"Aus dem Nichts heraus, ohne jeden Anlass hat der Angeklagte meinem Freund mit der Faust voll ins Gesicht geschlagen. Als er dann bewusstlos auf dem Boden lag, haben ihn die beiden Türsteher auf den Gehsteig geworfen wie ein totes Tier!" Mit diesen schweren Vorwürfen sah sich der ehemalige Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma (30) im Saal des Amtsgerichts konfrontiert. Nach einer mehr als fünfstündigen Beweisaufnahme wurde für 2. Februar um 9.00 Uhr ein Fortsetzungstermin anberaumt, wozu weitere Zeugen geladen sind.

Der aufsehenerregende Fall datiert vom 24. September 2014. Damals besuchte ein 25-jähriger Installateur aus Schweinfurt mit zwei Freunden die Diskothek Rainbow in Knetzgau. Im Laufe des Abends trank der junge Handwerker ziemlich viel Alkohol, die Rede war u.a. von zahlreichen Jägermeister-Drinks. In der Folge soll er dann zwei Damen belästigt haben, die sich bei den Security-Mitarbeitern beschwerten. Daraufhin wurde der Schweinfurter kurz vor zwei Uhr nachts aus dem Tanzlokal verwiesen. Zwei Türsteher, unter ihnen der Angeklagte, fassten ihn jeweils seitlich in der Armbeuge und führten bzw. zogen ihn nach draußen. Irgendwie kriegten das nach einer Weile auch seine beiden Kumpels mit, von denen einer nüchtern geblieben war, um zu Dritt heimfahren zu können. Sie akzeptierten den Rausschmiss und sammelten sich dann langsam vor der Disco.


In Rangelei verwickelt

Der von dem Trio bestimmte Fahrer, ein 28-jähriger Industriemechaniker aus Arnstein, saß schon auf dem Fahrersitz seines Autos und wartete, dass der Rausgeworfene auf der Beifahrerseite einsteigen würde. Der aber war irgendwie in eine Rangelei mit den beiden Türstehern verwickelt, die ihn zuvor an die frische Luft befördert hatten. Und dann ging alles ganz schnell. Angeblich versperrte der Angeklagte dem Betrunkenen den Weg zum Auto und dann, so der Zeuge, tat es einen "dumpfen Schlag" und sein Freund knallte aufs Pflaster und lag leblos am Boden.

Der nicht vorbestrafte Beschuldigte, der für eine Sicherheitsfirma arbeitete, bestreitet nicht, dem Installateur mit der linken Faust voll ins Gesicht geschlagen zu haben. Allerdings, beschrieb er die damalige Situation aus seiner Sicht, habe der stark alkoholisierte Mann die Arme gehoben, was für ihn so ausgesehen habe, als ob er angegriffen werde. Der Sicherheitsmann beteuerte, dass es nie und nimmer seine Absicht gewesen sei, den Mann derart zu verletzen und entschuldigte sich im Gerichtssaal bei dem 25-Jährigen, der mit seinem Anwalt als Nebenkläger die Verhandlung verfolgte. Als erstes Good-Will-Zeichen hat er dem Opfer kurz nach dem Vorfall 2000 Euro überwiesen. Die grundsätzliche Verantwortung, stellte Verteidiger Jochen Kaller fest, werde nicht abgestritten. Was die verheerenden Folgen der Tat aber betreffe, handele es sich um eine "unglückliche Verkettung von Umständen."

Zurück zum Tatort: Der eilig herbeigerufene Notarzt und die Sanitäter brachten den Bewusstlosen ins Leopoldina-Krankenhaus nach Schweinfurt. Dort stellten die Ärzte einen Schädelbasisbruch fest und führten sofort eine Notfall-Operation durch. Zwei Wochen lag der Schwerverletzte anschließend im Koma, tagelang schwebte er in der Intensivstation zwischen Leben und Tod. Nach fünf Wochen konnte er die Klinik verlassen und wurde in eine Reha-Einrichtung gebracht. Noch heute, erklärte der Installateur, falle es ihm schwer, sich zu konzentrieren, er befinde sich in psychologischer Behandlung und habe seinen Job verloren, weil er nicht mehr auf Dächern arbeiten könne. Was den fraglichen Abend betrifft, kann sich der Handwerker an gar nichts erinnern; Filmriss, nennt das der Volksmund.


Mit Sand gefüllte Handschuhe

Eine wichtige Rolle bei der juristischen Frage, ob es sich bei dem Schlag um eine einfache oder gefährliche Körperverletzung handelte, spielte der Gesichtspunkt, dass die Sicherheitsbeauftragten spezielle mit Sand gefüllte Handschuhe, sogenannte Quarzhandschuhe trugen.

Dazu erläuterte ein Sachverständiger vom Landeskriminalamt aus München, wie sich das auf die Schlagenergie auswirkt. Nach den Ausführungen des Gutachters kommt es durch den Handschuh nicht dazu, dass sich die Verletzungsgefahr signifikant erhöht. Insofern stufte er das Kleidungsstück - im Gegensatz etwa zu einem Schlagring - nicht als gefährliches Werkzeug oder Waffe ein.