Schockierend ist die Nachricht ohne Zweifel: Dass im Landkreis Hameln-Pyrmont (Niedersachsen) ein 74-jähriger Mann den Landrat Rüdiger Butte erschossen hat, macht auch Horst Hofmann stutzig. Der Verwaltungschef des Landratsamts Haßberge hat sich über die Tragödie seine Gedanken gemacht.

Dass ihn der Fall aber in seinem persönlichen Sicherheitsempfinden beeinträchtigt, kann er nicht sagen. Denn die Situation ist, wie sie ist, seit etlichen Jahren schon: Die Menschen, die täglich die Landkreis-Behörde in Haßfurt besuchen, haben im Prinzip relativ einfachen Zugang zu den meisten Räumen im Gebäude. Und ob jemand etwas böses im Schilde führt, ist oft nicht absehbar: "Man kann es überhaupt nicht sagen. Nicht jeder, der besonders schick aussieht, ist besonders harmlos. Und umgekehrt", sagt Hofmann. Dennoch hat der Verwaltungschef hinsichtlich der Sicherheitslage im Landratsamt keine Bedenken: "Der normale Haßbergler ist ein angenehmer Bürger. Es ist so, dass man mit ihm reden kann."

Ein solcher Fall wie der in Hameln sei die absolute Ausnahme. Von den tausenden Besuchern, die Jahr für Jahr ins Landratsamt kommen oder andere Behörden aufsuchen, "ist der Großteil völlig harmlos", sagt Hofmann. Die Gruppe, die schwierig ist, sei klein und "größtenteils bekannt". Soll heißen: Gerade auf dem Land, wo man sich untereinander kennt, kann man sich auf sein Klientel relativ gut einstellen.

Waffen im Landkreis

Reiner Zehe, zuständig im Landratsamt für öffentliche Sicherheit und Ordnung, wird nicht nervös, bezogen auf sein Fachgebiet. Er ist froh darüber, dass in Deutschland ein strenges Waffengesetz herrscht. "Wir haben 2500 Personen, die Waffen besitzen dürfen", sagt er über den Landkreis. Zwischen 11 000 und 12 000 Waffen seien hier im Umlauf (überwiegend Sport-, Jagd- und Sammler- und Altwaffen). Jede einzelne sei registriert und ihre Besitzer würden alle drei Jahre auf ihre Zuverlässigkeit überprüft. Wer nur einen Sammlerschein hat, darf keine Munition besitzen. Das schließt freilich dennoch nicht aus, dass jemand die Waffen missbraucht oder sich auf anderen Wegen eine zulegt, da machen sich Hofmann und Zehe nichts vor. Aber es bietet nach Ansicht der beiden auf jeden Fall mehr Sicherheit, als wenn der Waffenbesitz ein Grundrecht wäre, wie etwa in den USA.
"Dann hätte ich Bedenken", sagt Hofmann. Ohnehin hat er nicht das Gefühl, dass seine Behörde besonders gefährdet sei. Dass dagegen die Sicherheitsvorkehrungen in Gerichten erhöht wurden, hält er für nachvollziehbar. "Da geht es um Freiheitsentzug, um gravierendere Dinge als bei uns." Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ausrastet, ist dort höher.

Das größte Konfliktpotenzial, bezogen auf seine Behörde, sieht er im Sozialbereich: Dort gebe es häufiger Auseinandersetzungen zwischen Mitarbeitern und Besuchern. Vor zwei Jahren hat ein Bürger sogar mit Tätlichkeiten gedroht und das Stänkern angefangen. "Er bekam dann Hausverbot, und wir haben die Polizei eingeschaltet", erklärt Hofmann. Außerdem haben Mitarbeiter einen Alarmknopf, der Kollegen ruft. Dennoch gilt für den Verwaltungschef: "Wir wollen offen bleiben für die Bürger." Deswegen komme es nicht in Frage, dass sich die Behörde abschottet.

Da gibt es doch noch etwas mit Konfliktpotenzial... Geld! Wie also schaut es aus im Finanzamt? "Es kommt vor, dass ein Besucher wütend wird", sagt ein Sprecher des Finanzamts in Zeil. Dann versuche man, ihn zu beruhigen. Dass jemand ausrastet, könne grundsätzlich immer und überall passieren. Solange das Einzelfälle seien, werde sich aber nichts ändern: Jeder Bürger hat Zugang zu dem Gebäude.