Auf der Rückseite des VW-Busses von Werner und Irmgard Eichler ist unter anderem ein D-Schild zu finden. Etwas anders allerdings als das Offizielle - wie vieles bei den Eichlers anders ist. Links vom D steht die Zahl 19, rechts davon die Zahl 69. Werner Eichler zeigt auf dieses Schild und sagt: "1969 wurde unser VW-Bus erstmals zugelassen. Nächstes Jahr wird er 50 Jahre alt."


Werner Eichler war in seinem Berufsleben bei der ehemaligen Firma Kugelfischer als Lehrlingsausbilder tätig, ist also handwerklich gesehen ein Praktiker. Das kam ihm zugute, um seinen VW-Bus T2, den er von seinem ersten Vorbesitzer erwarb und am 19. Juni 1980 auf sich zuließ, aufzupäppeln. "Es war ein Schrottauto, was wir damals von der Firma Sorg mit einem Kilometerstand von 93 000 für wenig Geld kauften", sagt Eichler. Gefahren hatte den Bus zuvor knapp elf Jahre ein Geschäftsmann aus Ebern. Die "Schrottkiste" hielt Einzug in der Familie Eichler, weil sie ein Auto suchten mit Platz, um mit ihren Kindern in Urlaub fahren zu können.


Bis es mit diesem Vehikel soweit war, galt es Hand anzulegen, vieles auszubessern. "Ich habe die Querholme komplett erneuert und sie mit einer Eigenkonstruktion verstärkt, so dass sie besser und stabiler waren, als ursprünglich", erklärt der 79-jährige Rentner. Damit und mit anderen Verbesserungen habe es auch bei der Abnahme durch den TÜV keine Probleme gegeben.

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Werner Eichler wollte den VW eigentlich nur drei Jahre fahren. Er war eine "graue Maus", erinnert er sich. Er hat ihn nach der Komplettüberholung oben herum mit weißer und unten herum mit oranger Signalfarbe lackiert. "Der stand dann da wie eine Eins, funkelte und strahlte", sagt Eichler mit einem Lachen.
Wert legt er auf die Feststellung, dass der VW-Bus nie abgemeldet oder stillgelegt war. "Wir sehen unseren Bus als Gebrauchsgegenstand, mit dem wir unsere Einkäufe erledigen. Ab und zu damit von A nach B kommen." Weitere Strecken fahren die Eichlers, abgesehen von den ersten Jahren mit ihrer neuen Errungenschaft, mit dem Zug.


Aktuell hat der "Oldie" 77 933 Kilometer auf dem Tacho. "Wir fahren mit dem Bus im Jahr höchstens 5000 Kilometer", sagt Eichler. Er ist immer amüsiert, wenn er danach gefragt wird, was der Bus so an Benzin verbraucht. Er lacht und sagt: "Ich antworte dann immer, so viel wie ich fahre." Er meint damit, dass jeder mit sparsamen Autos mehr Benzin verbraucht als er mit seinen 5000 Kilometern im Jahr.


Werner Eichler geht zu seiner Garage, in der der VW-Bus vorwärts eingeparkt ist. Er dreht den Zündschlüssel um, und schon ist der typische Sound des VW-Motors zu hören. Unwillkürlich fühlt man sich Jahrzehnte zurückversetzt, in Zeiten, als die VWs noch diesen Sound von sich gaben.


Eichler legt ein vergilbtes Büchlein vor, mit dem Titel "Arbeitspreise für Instandsetzungen", in dem für seinen T2 die Arbeitspreise aufgelistet sind. Er zeigt die Rubrik, die sich mit dem Motor befasst: Motor ein- und ausbauen 18,30 Mark, ist dort zu lesen, oder Motor zerlegen 98,40 Mark, Dichtring und Kurbelwelle aus- und einbauen elf Mark. "Preise, von denen man heute nur noch träumen kann", kommentiert Eichler. Er erklärt, dass der Motor mit einigen Schrauben ausgebaut werden kann.


Fahrsicherheit ist und war Werner Eichler schon immer wichtig. Deshalb ließ er auch einen Fachmann drüberschauen, der selber einen T2-VW-Bus fuhr und wusste, auf was es ankommt, um mit dem Auto möglichst sicher unterwegs sein zu können.


Seine Frau Irmgard legte ihr Veto ein, als Werner Eichler einmal daran dachte, den Bus zu verkaufen, um sich eventuell ein Elektro-Auto anzuschaffen. "Unseren VW-Bus verkaufen wir nicht!", sagte Irmgard Eichler bestimmt. Werner Eichler nickt und sagt: "Wir werden das Auto wegen seiner Unkompliziertheit weiter fahren."


Viele Erinnerungen verbindet das Ehepaar mit dem T2. Es erinnert sie an gemeinsame Reisen an die französische Küste "Còte d` Azur" oder nach Nizza. Die weiteste Strecke wurde mit dem VW-Bus auf der Fahrt an den Golf von Biskaya zurückgelegt. "Da hatten wir ihn an Verwandte ausgeliehen", sagt Eichler, dessen letzte "große Fahrt" ihn vor drei Jahren nach Berlin führte.


Ging immer alles gut? "Einmal hatte ich einen kleinen Unfall, an dem ich aber selbst schuld war. Nichts Dramatisches", sagt der 69-Jährige.


Irmgard und Werner Eichler strahlen über das ganze Gesicht, als sie sagen: "Wenn wir mit unserem Bus unterwegs sind, winken uns sehr oft Jugendliche zu." Darüber freut sich das Ehepaar Eichler immer sehr. Ja, es ist erkennbar, dass sie für das Auto eine gemeinsame Liebe hegen. Dazu sagt Irmgard Eichler: "Weil Werner sehr viel selbst am Auto schraubte, haben er und auch ich schon eine besondere Beziehung zu dem alten Gefährt."


Werner Eichler zeigt noch einen Artikel aus der Zeitung "Die Zeit", der sich mit dem Wert von VW-Bussen der Typen T 1 bis 4 befasst. Demnach lag der Wert seines T2 im Jahr 2017 bei etwa 15 000 Euro. Verkaufen wäre also doch ein gutes Geschäft? "Nein, unser Enkel Jonas möchte das Auto haben, und so wird es wohl auch kommen", sagt Werner Eichler.


Er hat auch philosophische Züge und ein Gedicht über sein Auto geschrieben. Ein Auszug daraus: "Ein Oldie ist der Zeit voraus, wo wir die Zukunft sehn, er ist der Konstrukteure Graus, die Zeit bleibt einfach steh'n."


Der VW-Bus der Eichlers bleibt - dem Sound nach zu urteilen - noch lange nicht stehen. Das hoffen auch Werner und Irmgard Eichler, "weil unser Enkel Jonas damit ja auch noch fahren möchte".