Der Staatsanwalt wollte den Mann für vier Monate ins Gefängnis bringen, aber die Vorsitzende Richterin bewertete den Vorgang - zum Glück für den 32-jährigen Schreiner - anders. Bei genauer Betrachtung der Umstände eines schiefgegangenen Auftrages war für die Juristin kein eindeutiger Betrugsvorsatz erkennbar. Die logische Folge: Freispruch. Dass der ehemals Selbstständige eine Rechnung über knapp 200 Euro für den Kauf von Schreinerwerkzeugen erst vier Monate nach Erhalt beglichen hatte, blieb so für ihn folgenlos.
Der Hintergrund: Über etliche Jahre versuchte der Tischler in einer kleineren Ortschaft in den Haßbergen, sich mit kleineren Holz-, Trockenbau- und Montage-Arbeiten eine eigene Existenz aufzubauen. Dieser Versuch brachte den Möchtegern-Unternehmer in den letzten Jahren etliche Male vor den Kadi - weil er immer wieder Maschinen, Geräte und Material bestellt hatte, ohne die Sachen fristgerecht bezahlen zu können. Wegen gleich gelagerter Fälle wurde er von den Amtsgerichten Bad Neustadt, Bamberg und Haßfurt wegen Betrugs verurteilt - dreimal zu einer Bewährungsstrafe.


Auf Namen der Freundin bestellt

Gegenstand der Verhandlung war diesmal eine bei der Firma Würth aufgegebene Bestellung. Die Ware wurde am 14. November 2017 geliefert. Da er unter seinem eigenen Namen zu diesem Zeitpunkt schon nichts mehr erhalten hätte, bestellte er namens seiner damaligen Lebensgefährtin, die seinerzeit damit einverstanden war. Die Rechnung ging also zunächst an die Freundin.
Aber als die Beziehung kurz darauf in die Brüche ging, steckte die Ex dem Handwerker das Schreiben in seinen Briefkasten. So landete die Zahlungsaufforderung am 28. Dezember 2017 doch noch bei ihm. Im Januar 2018 kam der Selbstständige erst mal für einige Wochen ins Krankenhaus, und die Rechnung blieb liegen. Erst Ende April 2018 überwies er den überfälligen Rechnungsbetrag.
Vor Gericht bestritt der Angeklagte jede Betrugsabsicht. Die bestellten Dinge habe er gebraucht, um einen zu diesem Zeitpunkt noch bestehenden, aber später geplatzten Auftrag zu erledigen.


Planmäßigen Vorsatz bestritten

Sein Pflichtverteidiger, Christian Merkel, betonte, dass sein Mandant seine selbstständige Existenz aufgegeben habe und nun seit über einem Jahr in einer Treppenbaufirma in Vollzeit beschäftigt sei. Der Advokat attestierte seinem Schützling eine "schlampige Art und Weise" in seinem kaufmännischen Gebaren. Dies habe ihn immer wieder in Konflikt mit dem Gesetz gebracht. Aber ein planmäßiger Vorsatz sei nicht nachweisbar. Er unterstrich, dass sich die persönlichen Verhältnisse grundlegend verändert hätten. Und im vorliegenden Fall beantragte er einen Freispruch.


"Immer gleiche Masche"

Für Staatsanwalt Marian Rübsamen hingegen hat der Angeschuldigte mit "immer gleicher Masche" gehandelt und Waren bestellt, obwohl er nicht liquide war. Als besonders gravierend hob er hervor, dass der Mann zum Zeitpunkt der verhandelten Tat unter zweifacher offener Bewährung stand. Vier Monate "ohne" hielt er nun für notwendig. Ob der Ankläger gegen den Freispruch in Berufung gehen wird, ließ er offen.