Ein bisschen Aufregung ist schon dabei, wenn die Schüler im Landkreis Haßberge am Freitag ihr Jahreszeugnis bekommen. Mindestens.

Viele haben auch Angst, vor allem vor der Reaktion ihrer Eltern. Das muss eigentlich nicht sein. "Es ist wichtig, das ganze Schuljahr über mit der Schule im Kontakt zu sein", rät Sabine Kröner den Eltern und ergänzt: "Dann gibt es auch keine bösen Überraschungen."

Denn ganz ehrlich: Wenn das Versetzungsziel gefährdet ist und Eltern das erst am letzten Schultag erfahren, ist erst einmal nicht mehr viel zu machen. Und ja, auch wenn das Zeugnis keinen Anlass zur Freude gibt: "Kinder und Jugendliche sollten sich in erster Linie in den großen Ferien erholen, bevor man einige Wochen vor Schulbeginn damit anfangen kann, eventuell entstandene Lücken zu schließen und sich auf das neue Schuljahr vorzubereiten", erklärt Sabine Kröner.

Die 47-Jährige ist seit 2012 Schulpsychologin am Haßfurter Schulamt und mit zwei weiteren Kolleginnen für die Grund- und Mittelschüler im Landkreis zuständig. "Mich kontaktieren meist Eltern oder Lehrer, seltener die Schüler selbst ," erzählt sie. "In der Beratung spreche ich dann mit allen Beteiligten, also Eltern, Lehrern und mit den Schülerinnen und Schülern."


Ermutigen ist immer richtig

Mit einem pauschalen Tipp, wie Eltern denn auf schlechte Noten reagieren sollten, tut sie sich schwer. Ein Grundsatz gelte jedoch immer: "Das Richtige ist immer das Ermutigen." Schuldvorwürfe und Ermahnungen seien der falsche Weg. Die führten nur zur Resignation und mangender Motivation auf Seiten der Schüler.

Wenn Kinder spürten, dass die Eltern enttäuscht seien, habe das oft negative Folgen für das eigene Selbstbild. "Gerade jüngeren Kindern gelingt es dann nicht, zwischen der Enttäuschung über die schlechte Note und der Enttäuschung über sie als Person zu unterscheiden", weiß Kröner.

Zudem sei kein Kind "einfach faul": Ist der Nachwuchs demotiviert, stecken dahinter meist Frustrationen und Enttäuschungen. Gründe dafür gibt es viele, zum Beispiel Überforderung, Unterforderung, Mobbing, Veränderungen im Familienalltag wie Scheidung oder psychische Probleme. Kommt die Familie dem Rätsel selbst nicht auf die Spur, gibt es eine Vielzahl von Beratungs- und Hilfsangeboten. Erster Ansprechpartner ist hier der Klassenlehrer.

Aber man sollte nicht vom Schlechtesten ausgehen. Die Mehrzahl der Zeugnisse im Landkreis wird gut ausfallen! Und "gut", daran möchte Sabine Kröner auch erinnern, ist immer relativ. "Die Note Drei kann so viel bedeuten. Sie kann bedeuten, dass sich ein Schüler von einer Fünf auf eine Drei hochgearbeitet hat - das ist eine Leistung! Oder sie ist das Ergebnis von einer einmaligen schlechten Note, die den Durchschnitt drastisch verschlechtert hat", erklärt Kröner.


Anstrengungen belohnnen

Wichtig ist ihrer Meinung nach deshalb, nicht das Ergebnis (also die Note, die im Zeugnis steht, Anm.d.Red.) zu belohnen, sondern die Anstrengung, die dahinter steht. "Ich finde ja: Belohnen geht immer. Ob mit Geld, Zeit mit den Eltern oder etwas anderem, das ist jedem selbst überlassen", so die Schulpsychologin.

Überhaupt Noten: Die stehen ja immer wieder in der Kritik. Was meint die Schulpsychologin dazu? "Wenn es etwas anderes, Objektiveres gäbe, um zu bewerten, bin ich gerne für Alternativen", sagt Sabine Kröner. "Allerdings glaube ich, egal auf welche Weise man bewertet, es wird trotzdem verglichen." Noten sind ihrer Meinung nach nur Hilfsmittel bei der Beurteilung.


"Noten müssen sein"

Ein Fan von Noten ist dagegen Manuela Küfner, Schuldirektorin der Wallburg-Realschule in Eltmann. "Was heißt Fan: Noten müssen sein. Denn, egal was die Kinder nach der Schule beruflich machen: Es folgen immer Bewertungen. Darum halte ich es für sinnvoll, wenn sie schon während der Schulzeit lernen, mit dem Leistungsdruck umzugehen", erklärt sie.


Ganz gelassen

An der Eltmanner Realschule blickt man der Zeugnisvergabe am Freitag gelassen entgegen. Denn anstelle von Zwischenzeugnissen bekommen die Schüler der Klassen fünf bis acht zwei Mal pro Jahr vor den Elternsprechtagen einen Notenauszug mit nach Hause, den die Eltern auch unterschreiben müssen. "Dadurch ist die Notenvergabe sehr transparent. Eigentlich ist alles bekannt", bekräftigt Küfner.

Natürlich sind die Kinder und Jugendlichen, die am letzten Schultag ein schlechtes Zeugnis in den Händen halten, trotzdem deprimiert. Aber auch, wer zwei Fünfer im Zeugnis hat, muss nicht zwangsläufig die Klasse wiederholen. Küfner erklärt, dass es zwei Möglichkeiten gebe, diesen drastischen Schritt zu umgehen. Wer in zwei Vorrückfächern (das sind alle Fächer bis auf Sport, Musik und Kunst, Anm.d.Red.) eine Fünf hat, kann Anfang September eine Nachprüfung ablegen. Besteht er diese, kann er in die nächste Jahrgangsstufe aufrücken.
"Die zweite Möglichkeit ist das Vorrücken auf Probe. Darüber entscheidet die Lehrerkonferenz je nach Schüler", erklärt Küfner. Manchmal sei es aber auch besser zu wiederholen, "wenn das Basiswissen in allen Fächern fehlt", räumt die Schuldirektorin ein.

Also, egal, welche Noten am Freitag im Jahreszeugnis stehen, sie bedeuten nicht zwangsläufig das Ende der Schullaufbahn. Nur eines bedeuten sie gewiss: endlich Ferien!