Die Zeichen sind eigentlich nicht zu übersehen: Sechs rechteckige Markierungen auf der Fahrbahn, eine Kamera auf der Brücke, dicke Kabel, die zu weiteren Kameras an der Fahrbahn führen, und ein Bus in der Nähe - hier kontrolliert die Polizei.

Trotz der Größe der neuen, digitalen Kameras rasen viele Autofahrer in die Kontrolle hinein. "Vielleicht glauben die, dass es zu offensichtlich ist, um wahr zu sein", grübelt Armin Holzheimer von der Verkehrspolizeiinspektion Schweinfurt-Werneck nach. Diese Dienststelle ist neben der A7 und der A71 für die Maintalautobahn (A70) im Kreis Haßberge aus Richtung Westen bis zur Anschlussstelle Eltmann zuständig.

Der Polizeioberkommissar steht auf der Schraudenbachbrücke der Autobahn A7 in der Nähe des Kreuzes Schweinfurt/ Werneck. Zusammen mit Kollegen erklärt er einigen Journalisten das neue, digitale Abstands- und Geschwindigkeitsmessverfahren "VAG Digital" der bayerischen Polizei.

Erst vor kurzem hat die neue Technik die alten Videokassetten abgelöst. Früher mussten die Beamten in "Verdachtsfällen" manuell ein Knöpfchen drücken, heute springt die Kamera automatisch an. Trotzdem sitzt weiterhin ein Beamter im Bus, beobachtet die Aufnahmen auf drei Bildschirmen und selektiert die Fälle vor. "Die Kamera filmt zwar automatisch mit, aber das ist nur ein Anfangsverdacht und darum muss von uns jeder Fall individuell überprüft werden", erklärt der Polizeioberkommissar Joachim Rüger.

Nur ein Bruchteil wird verfolgt

Um 10.45 Uhr hat die Kamera bereits 245 Mal aufgelöst. Dabei haben Rüger und sein Kollege die Messung erst vor einer guten Stunde gestartet. "Bei einer dreistündigen Messung entstehen vielleicht 600 bis 1000 Aufzeichnungen, je nach Verkehrslage. Davon bleiben 80 bis 150 Fälle, die ich mir im Büro näher ansehen muss", führt Rüger aus.

Elf neue Messanlagen hat die bayerische Polizei momentan im Einsatz, bis 2015 sollen es 15 werden. Eine Anlage (inklusive Fahrzeugeinbau) kostet 170.000 Euro. Das System kann bis zu drei Fahrbahnstreifen gleichzeitig überwachen und Geschwindigkeits- und Abstandsverstöße dokumentieren.

Doch bevor es so weit ist, müssen die Herstellerfirma beziehungsweise die Polizei die Stelle geometrisch vermessen, an der später "geblitzt" werden soll. Die Strecken sind geeicht, sechs Markierungen dienen als Bezugspunkte für die Kameras. Die so genannte "Tatkamera" nimmt die Verkehrssituation digital auf. "Dabei sind weder Fahrer noch Kennzeichen erkennbar", ergänzt Polizeioberkommissar Joachim Rüger. Tatsächlich: Auf dem Bildschirm hinter ihm sind keine Details zu erkennen.

Registriert die Tatkamera einen Verkehrssünder, schickt sie einen Impuls an eine der so genannten Identitätskameras an den Fahrbahnen. Die macht sechs Fotoaufnahmen von dem verdächtigten Fahrzeug. Joachim Rüger kann die Aufnahmen in Echtzeit auf den Bildschirmen mitverfolgen. Manchmal hat er darauf auch schon einen Unfall live gesehen. In der Polizeiinspektion bearbeitet er später aber nur die Fälle weiter, in denen ein Vorausfahrender gefährdet wurde.

Das trifft zu, wenn: a) der Abstand zum vorausfahrenden Auto weniger als fünf Zehntel des halben Tachowertes war (das sind bei 100 Stundenkilometern weniger als 25 Meter), b) die Geschwindigkeit mehr als 80 Stundenkilometer betrug und c) sich der Abstand zum vorausfahrenden Auto über etwa 300 Meter gleich blieb.
Oder man hält sich an die Faustregel: "Einen halben Tacho in Metern Abstand halten".