Und auch für deren Fans - "Revolver reloaded" lautete das Motto in der Nacht von Ostersonntag auf -montag im Tanzcenter Kaiser. Und der Blutdruck stieg bei so manchem Oldie gefährlich, als die Kultband die Bühne erklomm.

Sie hatten kräftig aufmunitioniert, die Revolver-Helden: Eine neue Besetzung und ein neues Repertoire sorgten für eine Breitseite auf die Trommelfelle. Zum Kern-Quartett gesellte sich ein Bläsersatz, der den Sound nicht nur bereichert, sondern auch für einen Richtungswechsel steht. Weniger Rockklassiker, mehr Jazz und Funk.

Keine Party-Musik

Das war für so manchen Revolver-Anhänger, der zu jedem der (wenigen) Auftritte in einem Jahr reist, bisweilen gewöhnungsbedürftig. Denn geboten wurde keine Party-Musik, sondern anspruchsvoller Rock, der sich nicht sofort in jeden Gehörgang kuschelt. Musikalische Selbstbefriedigung auf der Bühne, woran aber auch Außenstehende ihren Gefallen finden.

Unverkennbar zieht nun der aus Röttenbach bei Erlangen stammende Keyboarder Friedel Amon die Strippen und Register in der Band und zweifellos zählt Joe Zawinul (der 2007 verstorbene Keyboarder der Jazzrockband "Wheather Report") zu seinen Vorbildern.

Kein Wunder, dass der Gig mit einem "Wetterbericht" beginnt und zu einem Donnerwetter anwächst, was besonders der Bassdrum von Oldtimer Evert Fraterman aus Ansbach zuzuschreiben ist, die er beidfüßig bearbeitet.
Der neue Sänger Rainer Braun fiel nicht nur durch Textsicherheit und seine Rockröhre, sondern auch durch narzisstisches Gehabe auf, was so gar nicht zu seinen Mitstreitern passt, die sich zurückhaltend auf ihre Spielkunst konzentrieren. So Cäsar Gerhard am Saxofon, der bei Branford Marsalis in die Lehre gegangen sein muss.

Und die Virtuosität deckt ein weites Feld ab: So bei "Fields of gold" von Sting, "25 or 6 to 4" von Chicago oder "Higher love" von Steve Winwood. Für Insider kein Problem, aber für so manchen Tänzer doch: Sie kennen die Melodien, haben aber noch nie etwas vom Interpreten gehört: "Von dem ist denn das Sledgehammer?", fragte einer in Ekstase: "Von Peter Gabriel" bekam er zur Antwort, ebenso wie "Digging in the dirt".

This time we've gone to far? Diese Frage aus Gabriels Kritik an genetischen Experimenten galt nicht für Veranstalter Stefan Kaiser: "Nach dem Erfolg im letzten Jahr mit Revolver wollten wir unbedingt eine Neuauflage, was zwischenzeitlich gar nicht so einfach erschien, weil es durch die personellen Umbesetzungen einige Probleme gab."

Echte Premiere

Jetzt aber kam der Unterpreppacher sogar in den Genuss eines Premierenabends. Nur zwei weitere Revolverauftritte sind bislang in diesem Jahr terminiert. Stefan Kaiser war "froh, wieder mal ein anderes Publikum" in seine U-Night gelockt zu haben: "Das sorgt für Abwechslung." Denn: "Eigentlich ist die Live-Cover-Schiene von früher tot." Aber "Revolver" spreche eine bestimmte Zielgruppe an, die zwar nicht mehr jede Woche weggehe, aber an Ostern doch gerne komme. "Fans und Musiker gehen zurück zu den Wurzeln."

Ansonsten setzt Kaiser mehr auf DJ-Nights. Der Plattenaufleger im Nebenraum hatte am Sonntag aber keine Chance: "Wir wollen diese Elektro-Beats nicht hören", forderte Sänger Rainer Braun und Evert Fraterman haute auf sein Schlagzeug ein, um Foreigners "Urgent" anzustimmen.