Etwa auf halben Weg, zwischen den Eberner Stadtteilen Vorbach und Neues, befindet sich im "Bischofsschlag" ein Waldstück, in dem der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet hat. Zahlreiche Fichten stehen ohne Nadeln, dürr und von Spuren der Schädlinge gezeichnet, umfangen von einigen Laubholzarten. Das betreffende Waldstück befindet sich in privater Hand .


Weitergehende Gefahr?

Auf das Dilemma aufmerksam gemacht wurde unsere Zeitung von einer Person, der der jämmerliche Anblick ein Dorn im Auge" ist und die zudem die Gefahr für eine weitere Ausbreitung der Schädlinge, gerade in der derzeit warmen Jahreszeit fürchtet. Die Gefahr besteht aber nicht mehr, wie Forstoberrat Jürgen Hahn vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) aus Schweinfurt bei einem Ortstermin versicherte. Sein Resümee: "Der Käfer ist längst ausgeflogen und richtet hier keinen Schaden mehr an."

Die Besitzer des Waldgrundstückes sagen der Schaden sei bekannt, allerdings sei der "Käfer" derzeit nicht mehr zugegen. Mit dem zuständigen Förster Wolfgang Gnannt vom AELF habe man schon vor längerer Zeit gesprochen und wollte eigentlich die geschädigten Bäume im Herbst letzen Jahres mit einem Vollernter (Harvester) beseitigen lassen. Allerdings habe damals das nasse Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, weil mit dem schweren Gerät nicht in den Bestand zu gelangen war. "Wir sind auf jeden Fall dran, die geschädigten Bäume zu entfernen", versichert die Kontaktperson.
Reinhold Henig aus Brünn ist Vorsitzender der Waldkörperschaft Brünn/Frickendorf. Er sagt, dass das Problem schon vor drei oder gar vier Jahren akut war und er sich natürlich sorgte, dass der Borkenkäfer auf den Wald der Körperschaft, der 28 Hektar misst, übergreifen könnte.


Vor jahren schon akut

Deshalb habe er auch mit Förster Gnannt gesprochen, der sich bemüht habe, die Besitzer des vom Borkenkäfer befallenen Grundstückes ausfindig zu machen. "Das war wohl nicht auf die Schnelle möglich, denn es hat sich nichts getan", sagt Henig.

"In unserem Körperschaftswald hatten wir damals nur wenige Fichten, in denen der Borkenkäfer war und es war für uns kein echtes Problem", erinnert sich Reinhold Henig. Derzeit sei der Käfer in dem betroffenen Grundstück nicht mehr vorhanden. "Der hat sein Werk vollendet und nachdem ein Großteil der Bäume dürr war, hat er sich verzogen", urteilt er und diesht dehalb nach so langer Zeit keine akute Gefahr mehr.


Nichts tat sich

So ganz zufrieden ist er aber nicht, dass damals, als der Käfer die Fichten befallen hatte, nichts passierte. Ihn verwunderte das. "Eigentlich sollte doch jeder Waldbesitzer Eigeninteresse haben, dass sein Wald nicht geschädigt wird", so Henig.
Förster Wolfgang Gnannt befindet sich in Urlaub. Stattdessen nahmen wir Kontakt mit seinem Vorgesetzten, Forstoberrat Jürgen Hahn vom Amt Für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt auf. Er stellt klar, dass sein Amt in solchen Fällen schon relativ massiv eingreifen könne. "Werden im Aktutstadium die Käferbäume nicht vom Eigentümer zuverlässig beseitigt, kann es so weit gehen, dass wir eine Ersatzvornahme androhen und letztlich auch durchführen." Ersatzvornahme bedeutet, dass das Amt die Käferbäume beseitigen lässt und die Kosten dem Eigentümer in Rechnung stellt.Der Forstoberrat geht davon aus, dass der zuständige Forstbeamte wohl im konkreten Fall keinen akuten Handlungsbedarf mehr sah. "Sonst hätte er sicher entsprechend reagiert."


