"Nicht in die erste Klasse, du gehörst doch zu uns." Julian Kiesewetter ist beliebt bei der Ganztagesklasse der vierten Jahrgangsstufe. Seit Beginn des Schuljahres gehört er zu ihnen - am Vormittag im Klasszimmer, zu Mittag beim Essen, danach betreut er sie in der Freispielzeit und dann hilft er bei den Hausaufgaben. Im Rahmen seiner Erzieherausbildung an der Haßfurter Fachakademie für Sozialpädagogik absolviert der 22-Jährige ein gekoppeltes Berufspraktikum, das "mir viel Spaß macht".

Am Vormittag unterstützt er vorrangig Konrektorin Jutta Helbig in der Ganztagesklasse der vierten Jahrgangsstufe - am Nachmittag übernimmt er die Mittags- und Hausaufgabenbetreuung im Kujathhaus und in der Grundschule zusammen mit weiteren Helfern der Arbeiterwohlfahrt (Awo).

"Meines Wissens ist das das bislang einzige gekoppelte Praktikum mit Grundschule und Mittagsbetreuung", hat Julian Kieswetter herausgefunden, da seine Jahrgangskollegen, die wie er kurz vor der Prüfung zum staatlich anerkannten Erzieher stehen, meist in Heimen, Kindergärten und nur einer Mittagsbetreuung tätig sind.

Ein Erfolgsmodell

"Es ist einfach fantastisch, welche Arbeit Julian an unserer Schule leistet", schwärmte die Rektorin Ingrid Mandery bei einer Sitzung des Grundschulverbands am Donnerstagabend. Sie lobte ihren "Schulsozialarbeiter", während sich Julian zurückhaltend lieber als "Unterrichtsbegleiter" bezeichnet. "Ein Gewinn, in jeder Beziehung, eine Bereicherung für den Klassenzusammenhalt, für die Kinder und die Lehrerinnen", so Mandery. Deshalb dankte sie den Mitgliedern des Sachaufwandträgers aus Ebern und Rentweinsdorf, dass "sie den Mut hatten, einen ausgebildeten Erzieher für uns einzustellen".

Die Konstellation von Schule und Ganztagesbereich beschrieb Mandery als "absolutes Erfolgsmodell", das nicht nur auf die gute Abstimmung mit der Awo zurück zu führen sei. "Es ist auch gut, jemanden im Haus zu haben, der die männliche Rolle bei den Kindern übernimmt, weil wir viele allein erziehende Mütter haben."
Und die Kollegin Jutta Helbig hat noch einen Vorteil ausgemacht: "Er begleitet die Kinder den ganzen Tag lang und kriegt sofort mit, wenn es irgendwo ein Problem gibt."
 
Schnelle Rückmeldungen

Diese Rückkoppelung beruht nach Julians Einschätzung auf dem guten Vertrauensverhältnis, das sich zwischen ihm und den Kindern aufgebaut hat. "Ich erlebe sie im Unterricht, aber auch beim Essen oder in der Freispielzeit." Deswegen könne er leicht Rückmeldungen geben. "Gerade bei den Viertklässlern wo's doch auch um dem Übertritt an andere Schulen geht."

Er selbst denkt auch schon an einen Übertritt nach. "Vielleicht ein Studium der Sozialpädagogik ..."

Da reut selbst den Stadt- und Marktgemeinderäten das Geld nicht. Schulverbandsvorsitzender und Bürgermeister Robert Herrmann (CSU): "Der Aufwand, den wir für jeden Schüler zahlen, ist erneut gestiegen", aber: "Wir streben nicht an, irgendwo Einsparungen vorzunehmen, weil die Grundschule ein wichtiger Standortfaktor zur Zukunftsfähigkeit unserer Standorte ist, denn wir wenden das Geld gerne auf. Was in der Grundschule verpasst wird, können andere Schularten nicht mehr aufholen."

Dabei verwies Herrmann auch auf die erneut gesunkene Zahlen an Grundschülern. Waren es im Vorjahr noch 235 (Rentweinsdorf: 57) sind es aktuell 224 (Rentweinsdorf: 51).
Das Bekenntnis zur Grundschule lässt sich an weiteren Zahlen ablesen: Für die vier Ganztagesklassen werden 20 000 Euro übernommen, weitere 26 000 Euro für Mittagsverpflegung und -betreuung sowie 6000 Euro für die Busfahrten zum Schwimmen ins Königsberger Bad. Gebilligt wurde auch der Kauf einer elektronischen Tafel (Smartboard) für 5000 Euro sowie eines Schneeschiebers (2500 Euro).

Größere Summen kommen ab 2014 auf den Grundschulverband zu, wie Horst Junge aus der VG-Kämmerei darlegte: 550.000 Euro als Zuschuss für den Hallenbad-Neubau, auf drei Jahre verteilt. Junge: "Das geht ohne Investitionszulage nicht."
Bürgermeister Herrmann erklärte, dass die Standortentscheidung für die Wiese an der Coburger Straße gefallen sei. Wenn dann noch zwischen Grund- und Realschule ein Betreuungsgebäude samt Aula entstehe, "wird das ein schöner Campus".


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