Erfinder sein klingt ganz nach Traumjob. Ist es auch für Georg Greiner-Fuchs. Doch der 47-Jährige gibt zu bedenken: "Es ist ein langer Weg von der Idee bis zur Marktreife." Der Oberschwappacher hat jüngst bei der Erfinder-Messe iENA (die Abkürzung steht für Ideen-Erfindungen-Neuheiten-Ausstellung) in Nürnberg eine Bronzemedaille gewonnen. Ob das ihm Türen und Tore geöffnet hat? "Nur etwa zwei Prozent von dem, was bei der iENA ausgestellt wird, schafft es in den Handel", erklärt er.

Kopf hoch!

Greiner-Fuchs macht sich also keine Illusionen. Hoffnung hat er dennoch: Mit seiner Erfindung, einem Schnellwechselsystem für Lampen, könnte es nämlich doch etwas werden auf dem Markt. Dazu musste er die Idee allerdings noch ein wenig weiterentwickeln. "Als Erfinder braucht man Fantasie", sagt der Oberschwappacher. Kopf hoch, das ist im wörtlichen Sinne Greiner-Fuchs' Motto, wenn er durch die Wohnung läuft: Er schaut sich aufmerksam um, vor allem Richtung Decke geht sein Blick. "Ich habe ein Deckenhalterungssystem, was mache ich damit?" Das ist die Frage, die den Erfinder beschäftigt.

Der 47-Jährige hat ein Patent für eine Kombination aus Deckenplatte und Bajonettverschluss - darauf beruht sein simples System, das in dieser Form noch nie jemand vor ihm ausgetüftelt hat beziehungsweise sich hat schützen lassen: Mit wenigen Handgriffen lassen sich Lampen und Leuchten in wenigen Minuten abnehmen und wieder montieren. Dazu genügen eine kurze Drehbewegung und ein einfacher Kniff am Adapterstück. Greiner-Fuchs demonstriert das Prinzip an seinem Prototyp, den er auf der Messe dabei hatte. Für den Verbraucher sei das fantastisch, sagt er begeistert. "Da hab' ich meine Ruh' und brauch' keinen Elektriker." Der Erfinder strahlt bis über beide Ohren, von seiner Idee ist er voll überzeugt. Nur die Lampenhersteller nicht.

Aber davon hängt es laut Greiner-Fuchs ab: Ohne einen Hersteller, der das System in seine Produkte ab Werk einbaut, sieht er für sein bronzemedaillenprämiertes, edelstahlverschraubtes Kunststoffstück keine Absatz-Chancen. Wenngleich er "die wichtigste Voraussetzung" für eine Markteinführung erfüllt sieht: Es muss billig sein. "Meine Erfindung ließe sich leicht für unter zehn Euro herstellen", sagt er. Die Lampenhersteller aber halten die Füße still.

Geld verdienen ist nicht

Nun hat sich Greiner-Fuchs ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt, als es um seinen Traumjob ging: 2008 hatte sich der gelernte Einzelhandelskaufmann als Erfinder selbstständig gemacht. Freilich, er glaubt an sich und seine Fähigkeiten, aber der 47-Jährige weiß auch: "Irgendwann muss ich auch mal Geld damit verdienen." Denn bislang zehrt die Arbeit nur am Ersparten: Eine Patentanmeldung geht ab 10 000 Euro Kosten los. Material und Herstellung, für die Greiner-Fuchs zum Teil regionale Firmen beauftragt hat, müssen natürlich auch bezahlt werden. All das hat der Erfinder vorgestreckt, ohne zu wissen, ob es sich je rentiert. Wenn nicht irgendwann produziert wird, so der Ein-Mann-Unternehmer, habe er eine Eurosumme im fünfstelligen Bereich "in den Sand gesetzt". Frustriert klingt der Oberschwappacher dabei nicht. Denn: Er hat noch Hoffnung. Jetzt will er nämlich keine Lampen mehr an der Decke aufhängen, sondern Möbel.

Das klingt zunächst verrückt. Aber auf Verrücktes stehen viele Verbraucher, glaubt der Erfinder, vor allem "wenn es einen wirklichen Nutzen" hat. Die Idee mit den hängenden Möbeln hatte er 2010. Seitdem hat er mehrere Prototypen entworfen: Einen Kleiderständer oder Handtuchhalter im Badezimmer in Form einer umgekehrten Pyramide aus Holz, ein abgeschrägtes Brett als Laptop-Ablage, ein kleines Schränkchen für Arzneimittel. Alles montiert an ein höhenverstellbares Teleskop-Edelstahlrohr. Beliebig austauschbar, verankert in der Decke mit dem gleichen System, das auch einen schnellen Lampenwechsel möglich macht.

Bei der Erfindermesse in Nürnberg hatte er die Möbel dabei. Das Interesse der Besucher an seinen Ideen war enorm, sagt Georg Greiner-Fuchs. "Die Leute waren begeistert." Diese unverhoffte Aufmerksamkeit ("damit habe ich nicht gerechnet") war Balsam auf der bis dato doch recht gebeutelten Erfinderseele. Der Oberschwappacher ist nun zuversichtlich, dass er es mit den Deckenmöbeln zu etwas bringen kann. Die Zeit dafür scheint reif: Ausgefallenes Design, simple Montagetechnik und realer Nutzen - sind diese drei Kriterien erfüllt, lassen sich Kunden überzeugen. Wenn nicht, "dann war die Welt nicht bereit für meine Erfindung", sagt Greiner-Fuchs achselzuckend und lacht. Das wäre dann der Punkt, an dem er seinen Traumjob wieder aufgeben würde, ja müsste. "Dann werde ich Bewerbungen schreiben."

Top oder Flop

Noch ist es nicht so weit. Ein Jahr Zeit will sich der Tüftler noch geben, eine Messe in Köln steht an, Vertragsgespräche müssen geführt, weitere Möbel-Ideen entwickelt werden. Einzelanfertigungen habe er bereits verkauft. Im Raum hängt, pardon, steht auch eine Kooperation mit einem Hersteller, der größere Mengen anfertigen könnte.
Dann hätte sich alles gelohnt. Georg Greiner-Fuchs hätte das Erbe seines Schwiegervaters zum Erfolg geführt: Der verstorbene Ingenieur hatte nämlich einst die Idee zu dem Lampenschnellwechselsystem, das er fortan gemeinsam mit seinem Schwiegersohn zu entwickeln begann.

Wie funktioniert ein Bajonettverschluss?

Das Prinzip des Bajonettverschlusses beruht auf einer einfachen mechanischen Verbindung: Zwei Teile werden durch Ineinanderstecken und entgegengesetztes Drehen verbunden. Auf die selbe Weise werden sie auch wieder voneinander getrennt. Die Verschlüsse gibt es etwa an Wechselobjektiven von Kameras. Auch Siebträger von Espresso-Maschinen beruhen auf diesem Prinzip.