Es gab Lese- und Kostproben. Gefesselt lauschten die rund 60 Zuhörer beim "Krimi-Dinner" von VHS und Leseinsel dem aus Michelau stammenden Autoren Volker Backert, der sein zweites Werk "Todesfessel" vorstellte.

Keine Zweifel: Der Mann kennt sich aus im Milieu. Das wurde bei den drei Kostproben, die Backert zwischen Kürbiscreme-Suppe und Lendchen einstreute, schnell deutlich und machte Appetit auf mehr. Den stillten viele Zuhörer durch Kauf des Buches, wobei der Michelauer jedes Exemplar auch signierte.

Überschaubare SM-Szene


Backert arbeitet im Hauptberuf als Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Coburg, hat somit nach eigenem Bekunden viel mit der Polizei zu tun. Und auch die Sado-Maso-Szene der Vestestadt kennt er. "Die ist überschaubar." Weswegen er seinen Kommissar Charly Herrmann von der "Soko Franken" in einem SM-Etablissement im Thüringer Wald, wo viele das SM schon im Kennzeichen tragen, ermitteln lässt, da zwei Ballett-Tänzerinnen aus dem Landestheater ermordet und nach Art der japanischen Fesselkunst Shibari drapiert wurden. An den Tatorten wurde jeweils ein Mann in Frauenkleidern beobachtet.

In diesem SM-Club trifft der Kommissar auch ein Jugendliebe wieder, mit der er schöne Stunden im "Mississippi" (Disco in Lichtenfels) und am Oberwallenstädter See verbracht hatte. Jetzt, nach 30 Jahren "geht es nicht mehr um Titten, nur noch um den Hintren", gibt sich der Ermittler wenig galant, aber dem Ambiente angemessen.

Die Szenen im Club schildert Backert so eindringlich, dass "ich ständig gefragt werde, wo der denn am Rennsteig zu finden ist", erzählt der Autor in intimer Runde. Und: ein Fan weiblichen Geschlechts will ihn auch schon gefunden haben, enthüllt der Krimiautor.

Verdächtiger Basketballer der Brose Baskets


Die Geschichte bleibt dennoch fränkisch. Sie führt nach Schweinfurt und zu einem serbischen Basketballstar der Brose Baskets. Der hat auf seine Unterarme schon so viele Frauennamen tätowiert bekommen, dass selbst er den Überblick verloren hat.

Liebevoll charakterisiert Backert seinen Hauptdarsteller, Kommissar Herrmann, der "lauter Probleme" hat , was dank Sex, Crime und Rock'n'Roll in Franken kein Wunder ist.

Backerts Hang zur Rockmusik wird nicht nur in seinem Roman deutlich, sondern bei der Lesung auch hörbar: Eine finstre Gestalt mit schwarzer Brille und Hut steht bzw. sitzt ihm zur Seite - Franco Corleone, alias Franz Wachter. Der Redwitzer zupft auf seiner Gitarre Hits der Stones, Doors, Deep Purple oder Uriah Heep und erinnert sich noch lebhaft an seine Eberner Tage - beim Panzeraufklärungsbataillon.

Ob er damals aufgeklärt oder auf die Folter gespannt wurde? Viele der Zuhörer jedenfalls gierten nach der Auflösung der Fälle - und kauften das Buch.