Sie kann, sie will, sie soll: Sabine Dittmar ist die Direktkandidatin der SPD für die Bundestagswahl im kommenden Jahr. Für den Wahlkreis Bad Kissingen wurde sie am Freitagabend im Zeiler Rudolf-Winkler Haus bei nur einer Gegenstimme gewählt.

Dass sie kann, hat sie bereits anderswo bewiesen. Seit 2008 sitzt die 48-jährige Ärztin aus Maßbach im bayerischen Landtag und gilt als Expertin der SPD in Sachen Gesundheit. Dass sie will, hat sie gestern mit einer deutlichen Kampfansage in Richtung CSU/CDU und FDP unterstrichen. Und dass sie soll, bestätigten ihr die 71 Delegierten bei der Bundeswahlkreiskonferenz in Zeil, indem sie nahezu geschlossen für die einzige Nominierte votierten. Dittmar kann somit zur Nachfolgerin von Susanne Kastner werden, die SPD-Bundestagsabgeordnete aus Maroldsweisach zieht sich nach der jetzigen Legislaturperiode aus der Politik zurück.

Fürchten um die Macht


Sabine Dittmar zeigte sich am Abend zuversichtlich und siegesgewiss. "Vor uns liegt ein spannendes Jahr. Ich kenne die Region sehr gut und weiß, dass ich mit den Menschen hier seht gut klar komme", sagte sie zu ihrer Chance, von der Landes- in die Bundespolitik vorzustoßen. Aber sie wetterte auch stark gegen die bayerische Regierung, die nach Dittmars Ansicht ebenso im kommenden Jahr um ihre Macht fürchten muss: "Wir werden nach 55 Jahren die ununterbrochene CSU-Herrschaft brechen", sagte sie. "Wir haben die besseren Köpfe und die besseren Lösungen für unser Land."

Doch bald gilt ihre Augenmerk der Politik in Berlin. Mit ihrem Lieblingsthema Gesundheit ("Es ist mein Steckenpferd") glaubt sie, dort mehr ausrichten zu können als in München. Sie habe gemerkt, dass sie auf Bundesebene "mehr Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten" habe als auf Landesebene. Sie sei davon überzeugt, dass das Thema Gesundheit und die Frage "Können wir uns Gesundheit und gute Pflege morgen noch leisten?" die Menschen ebenso berührt, "wie die Euro-Krise und die Frage, ob unser Geld noch sicher ist."

Die SPD werde nach der Bundestagswahl eine "mutige und umfassende Pflegereform in Angriff nehmen, sagte Dittmar. Diese beinhalte einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff, die Bürgerversicherung sowie bessere Unterstützung für Angehörige. "Wir haben dazu ein umfangreiches Konzept erarbeitet. Dabei möchte ich gerne als Bundestagsabgeordnete mitarbeiten, genauso wie bei den Problemen im Gesundheitswesen." Sie warnte aber auch: "Gute Pflege gibt es nicht zum Nulltarif. Für bessere Leistungen und für neue adäquat bezahlte Jobs in der Altenpflege werden auch die Beiträge steigen."

Jubel für die Genossin


Sabine Dittmar hielt eine sehr ausführliche Rede. Sie sprach unter anderem auch über die Themen Energiewende (Atomausstieg nur aus Angst vor Wählerverlust, nicht aus Überzeugung) und soziale Gerechtigkeit (gesetzlicher Mindestlohn). Die Delegierten im Rudolf-Winkler-Haus bejubelten die Kandidatin, die für ihren Wahlkreis in den Wahlkampf ziehen soll. Dittmar wusste es zu schätzen: "Ich bin stolz darauf. Danke für euer Vertrauen." Susanne Kastner, die nach dieser Legislaturperiode für Dittmar Platz macht, sagte zu ihrer möglichen Nachfolgerin im Bundestag: "Abgeordnete zu sein ist ein spannendes Leben. Ich gehe gern und fröhlich in Rente und überlasse dir das Feld."

Jürgen Hennemann sieht gute Chancen für Sabine Dittmar in den Bundestag einzuziehen. Auch, wenn es mit dem Direktmandat schwierig werden dürfte: Über die Landesliste sollte es klappen, glaubt der Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Rhön-Haßberge-Kissingen. "Sie ist hoch angesehen bei der Landes-SPD." Durch ihre Arbeit als Landtagsabgeordnete habe sie sich einen guten Ruf erarbeitet. Deswegen geht Hennemann davon aus, dass Dittmar bei der SPD-Landesvertreterversammlung am 8. Dezember in Dingolfing einen guten Platz auf der Liste bekommt. "Wir werden versuchen, sie unter die ersten 20 zu kriegen", erklärte er.

Das dürfte zu schaffen sein, denn die SPD sieht bei ihrer Listenaufstellung eine Quotenregelung vor, bei der immer abwechselnd ein männlicher und ein weiblicher Kandidat einen Platz bekommen. Gäbe es zum Beispiel zehn weibliche Bewerber und sonst nur männliche, wären die Frauen nach der Quotenregelung garantiert unter den ersten 20 Plätzen.