Diese Tiere sind einfach nur schlau, findet Oliver Sehrt. Der Schädlingsbekämpfer rückt Ratten regelmäßig auf die Pelle. Im Januar wird er in Zeil Kanaldeckel öffnen, um sie aufzuspüren, bereits im Dezember war er in Eltmann zu Gange. Zu seinen Kunden zählen Kommunen aus dem gesamten Landkreis Haßberge. "Ratten sind faszinierend und extrem anpassungsfähig", sagt er voller Respekt über die Nager, und trotzdem tötet er sie seit Jahren systematisch. Weil es sein muss, sagt er. Sonst gibt es früher oder später Probleme mit den Tieren: "Wenn man nichts machen würde, würden die Ratten aus dem Kanal rauskommen." Und weil sie Krankheitserreger übertragen, können sie dem Menschen gefährlich werden, etwa wenn mit Rattenkot oder -urin beschmutzte Nahrungsmittel konsumiert werden.

Oliver Sehrt jedenfalls will dem vorbeugen und legt in den Abwasserkanälen Köder aus, um die Rattenpopulation am Einsatzort auf nahezu Null zu bringen. Seit vielen Jahren zum Beispiel bekämpft er in Eltmann Ratten.. "Wir machen das jedes Jahr", erklärt Simone Schöpplein von der Stadtverwaltung. Die Maßnahme sei vorbeugend und nicht, weil es in Eltmann Anzeichen für eine Rattenplage gäbe. Ohnehin: Betreiber von Kläranlagen sind gesetzlich zur Rattenbekämpfung verpflichtet. Somit ist nahezu jede Kommune bzw. der Wasserzweckverband betroffen.


Zugang zu Nahrung

In einigen Bereichen werden in Eltmann Ratten häufiger gesichtet, in anderen weniger. Hauptgrund für ein vermehrtes Auftreten der Nager ist in erster Linie, dass sie einfachen Zugang zu Nahrung bekommen. Essen ins Klo werfen sei laut Schöpplein keine gute Idee: "Es gibt genügend Bürger, die Essensreste nicht in der Biotonne entsorgen, sondern in der Toilette." So gelangen sie in den Kanal.

Die Ratten müssen sich nur noch bedienen. Schöpplein, die seit Jahren für die Stadtverwaltung in Kontakt mit Oliver Sehrt steht, erinnert sich an die Worte des Schädlingsbekämpfers: "Da schwimmen die Klöße vorbei" hat er die luxuriöse Situation einiger Ratten beschrieben, die von den Menschen ungewollt bestens versorgt werden.


Ratten denken mit

Also gilt es, die Rattenpopulation im Zaum zu halten. Im Einsatz zeigt sich, was Sehrt mit der Schläue der Tiere gemeint hat: Sie einfach zu vergiften, das klappt nicht. Zumindest nicht flächendeckend. Ratten lassen bei den Ködern Vorsicht walten. Laut Sehrt schicken die im Rudel lebenden Tiere einen Vorkoster los, der das potenzielle Futter testet. Enthielte der Köder ein starkes Gift, das schon nach kurzer Zeit wirken würde, hätte das nur den Effekt, dass die anderen Ratten die Falle erkennen.

"Die fressen dann nichts mehr von dem Köder", erklärt Sehrt. Eine tote Ratte neben dem Lockmittel hält die anderen Tiere davon ab, das Futterangebot anzunehmen. Deswegen müssen die Rattenjäger ein spezielles Gift benutzen: "Es wirkt nach drei Tagen frühestens", sagt Sehrt. Auch, wenn dann innerhalb kurzer Zeit sehr viele Ratten sterben, gelingt es den Tieren nicht, einen Zusammenhang mit dem Köder herzustellen.


Die Tiere verbluten innerlich

Bei dem verwendeten Gift handelt es sich um ein Rodentizid: Darin enthaltene Wirkstoffe hemmen die Blutgerinnung, was dazu führt, dass die Ratten innerlich verbluten. Angeblich geschieht das schmerzfrei, allerdings ist das umstritten: bei Blutungen in der Lunge etwa kann es zu Atemnot kommen.

Dennoch ist die Methode die am weitesten verbreitete und erfolgversprechend. Sehrt etwa erinnert an Zeiten, in denen Ratten auch mit Klebefallen gejagt wurden. Die Tiere seien einen qualvollen Tod gestorben, da sie sehr langsam verendeten. Deswegen wurde der Einsatz von Klebefallen in Deutschland verboten.

Auch in anderen Gemeinden im Landkreis steht die Rattenbekämpfung auf der Agenda.In der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Ebelsbach etwa gab es wegen Ratten aber kaum Auffälligkeiten, weswegen die Tiere nicht jährlich bekämpft werden, wie VG-Geschäftsleiter Jürgen Pfister erklärt. In Kirchlauter habe man alle zwei Jahre flächendeckend Maßnahmen ergriffen, ansonsten "nur in Teilstücken im Kanal" bei Bedarf. In Ebelsbach hat in der Regel der Bauhof die Festköder ausgelegt.

