsch verstanden.

Der Senegalese versucht dem Besucher mit Hilfe eines Wörterbuchs und "Mama Bayer" verständlich zu machen, dass die Menschen im Senegal eben nicht gerne streiten.

Doch es fällt schwer, sich auf seine Erklärung zu konzentrieren. Hat er Hildegard Bayer, die langjährige Vorsitzende der katholischen Landvolkbewegung, gerade "Mama Bayer" genannt? Abbé Leon nickt lächelnd. "Mama und Papa sind Ehrennamen bei uns." Der 59-Jährige spricht seine Gastgeber aus Respekt mit "Mama" und "Papa" an. Das ist ganz normal im Senegal - genauso wie voll besetzte Kirchenbänke mit jungen Gläubigen.
Die sucht Abbé Leon in der Pfarreiengemeinschaft Aidhausen und Riedbach, wo er Urlaubsvertretung macht, vergeblich. Dafür hat er in der Familie Bayer Freunde fürs Leben gefunden. Bereits zum 13. Mal wohnt er in ihrem Haus in Kerbfeld, hilft "Mama Bayer", den großen Garten zu gießen, und sitzt mit ihr auf der Terrasse.

Sie ist es auch, die ihm hilft, die richtigen Worte zu finden.

Abbé Leons Muttersprache ist Sereer, in seiner Pfarrei Ndiedieng in der Diözese Kaolack predigt er auf französisch. Bei seiner Priesterweihe 1981 war Leon N'Dour der erste afrikanische Priester unter weißen Missionaren im Senegal. Mittlerweile leitet er das Priesterseminar in der Stadt Kaolack und bildet pro Jahr mindestens 24 Seminaristen aus. "Leon hat immer Aufbauarbeit geleistet", erzählt Hildegard Bayer stolz.
Die Verantwortung, die auf Abbé Leons schmalen Schultern lastet, kann er während der fünf Wochen in Deutschland vernachlässigen. Dafür ist es für den Senegalesen Schwerstarbeit, die deutschen Predigten akribisch vorzubereiten.

Glaubensschock in Eltmann
Auf Deutsch zu predigen ist für Tadeusz Kaczmarek kein Problem.

Der konservative Katholik hatte bei seiner ersten Urlaubsvertretung in Eltmann 1992 vielmehr mit der laxen Auslegung des katholischen Glaubens zu kämpfen. "Ich war geschockt von der Handkommunion", gesteht der Pole mit einem schiefen Lächeln.
Damals hätten die Katholiken in Polen die heilige Kommunion noch mit dem Mund empfangen. Die geweihte Hostie anzufassen schien undenkbar. Mittlerweile werde die Handkommunion aber auch in Polen praktiziert. Was Kacmarek dagegen bis heute nicht verstehen kann, ist die Tatsache, dass die meisten deutschen Katholiken kaum beichten. "Ich ermögliche die Beichte und die Vergebung der Sünden - aber keiner kommt, ganz anders als in meiner Heimat", sagt er.

Apropos Heimat: Kaczmarek ist in Pommern aufgewachsen, wurde 1983 zum Priester geweiht und arbeitet seit 2003 in einer russischen Diözese, die von einem italienischen Bischof geleitet wird.


In Russland - wie im Senegal - ist die katholische Bevölkerung stark in der Minderheit. Tadeusz Kaczmarek muss seinen Glauben gegenüber dem orthodoxen Christentum und teils heidnische Bräuchen behaupten. Abbé Leons katholischer Glaube steht einer islamischen Mehrheit gegenüber.

Im Senegal interessieren sich zwar immer mehr Menschen für das Christentum. Einige möchten aber nicht auf die Vorteile des Islams - wie beispielsweise die Polygamie - verzichten. "Wenn ein Mann mehrere Frauen hat, kann er kein Christ sein", sagt Abbé Leon. Umso mehr freut er sich über die Bereitschaft der Moslems, gemeinsam mit den Christen hohe Feiertage wie Maria Himmelfahrt zu begehen.Tatsächlich? "Ja, natürlich", sagt Abbé Leon.

"Jeder hat eine Mutter, und Maria ist die Schönste."

Vertreter aus aller Welt
Zahlen In diesem Jahr kommen die 102 Aushilfspfarrer aus 15 verschiedenen Ländern. Sie vertreten in den Ferienwochen die Priester der Diözese Würzburg und damit auch im Landkreis Haßberge.

Herkunft Der Großteil der Urlaubsvertreter kommt aus Indien (27) und Polen (27). Aus Afrika sind Priester aus Kamerun (1), Kongo (4), Nigeria (16), dem Senegal (2), Tansania (3) und Uganda (14) im Bistum aktiv. Asien ist durch die Inder und je einen Priester aus Pakistan und China vertreten, Südamerika durch einen argentinischen Priester.

Die europäischen Priester kommen neben Polen aus Kroatien (1), Rumänien (2), Spanien (1) und Ungarn (1).

Motivation Die Priester befinden sich oft noch im Studium und nutzen ihren Aufenthalt, um die Kirche in Deutschland näher kennen zu lernen und ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. So mancher betreut schon seit Jahren die gleiche Gemeinde - auch nach Studienende.
(Quelle: Bistum Würzburg)