Mit den Worten "HERR, auf Dich hoffe ich..., Meine Zeit steht in Deinen Händen", hatte zuvor Dekan Jürgen Blechschmidt auf die Bedeutung der Zeit wie auch auf gute und weniger gute Geschehnisse in allen Zeiten seit Bestehen des Ortes Rügheim verwiesen. Alle Gemeinden waren in Vorbereitung des Kirchentages aufgefordert worden, ein Foto mit ihrer Kirche und dem Vermerk über das Datum ihrer Weihe mitzubringen. Auf einer langen Reihe mitten im großen Festzelt, stellten die Christen in vier Zeitetappen, je nach Dauer des Bestehens ihres Gotteshauses, die Bilder auf einem fiktiven Zeitstrahl ab. Dieser solle verdeutlichen, "wie viel Zeit Christus uns schenkt", erläuterte Blechschmidt.

Geschichtlicher Abriss

Der Landesbischof nahm den Faden auf. In einem geschichtlichem Abriss, den er mit dem neunten Jahrhundert begann, als "das Evangelium von Jesus Christus in Unterfranken verkündet wurde", sprach er über "Gewalt, die bei der Christianisierung der Franken mit im Spiel war", vom Vertrauen vieler Menschen auf Gott in kriegerischen Zeiten, aber auch von "Kriegsgöttern, die sich den lutherischen oder den römisch-katholischen Namen an die Brust hefteten und den Namen Jesu Christi verrieten".

Nur wenige hätten auch in späteren, etwa den großen Kriegen des vergangenen Jahrhunderts, "den klaren Blick bewahrt". Es dürfe nie wieder so sein, predigte der Landesbischof, "dass wir den Namen unseres Herrn so missbrauchen". Gewalt zur Durchsetzung des Glaubens dürfe nie wieder gerechtfertigt sein.

Durch offene oder versteckte Huldigung anderer Götter sei der klare Blick auch heute in Gefahr. Einen dieser Götter nannte Bedford-Strohm "die Effektivität". Im Umgang mit der Zeit hieße es, Prioritäten zu setzen, um beim Zeitmanagement, das er für viele Menschen als "zentrale Herausforderung im Alltag" bezeichnete, nicht auf der Strecke zu bleiben. Aufgaben, die durch das "effektivste Zeitmanagement" nicht erfüllbar sind, "zerreißen uns".

Wenn das Gefühl aufkäme, nicht mehr Atem holen zu können, dann "brauchen wir Zeiten, an denen wir nicht effektiv sein müssen", forderte der Landesbischof. Gottesdienste etwa seien sinnerfüllte Zeiten, die man durchaus als "Protest gegen den Terror der Zeiteffektivität verstehen könne. Von der riesigen Kirchentags-Gottesdienstgemeinde erntete er lautstark Beifall für diese Worte.

Kindergottesdienst

"Nun können die Kinder kommen", sprach Dekan Blechschmidt, als der Programmverlauf an die Stelle gekommen war, die im Kinderprogramm "Festzelt" lautete. Vom Kindergottesdienst in der Kirche kamen sie herbei, brachten die Sonne an diesem anfänglich trüben Sonntagmorgen und viel Fröhlichkeit mit. "Meine Zeit, Deine Zeit, schon sind wir zu Zweit" sangen und tanzten die jüngsten der Gemeinden.

Mit ihnen sangen die Erwachsenen, die zuvor schon unter der Leitung von Dekanatskantor Matthias Göttemann in Verstärkung durch die Kantorei Haßberge, den Gospelchor "Praising People" sowie den großen Posaunenchor unter Jürgen Koch Gemeindegesang "geübt" hatten. Martin Scherer hatte ein eigens für den Kirchentag komponiertes Lied beigetragen, das Mottolied des Unterfränkischen evangelischen Kirchentages 2014: "Im Wandel der Zeit".