So war es bislang auch in Zeil, im Januar übernimmt mit Oliver Sehrt aus Gelnhausen (Hessen) erstmals ein externer Spezialist die Rattenbekämpfung. "Wir fahren jede Straße ab und öffnen die Deckel", erklärt der 36-Jährige. Er hält nach Essensresten und Kotablagerungen Ausschau und kann so abschätzen, wie groß die Rattenpopulation in etwa ist. Wenn eine Stadt einige Jahre nichts unternimmt, vermehren sich die Tiere zügellos. Dann sei man schnell an einem Punkt, dass auf jeden Einwohner eine Ratte komme.


Die Rattenfänger von Zeil

Die Nager mögen es "ruhig, trocken und warm", erklärt Sehrt. Das kann der Abwasserkanal bieten: Es gibt dort laut Sehrt warmes und kaltes Wasser, an den trockenen Rändern zur Wasserrinne ist reichlich Platz, wo sich die Tiere tummeln können. Gute Schwimmer sind sie zwar, aber wenn es geht, bleiben sie aus dem Wasser draußen. In Zeil läuft die Rattenbekämpfung von Dienstag, 15., bis Freitag,18. Januar. Neben der flächendeckenden Köderauslegung wird auch private Hilfe für Bürger angeboten, die Probleme mit Ratten, Mäusen oder sonstigen Schädlingen haben. Das teilte Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) jüngst im Amtsblatt mit. Für die Bürger werden nur die Materialkosten in Rechnung gestellt.

Bis zum 11. Januar können sich Bürger für diesen Service noch anmelden. In diesem Zusammenhang weist der Bürgermeister auch daraufhin, dass das an sich "gut gemeinte Füttern der Enten am Bach" unterlassen werden sollte. Denn das locke leider auch Ratten an.


Rattengift nicht mehr im Handel

Für Bürger wird es künftig übrigens schwieriger, an Rattengift heranzukommen, falls es Probleme mit den Tieren gibt: Da die Mittel seit Anfang des Jahres nicht mehr frei verkäuflich sind, wird künftig wohl häufiger der Profi anrücken müssen, wenn es darum geht, die Köder auszulegen.


Wissenswertes über Ratten

Maus Ratten und Mäuse ähneln sich nicht nur, sie sind auch miteinander verwandt. Ratten gehören zur Familie der Langschwanzmäuse.

Allesfresser Ratten sind Allesfresser. Wie wir Menschen auch. Ihre Nahrung setzt sich aus pflanzlicher sowie tierischer Kost zusammen. Allesfresser werden in der Biologie Omnivore genannt. Ratten gehen dabei noch einen Schritt weiter als Menschen: Sie fressen sogar Seife, Wachs und Papier. Die Nager machen vor verdorbener Nahrung selten Halt, auch Erbrochenes verzehren sie. Ratten können sich übrigens kaum übergeben, eine Falte zwischen Vormagen und Magen verhindert das.

Arten Von den etwa 65 bekannten Rattenarten leben nur einige wenige ständig in der Nähe des Menschen. Weltweit gesehen sind das die Hausratte und die Wanderratte. Letztere wird bisweilen auch als Kanalratte bezeichnet. Die oft als Haustier gehaltene Farbratte stammt übrigens von der Wanderratte ab.

Schädling
Da Haus- und Wanderratten im Gefolge des Menschen leben, sind sie auch Nahrungskonkurrent. So kämpfen viele Landwirte gegen Rattenbefall etwa in Getreidesilos und anderen Lagerorten für Nahrungsmittel. Da Ratten Krankheiten übertragen können, werden sie als Bedrohung angesehen. In Gartenanlagen nagen sie zudem Wurzeln und Knollen an. Auch Wasser- und Abwasserleitungen können von den Tieren beschädigt werden.

Schläue Ratten gelten als ziemlich intelligent, insbesondere ihre soziale Intelligenz hat Wissenschaftler beeindruckt. So wurde in diversen Experimenten nachgewiesen, dass zum Beispiel eine in einer Falle gefangene Ratte mit ihren Artgenossen kommuniziert und sie vor der Gefahr warnt. Außerdem helfen sie sich gegenseitig aus Notsituationen.

Verehrung In der westlichen Kultur gilt die Ratte häufig als schäbig und hinterhältig. In anderen Weltregionen dagegen wird sie verehrt. So dient sie etwa dem hinduistischen Gott Ganesha als Reittier und steht für Intelligenz. Im Karni-Mata-Tempel füttern Gläubige die dort zu tausenden lebenden Ratten, die als heilig gelten. Im zwölfjährigen chinesischen Tierkreis steht die Ratte an erster Stelle (das letzte Jahr der Ratte war 2008, es kehrt alle zwölf Jahre wieder). Das Tier steht für Angriffslust, aber auch für Ehrlichkeit, Kreativität und Selbstbewusstsein. Mehr Infos: Wikipedia