Drei Dinge hat der Stadtrat am Donnerstag zu Grabe getragen: Den Plan, ein mit Biogas geheiztes Blockheizkraftwerk am Freibad zu bauen, die Idee das neue Hallenbad an alter Stelle entstehen zu lassen und er hat letztlich auch das Kriegsbeil verbuddelt, welches zusammen mit verbalen Giftpfeilen zwischen Haßfurt und Ebern tobte. Bei der Ratssitzung am Donnerstag wurden Annäherung und Harmonie gesucht.

Somit ward das Feld bereitet, auf dem der Tomahawk und auch der Stein der Weisen begraben liegt - die landkreiseigene Wiese zwischen Realschule und Coburger Straße. Mittlerweile zum Spitzenreiter für den Hallenbad-Neubau avanciert, soll dort gleich ein Blockheizkraftwerk angebaut werden, das die Stadt zusammen mit der Gasversorgung Unterfranken (Gasuf) und dem Landkreis bauen möchte.

Von den Plänen, eine solche Energiezentrale in Freibadnähe auf dem Losberg zu erstellen, sind die Projekanten zwischenzeitlich abgerückt. Aus Kostengründen wird aus dem Fernwärmenetz nun ein Nahwärmenetz. Die Heizzentrale möglichst nah bei den Verbrauchern, wie Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) in Vertretung der erkrankten Gasuf-Vertreter den aktuellen Stand der Optimierungsphase darlegte.

Auf den Prüfstand gelangten dabei drei Standorte für das Biogas-Blockheizkraftwerk: die Realschulwiese, die Wiese hinter der Haßbergklinik und das Areal zwischen TV-Sportheim und Bäck-Drive.
Gasversorgung sowie Stromeinspeisung wären an allen drei Plätzen kein Problem, fasste Herrmann in seinem "kurzen Zwischenbericht" zusammen, der bei der nächsten Sitzung am 21. März im Beisein der Gasuf-Experten in einen Beschluss münden soll.

Untersucht wurden die Alternativ-Standorte auch auf Kriterien wie Einpassung ins Stadtbild, Leitungstrassen und Zusatzenergien. Dabei ließ das Stadtoberhaupt Zweifel an der Eignung der TV-Sportheim-Variante anklingen.

Auch der verrohrte Angerbach stelle ein Problem für das Rohrnetz dar, weswegen die Bahndammtrasse samt Verlängerung über den Zentweg als Mittelachse vorteilhafter erscheine.
Die Frage, ob ein Anschluss des Freibades damit noch sinnvoll sei, beantwortete der Bürgermeister eindeutig, auch wenn sein "Nein" vielschichtig begründet wurde. "So eine lange Leitung rechnet sich nicht für eine Anlage, die nur im Sommer betrieben wird."

Außerdem werde man nicht umhin kommen, das Wasservolumen im Freiband zu senken, um das Defizit überschaubar zu halten, ließ Herrmann bislang unbekannte Abspeckpläne anklingen.

Teure Leitung zum Freibad

Seitens der Gasuf gebe es die klare Aussage, dass das Freibad nur bei einem Baukostenzuschuss seitens der Stadt angebunden werden könne, um die Wärmeabgabepreise in einem vernünftigen Rahmen zu halten.
Herrmann: "Ich vermute, dass in der nächsten Sitzung empfohlen wird, das Freibad nicht anzuschließen, um sich auf den Schul- und Krankenhausbereich zu konzentrieren."

In diesem Zusammenhang ging Bürgermeister Herrmann nochmals auf die Hallenbad-Diskussion ein, die auch im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung fortgesetzt wurde, was Thomas Limpert (CSU) unangebracht fand. Für die Öffentlichkeit bestimmt war Herrmanns Bekenntnis, dass "wir zusammen mit dem Landkreis nach einer optimalen Lösung streben". Dazu zählt er ein neues Hallenbad, beste Bedingungen für die Realschule samt Essensversorgung und günstige Wegeverbindungen. "Zwar zielt unsere bisherige Beschlusslage auf den alten Standort ab, aber wenn's nicht geht, sind wir flexibel und einen Mensa-Bereich für die Realschule halte ich auch für sinnvoll."

Kombi-Bau

Einen gedanklichen Schritt weiter ging Jürgen Hennemann (SPD): "Wenn ein neues Hallenbad gebaut wird, sollte unsere neue Heizzentrale gleich mit angehängt werden." Dies hält der SPD-Sprecher auch am alten Standort für möglich, wenn "der bisherige Pausenhof einbezogen wird, da das Freizeitgelände rund um das Minispielfeld sowieso schon intensiver genutzt wird".

Mitte März fällt die Entscheidung

Bedauerlich fand Hennemann, dass zur kurzfristig einberufenen Kreisausschuss-Sitzung, an der er wegen anderer Verpflichtungen nicht mehr teilnehmen konnte, kein Vertreter der Stadt eingeladen worden war,  wenn es um so "Grundsatzentscheidungen wie die Erweiterung der Realschule geht".

Auf jeden Fall sei das Nahwärmekonzept ein gutes Argument, um mit den Kreisvertretern wieder ins Gespräch zu kommen. Dies sah auch Bürgermeister Herrmann so: "Ein gemeinsamer Bau von Hallenbad und Blockheizkraftwerk ist sicher vernünftig, aber aus meiner Sicht nur an der Ecke Bahndamm/Coburger Straße umsetzbar."
Eine Entscheidung fällt aber erst am 21. März; einen Tag zuvor wählt der Kreisbauausschuss unter drei Entwürfen aus, welches Planungsbüro zum Zuge kommen soll.