Schaden liegt Jahre zurück

Vor Ort erläuterte der Forstoberrat, dass hier der Buchdrucker und der Kupferstecher am Werk waren. Beides seien Rindenbrüter, wobei sich der Kupferstecher eher in den Kronen der Bäume und der Buchdrucker am Stamm zu schaffen mache. Hahn zeigt das anhand vorhandener Fraßbilder auf.
Seine Annahme, dass die Schäden wohl in Folge des Dürrejahrs 2015 entstanden sind, belegt er mit seinem fachlichen Wissen. "Man sieht, dass hier sich bereits Bockkäfer und Holzwespen eingenistet haben, was man an den Löchern im Holz erkennt. Das weist darauf hin, dass der Baum bereits seit mindestens einem Jahr dürr war, sonst würde die Holzwespe nicht reingehen." Hahn sagt, dass der Käfer wohl schon 2016/17 ausgeflogen wäre. Er vermutet, dass die akute Gefahr vorbei gewesen sei, bevor für seinen Kollegen Gnannt ein amtliches Einschreiten möglich war.

Der Forstoberrat verhehlt nicht, dass auch die Förster einmal etwas übersehen oder nicht entdecken. Deshalb geht sein Appell an alle Waldbesitzer selbst ein wachsames Auge auf ihre Wälder zu haben.


Gefahr durch sprunghafte Vermehrung

Borkenkäfer kommen weltweit und in verschiednen Arten vor. Viele davon befallen nur eine oder wenige Wirtsbaumarten, andere haben ein sehr breites Spektrum von Baumarten. Die meisten Arten besiedeln geschädigte oder bereits abgestorbene Nadelbäume.
Einige aber sind gefährliche Waldschädlinge - sie befallen auch gesunde Bäume. Unter günstigen Bedingungen vermehren sie sich sprunghaft und können Waldbestände flächig zum Absterben bringen.
Borkenkäfer bohren sich durch die Rinde ihrer Wirts-Baumarten wie der Fichte und legen dort Brutgänge für ihre Nachkommen an. Hierbei unterscheidet man holzbrütende Borkenkäfer, deren Gänge ins Holz vordringen, und rindenbrütende Borkenkäfer, die ihre Brutgänge unter der Rinde anfertigen.
"In Fichtenwäldern kommt es durch Borkenkäferfraß immer wieder zu verheerenden Schäden. Verursacher ist vor allem der Buchdrucker. Seit dem Trockenjahr 2003 hat auch der wesentlich kleinere Kupferstecher maßgeblich zum Absterben großer Fichtenbestände beigetragen. Der Buchdrucker ist in den gemäßigten Breiten der gefährlichste Borkenkäfer und Forstschädling. Ausgangspunkt von Massenvermehrungen sind Schadereignisse wie Windwurf, Schneebruch oder Trockenheit", erklärt Förster Hahn.


Befall sofort melden

" Abhilfe kann hier durch eine "saubere Waldwirtschaft" stattfinden, sagt er. Wichtig ist, dass befallene Bäume möglichst frühzeitig erkannt werden, was beispielsweise an herausrieselnden braunem Bohrmehl zu erkennen ist.

Dann sollten befallene Bäume schnellstmöglich eingeschlagen und aus dem Wald gebracht werden werden, bevor die Käfer ausfliegen und neuen Befall verursachen. Auch das Gipfelmaterial sollte beseitigt werden.
Im Moment kann die insektizidfreie Borkenkäferbekämpfung sogar gefördert werden, sagte Jürgen Hahn. Der Hauptschwärmflug der ersten Buchdruckergeneration zu Anlage der zweiten Generation ist im vollen Gange, teilt die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in ihrem aktuellen Newsletter mit. Deshalb wiederholt Hahn seinen Appell an alle Waldbesitzer, den Befall von Borkenkäfern sofort zu melden. hw