Nicht nur, weil es besser schmeckt. Dass es mehrere Gründe gibt, regionale Produkte zu kaufen, beweisen im Landkreis Haßberge gleich mehrere Projekte - und vor allem Produkte: Haselnusslikör, Kürbiskernöl, Apfel-Champagner, Whiskey, Käse und Wild aus der Region. "Auf der Suche nach Nischenprodukten" ist aber nicht nur "Kulinea - Der Marktplatz regionaler Köstlichkeiten".

Mittlerweile gibt es ein Meer an Qualitätssiegeln: Bio, Demeter, Fairtrade, Genfrei... Trotz dieser Prüfsiegel - oder gerade weil auf den Verpackungen solch ein Chaos herrscht - durchschaut der Kunde im Supermarkt nicht immer auf Anhieb, was in der Ware drin steckt: "Man muss die Produkte kennenlernen, was und wer dahinter steht", sagt Heinz Müller. Kostenlos zu jedem regionalen Produkt, das der Kunde kaufe, gebe es "Vertrauen und Geschichten". Ob im eigenen Hofladen oder am Messestand: "Die Bauern und Produzenten sind selbst da, die schicken nicht irgendwelche Vertreter", sagt Müller, der frühere Gartenfachberater des Landkreises und Mitorganisator der Regionalmesse "Kulinea".

Landwirtschaft hat was zu bieten

Eines der bundesweiten Werbezeichen ist "Einkaufen auf dem Bauernhof", einer "der bekanntesten Zusammenschlüsse für die Direktvermarktung", sagt Manfred Kraus vom Bayerischen Bauernverband. Stark verbreitet ist auch das Label "Natürlich von hier - vom Bauern direkt, weil's besser schmeckt", ein fränkisches Projekt der Gastronomen und Direktvermarkter aus Steigerwald und Haßbergen. Es sind nicht nur Landwirte, die auf der "Kulinea" vom 27. Februar bis 1. März 2015 in Knetzgau ausstellen werden. Und Neugierige, die gerne mal regionale Ware kaufen wollen, müssen auch nicht bis nächstes Jahr warten. Imker, Gärtner, Brotbäcker... die Kategorien im Direktvermarkter-Verzeichnis des Landratsamts in Haßfurt (www.direktvermarkter-hassberge.de) gliedern sich in tierische, pflanzliche und andere Dienstleistungen, wie zum Beispiel Geschenkartikel oder Bewirtung - manche Anbieter überschneiden sich in den insgesamt 26 Kategorien. Egal ob im kleineren Stil, wie Carola Sieghörtner aus Pettstadt, oder mit einer breiteren Produktpalette, wie sie in der Weinscheune Schäfer in Gleisenau zu finden ist. Es kommt auf das "regional" an.

Brot, das anders schmeckt

Carola Sieghörtner bietet Backwaren an. Brot, mit oder ohne Körner. Egal, es ist auf jeden Fall Brot, das anders schmeckt, irgendwie echter und dadurch am Anfang auch etwas fremd und fester. Zwischen 1,5 und drei Kilogramm wiegen ihre Brote, auf Wunsch backt sie auch 750-Gramm-Laiber oder Sechspfünder - je nach Vereinbarung, die am besten telefonisch im Voraus erfolgt. Denn Carola Sieghörtner backt vor allem auf Vorbestellung - immer zum Freitag frisch, und manchmal sind die Brote sogar noch warm. Jeden dritten Freitag im Monat steht sie von 9 bis 12.30 Uhr auf dem Eberner Bauernmarkt, jeden Freitag gibt es ihre Brote in "Bauer Roberts Hofladen" in Zeil und direkt auf ihrem Hof in Pettstadt, Hausnummer acht, Kirchlauter, zu kaufen. Sie backt mit Natursauerteig, im eigenen Holzofen versteht sich. Ohne Konservierungsstoffe. Womit auch große Firmen auf ihren bunten Lebensmittel-Fertig-Packungen werben, kann direkt überprüft werden: Roggenmehl, Wasser und Salz - mehr nicht. Der Sauerteig wird im Holzofen gebacken, der mit Reisig geschürt wird.

Mehr als Wein in der Weinscheune

Ein fränkischer "Portugieser" wächst und gedeiht am denkmalgeschützten und unter Naturschutz stehenden "Steinbacher Nonnenberg". Mirabellen, Birnen, Äpfel, Zwetschgen und gelbe Pflaumen - auch das gehört zum Sortiment der Familie Schäfer. Wenn die Früchte reif sind, werden sie zu Säften und Bränden weiterverarbeitet.
In der Wirtsstube der ausgebauten Scheune in Gleisenau kann man nach einer "g'scheidn Brodzeid" - selbstverständlich mit Hausmacher-Bratwürsten und selbstgemachter Wurst - einen Schlehen- oder Himbeergeist aus der eigenen Schnapsbrennerei genießen. Und die Familie hat noch einige Brände und Likörsorten mehr im Regal stehen. Auch für alle, die kein Fleisch essen wollen, gibt es "regional" etwas zu bieten: Forellen und Saiblinge aus eigener Zucht vom Heiligensee aus Stettfeld, die auch für daheim vorbestellt werden können.
Carola Sieghörtner und Familie Schäfer sind nur zwei Vertreter, die per Zufall bei wilder Klickerei durch das Online-Direktvermarkter-Verzeichnis ausgewählt wurden. Vom Frühstücksbrot bis zum Verdauungsschnaps nach einem großzügigen Abendessen - "das Potenzial der Region ist unglaublich", sagt Heinz Müller.
Und dazu gehören nicht nur die traditionellen regionalen Leckereien. "Jeder kennt Nutella oder Rocher, aber kein Mensch weiß, was da wirklich drin ist. Wir bieten Nischenprodukten ein Schaufenster. Ein junger Mann aus der Nähe von Würzburg macht zum Beispiel allerlei aus Haselnüssen - Öl, Brotaufstriche, Pralinen" bietet er an. Der Mann, bei dem die Fäden zusammenlaufen, wenn es um die Organisation und Präsentation der regionalen Direktvermarkter-Messe "Kulinea" im kommenden Frühjahr geht, hat Zukunftsvisionen: "Mittlerweile gibt es ,regional' auch im Discounter. Das ist eine Welle, die sich ausbreitet, ein Umdenken in der Gesellschaft", sagt Müller. "Unser Ziel ist ein Regionalladen - eine Regiothek." Ein Dorfladen, in mindestens eine Nummer größer sozusagen, "modern und schick, wo auch Touristen hinkommen", so schwärmt Heinz Müller. Bis es so weit ist, sucht er erst einmal noch weitere Aussteller, die "was ganz Besonderes" in und für die Region herstellen.

Eine Liste aller Direktvermarkter im Landkreis Haßberge gibt es unter...:
-Verzeichnis aller Direktvermarkter
-Das bundesweite Werbezeichen "Einkaufen auf dem Bauerhof" ist einer der bekanntesten Zusammenschlüsse für die Direktvermarktung. Unter dem Button "Information für den Direktvermarkter" werden über die Philosophie bis zur Hygieneleitlinie auch die Teilnahmebedingungen erläutert.