Das Urteil unseres Testers:

Ein wenig muss sich der Dekan in Baunach wie ein kleiner Bischof fühlen: Die Diözese gestaltet nicht nur die Pfarrkirche und ihr Umfeld mit enormem Aufwand um, sie staffiert die Pfarreiengemeinschaft St. Christophorus im Baunach, Itz und Lautergrund auch mit großem Personalaufgebot aus. Von einem Pfarrer und zehn hauptamtlichen Mitarbeitern können andere Pfarreiengemeinschaften in der Region nur träumen. Diese Privilegierung der Urpfarrei strahlt offenbar auf das Selbstwertgefühl der Gemeinde aus. Sie erscheint - wiewohl die Jugend auch hier den sonntäglichen Gang zur Kirche scheut - noch tief verbunden im katholischen Glauben. Die Andacht beim Kirchgang beweist es ebenso wie die Ausdauer beim Plausch nach der Messe.

Die Bewertungen im Einzelnen:

1. Einstieg

Der indische Kaplan hält, wie bei vielen Gottesdiensten in der Pfarreiengemeinschaft Sankt Christophorus im Baunach-, Itz- und Lautergrund, die Messe. Feierlich zieht Pater David, wie ihn die Gläubigen nennen, mit den Ministranten ins Gotteshaus ein.Es bedarf einiger Sätze, ehe sich der Zuhörer an die Sprachmelodie des Salesianers gewöhnt hat, dann versteht man seine klaren Worte sehr gut. Schon bei der Begrüßung nennt er den Kerngedanken des Gottesdienstes: den Appell zu Güte und Demut in der Nachfolge Gottes.

2. Musik

Schon beim Einzug überrascht die gute Akustik des Gotteshauses, in dem eine Behelfsorgel den Raum erfüllt. Noch im Herbst soll zum Abschluss der umfangreichen Sanierung und Umgestaltung der Kirche eine neue Orgel über dem Haupteingang installiert werden. Schmucklos und in gutem Singtempo begleitet der Organist die überwiegend bekannten und von der Gemeinde eifrig mitgesungenen Kirchenlieder.

3. Lesungen

Mit gut vernehmlicher Stimme übernimmt ein Gemeindemitglied beide Lesungen (aus dem Buch Jesus Sirach im alten Testament und, als Lesung aus dem Neuen Testament, einen Abschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Hebräer). Die Gemeinde leitet mit andächtig gesungenem "Hallelujah" von den himmlischen Botschaften zum Evangelium über.

4. Predigt

Dem jungen Kaplan gelingt es in einer ausgefeilten Predigt die Zuhörer ins Mark zu treffen. Er tut dies, indem er Jesu Appelle zu Bescheidenheit und Demut nicht als Gleichnis stehen lässt, sondern eigene Erfahrungen einbringt und gar direkt Fragen an die Zuhörer stellt. Eine Predigt, die eigene Eitelkeiten entlarvt und in zeitgemäßer Sprache, dazu auch mittels von Zitaten von Papst Franziskus und Franz von Sales, zum Umdenken appelliert.

5. Kommunion/Abendmahl

Die Wandlung vollzieht der Geistliche in großer Feierlichkeit und Andacht. Zur Kommunion, die an drei Stellen im Kirchenraum verteilt wird, verlassen die Gemeindemitglieder Reihe für Reihe die Kirchenbänke und kehren auf eingeübtem Weg wieder auf ihren Platz zurück, ohne die Anstehenden zu behindern. Alles geht rasch und stilvoll über die Bühne und wirkt ausgesprochen würdig. Perfekt eingespielt!

6. Segen

Stilvoll und sich der ganzen Würde seines Amtes bewusst bringt der junge Priester den Gottesdienst zu Ende. Den feierlichen kirchlichen Segen verbindet er mit persönlichen Wünschen für einen schönen Sonntag. Kurz, aber sehr nett! Der Kirchenbesucher fühlt sich nach dieser Messe tatsächlich bereichert und mit guten Impulsen in die neue Woche entsandt.

7. Ambiente

Der unangenehmste Eindruck von diesem Kirchenbesuch: Nach der Umgestaltung wirkt der deutlich verkleinerte Innenraum der Kirche wie ein zusammenhangloses Sammelsurium kirchenhistorischer Schätze aus verschiedensten Jahrhunderten. Gerade so, als habe jemand den Fundus eines kleinen Diözesanmuseums vorübergehend dort abgestellt. Dieses Durcheinander lenkt leider störend vom Gottesdienst ab. Ex-Domkapitular Jürgen Lenssen, der sich als maßgeblich Verantwortlicher natürlich auch selbst mit etlichen Details verewigte, hat hier gewiss nicht seine beste Arbeit abgeliefert.

8. Kirchenbänke

Die Kirchenbänke sind modern und entsprechend bequem gestaltet, so dass sich die gute Stunde Gottesdienst problemlos "aussitzen" lässt. Erstaunlich: In seiner Predigt merkt der Kaplan an, dass sich Menschen gerne in den Vordergrund drängten, während sie sich als Kirchgänger zumeist nach hinten setzen, um ihre Bescheidenheit vor Gott zu dokumentierten. Die leeren Reihen vorne gaben ihm Recht.

9. Beleuchtung

Zumindest an diesem Morgen ist keine künstliche Illumination erforderlich. Der Kirchenraum ist durch seine Ausrichtung nach Osten lichtdurchflutet. Der Sonneneinfall setzt den Hochaltar sowie den Marienaltar zu seiner Linken wirkungsvoll in Szene. Gleiches gilt für das moderne Wandbild "Tod und Auferstehung" mitsamt dem gefallenen Kreuz an der Nordwand, wofür ein eigener Lichthof geschaffen wurde. Um so düsterer und bedrohlicher steht die neuerdings dauerhaft ausgestellte historische Kulisse des Heiligen Grabes direkt gegenüber.

10. Sinne

Eine katholische Sonntagsmesse gemäß der Liturgie, ohne nennenswerte Sinneseindrücke. Das Auge, wie gesagt, kommt in diesem Kirchenraum nicht zur Ruhe; andere Sinneskanäle bleiben weitgehend außen vor. Der Besucher erlebt die Kirchgänger, vornehmlich Menschen mittleren Alters, als homogene, offenkundig gewachsene Einheit. Eine Gemeinschaft - Reserviertheit beim Friedensgruß macht dies tatsächlich "greifbar" - in die sich der Gast nicht wirklich aufgenommen fühlt.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de. Zum Abschluss der Testserie werden unsere beiden Experten Martin Stuflesser und Martin Nicol am 1. November Bilanz ziehen.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.