Welche eine Wohltat für alle Sinne, ein Adventskonzert, das die Sehnsucht der Erwartung und Stille erfüllte. "Ihr habt es geschafft, mein Herz ein Stück weit zu öffnen, auch für den, der kommen möchte." Mit diesen Worten beschrieb Diakon Joachim Stapf die Abendstunde in der Pfarrkirche "Mariä Himmelfahrt", bei der die "Haßfurter Stubenmusik" Melodien aus der Vorweihnachtszeit präsentierte und bei ihren Zuhörern eine besinnliche und nachdenkliche Weihnachtsstimmung erzeugte.

Mit "Staad, staad, jetzt im Advent!" und "Staad - alle Jahre wieder" stimmte die "Haßfurter Stubenmusik" getragen in den Abend ein, bei dem in der Kirche kein Platz mehr frei geblieben war. Judith Weisel (Harfe und Gesang), Rüth Hümmer Hutzel (Hackbrett, Akkordeon. Gitarre und Gesang) sowie Michael Weisel (Gitarre, Kontrabass, Gesang) verstanden es dabei von den ersten Takten an mit den fein abgestimmten Interpretationen auf ihren klassischen Instrumenten der echten Stubenmusik und ihrem mehrstimmigen Gesang Ruhe in die sonst so hektische Zeit zu bringen.

Der Vorsitzende des Seniorenclubs Kirchlauter, Altbürgermeister Peter Kirchner, verwies bei seiner Begrüßung darauf, dass es keinen Monat gebe, in dem es so viele Veranstaltungen gibt wie in der "staaden Zeit", aber auch so viele Widersprüche. "Weihnachtsmarkt an Allerseelen, da kann man des Geldmachen nicht mehr verhehlen", meinte er. Im Advent sollte man doch zur Ruhe kommen und die Erwartungshaltung durchdenken. Vielleicht könnten diese eineinhalb Stunden im Jahr einen kleinen Beitrag dazu leisten.

Judith Weisel erinnerte daran, dass die Gruppe seit mehr als einem Viertel Jahrhundert musiziere und vor allem zur besinnlichen Unterhaltung, zum "Ruhig werden" und "in sich gehen" beitragen wolle. In diesem Jahr sei das Konzert auch eine Erinnerung an ihren Vater Jochen, der leider viel zu früh verstorben sei. Er werde aber auch über die Musik so im Herz bleiben.

Den Menschen Freude schenken

Mit der Musik wolle man auch die Weihnachtszeit entzünden und den Menschen Freude machen. Ohne Zweifel liege hier auch Zauber in der Luft, der Advent ist die Vorfreude und Erwartung, der Heilige Abend das große Fest der Liebe und des Lichtes. "Lassen wir uns von der Liebe der Weihnacht erwärmen". Dazu passte das Lied "Advent ist ein Leuchten, ein Licht in der Nacht" ebenso wie das Instrumentalstück aus Oberbayern "Mürzthaler", bei dem die Harfe die tragende Rolle spielte ebenso wie beim Solo der Weihnachtsballade "Cherry Tree Carol". Judith Weisel zeigte bei ihrem Spiel die ganze Bandbreite der Harfe auf von den tiefen bis zu den hohen Registern, die im beruhigenden und berührenden Nachklang der Gesamtresonanz aller Saiten gerade dem Menschen in der hektischen Zeit wohltut. Sie ist deswegen ja auch ein beliebtes Instrument für die Weihnachtszeit und es machte den Zuhörern Spaß diesen träumerischen Klängen zu lauschen.

Beim "Bauernmenuett" zeigte Ruth Hümmer-Hutzel ihr Können und unterstrich mit ihrem Spiel, dass Harfe und Hackbrett in der bayerischen Volksmusik und vor allem in der Weihnachtszeit fest miteinander verwurzelt sind. Durch das Anschlagen mit Klöppeln erklangen die Töne prächtig ineinander, bauten sich zuweilen in einer großen Klangwolke auf und sorgten für einen besonderen musikalischen Farbtupfer.

Der wurde in vielen Stücken aber erst vollständig durch den warmen und sonoren Klang des Kontrabasses, den Michael Weisel strich oder auch zupfte, und damit gleichzeitig die Basis für die Melodieinstrumente lieferte. Alle drei Musiker boten bei den Stücken aber auch mehrstimmigen Gesang oder glänzten bei ihren Soloeinlagen. Da gingen natürlich bekannte Stücke wie "es wird scho glei dumba" oder "Winterweihnachtszeit" besonders ins Ohr. Aber auch Geschichten und Gedichte zur Weihnachtszeit wurden auf eindrucksvolle Weise vorgetragen.

fränkische Mundart

Peter Kirchner fragte bei seinem fränkischen Mundartvortrag nach dem Sinn von Advent und die Veränderungen in den letzten 26 Jahren, wo es jetzt in Kirchlauter keinen Metzger oder Bäcker, keinen Friseur mehr gebe und selbst die Glühlampen durch LED ersetzt wurden. Dafür würde es im Garten mit 80 Birnen und großer Pracht schon etwas leuchten "mei Bam ist der erste, wo brennt, scho vor dem 1. Advent. Im Advent is doch a Nikolaus, aber die gibt"s scho im September, dabei ist Advent doch erst im Dezember. Is des der Inhalt vo Advent, des me bloß dem Geld nachrennt? Und hast vielleicht des Wort Advent, des me vo Neid sich nemmer kennt."

Diakon Joachim Stapf setzte hier die richtigen Gedanken dagegen. "Advent ist die Zeit der Gottbegegnung am Lebens- und Jahresende". Das Jahr neige sich wie das Leben. Aber man könne doch auch beim Rückblick staunen, wie reich das Jahr wieder gewesen sei und er ihm alles gegeben habe.

Die Bandbreite der Musikstücke ging auch über den Tellerrand hinaus bis nach Schweden und England mit dem christlichen Gedicht "in the bleak midwinter", das als Weihnachtslied "mitten im Winter, vor langer Zeit" berühmt wurde. Passend dazu sangen dann auch die Besucher in der Kirche die bekannten Lieder "leise rieselt der Schnee" und "Schneeflöckchen" und gingen gut eingestimmt nach Hause. Peter Kirchner dankte der "Haßfurter Stubenmusik", allen Besuchern, aber auch den Sponsoren und Helfern für diesen Abend. Der Reinerlös der Veranstaltung werde zur Finanzierung und Restaurierung des Voraustragsbildes der "Vierzehnheiligen-Wallfahrt" Verwendung finden.