Alle Eingaben und Argumente haben nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt: Die Bewohner im Haßfurter Baugebiet "Osterfeld I" und die Wülflinger bekommen nicht die geforderte Umgehung im Zuge des neuen Baugebietes "Osterfeld II". Der Haßfurter Stadtrat folgte den Vorstellungen zahlreicher Bürger nicht und blieb bei seiner ursprünglichen Planung. Und zwar einmütig. Der Stadtrat votierte am Montagabend im Rathaus für die Änderung des Flächennutzungsplans und nahm danach den neuen Bebauungsplan "Osterfeld II" als Satzung an. Damit erlangt die Planung Rechtskraft und die Stadt kann Baugrundstücke verkaufen.

Fast 50 Zuhörer

Das Thema stieß auf großes Interesse. Knapp 50 Zuhörer waren zu den Beratungen in den Sitzungssaal des Rathauses gekommen. "So viel Bevölkerung haben wir schon lange nicht mehr gehabt", freute sich Bürgermeister Rudi Eck (parteilos) über das Interesse.
Auch wenn der Stadtrat den Vorstellungen vieler Bewohner des Osterfelds und aus Wülflingen nicht entsprach, völlig unzufrieden sind die Zuhörer nicht aus der Sitzung gegangen. Sie haben zumindest erreicht, dass der Stadtrat beim Thema Verkehr in dem großen Siedlungsgebiet im Westen der Stadt am Ball bleibt.

"Keine Chance"

In Haßfurt und vor allem in den Stadtteilen gibt es noch Bauplätze. Aber die befinden sich in privater Hand, und die Stadt hat "keine Chance", Bauparzellen zu vermitteln, wenn die Grundstücksbesitzer nicht mitspielen. Bürgermeister Rudi Eck schilderte einen Fall aus Prappach, wonach er für einen Bauwerber "von Haus zu Haus" gegangen ist, um einen Bauplatz für ihn zu bekommen. Ohne Erfolg.
Diese Lage bringt die Stadt dazu, ein neues Baugebiet ausweisen zu müssen. Das geschieht jetzt mit dem "Osterfeld II". Es grenzt direkt an das "Osterfeld I" an, das wiederum die Fortsetzung des Baugebietes "Westlich der Uchenhofener Straße" ist. Bereits bei der Aufstellung des Flächennutzungsplans Anfang der 70er Jahre war diese Entwicklung so angedacht und in die Wege geleitet worden.
Im "Osterfeld II" ist die Stadt in der glücklichen Lage, dass sie alle Bauplätze in der eigenen Hand hat. Seit zweieinhalb Jahren beschäftige sich Haßfurt mit dem Thema, erläuterte Bürgermeister Rudi Eck. Es gebe bereits 50 Bauwerber für die 90 bis 100 Bauparzellen, und das Thema Verkehrsanbindung sei bei allen Beratungen zur Sprache gekommen, erinnerte er. Angebunden wird das neue Baugebiet über den Osterfeldweg, der eine Haupterschließungsstraße ist. Das heißt: Der Osterfeldweg gilt rechtlich als Anliegerstraße (für die bestehenden Baugebiete) sowie als Gemeindeverbindungsstraße (für die Wülflinger).
Das neue Baugebiet sei "von entscheidender Bedeutung für die Stadt", betonte Rudi Eck. Er warnte vor Verzögerungen.

Verkehrsproblematik

Die Planungen für das "Osterfeld II" haben Bewohner des Baugebiets "Osterfeld I" auf den Plan gerufen sowie Bürger von Wülflingen. Die Osterfelder befürchten, dass mit dem neuen Baugebiet der Verkehr über das zumutbare Maß hinaus wächst mit all seinen Folgen: Lärm, Gefährdungen, Staub. Und die Wülflinger, vor allem in der Straße "Mainblick" (das ist die Fortsetzung des Osterfeldwegs) und darum herum, gehen davon aus, dass sie kaum noch freie Fahrt auf dem Osterfeldweg haben werden. Zumal für viele Jahre auch mit verstärktem Baustellenverkehr zu rechnen ist.
Ihr Vorschlag lautete daher: Ein bestehender Feldweg, der vom Ortseingang Wülflingen nördlich an den Siedlungen vorbeiführt, sollte zu einer Umgehung ausgebaut werden. Rund 100 Bürger vertreten diese Meinung und haben sie der Stadt mitgeteilt. Ihre Eingabe mit allen Argumenten lag am Montagabend auf dem Ratstisch.
Die Bauverwaltung der Stadt Haßfurt hat sich detailliert mit den Eingaben auseinandergesetzt. Deren Leiter Robert Barth erläuterte dem Stadtrat und den Zuhörern ausführlich die Situation und die Haltung der Stadt zu den Vorschlägen der Bürger. Und die ist eindeutig: Die Stadt sieht keine Notwendigkeit und keine Möglichkeit für eine solche Umgehung. Bei Kosten von bis zu einer Million Euro sei die gewünschte Umgehung "wirtschaftlich nicht möglich", sagte Bürgermeister Eck. Es gibt weitere Argumente: Die Stadt geht davon aus, dass eine solche Straße nicht angenommen würde. Eck: "Es ist unrealistisch anzunehmen, dass 100 Prozent der Wülflinger die Straße nutzen würden."
Zählungen sprechen von 800 Fahrten täglich von und nach Wülflingen über den Osterfeldweg. Dazu kommen 400 Fahrten der Bewohner des Osterfelds. Beim Vollausbau des neuen Baugebiets "Osterfeld II" rechnet die Stadt mit 600 weiteren Fahrten in das und aus dem neuen Baugebiet.

Das wichtigste Argument gegen eine Umgehung: Eine solche Trasse würde eine neue Planung für das Baugebiet erfordern und damit die Bebauung um mindestens ein Jahr verzögern. Das bedeutet für Haßfurt weitere Kosten und Einnahmeausfälle (die Baugrundstücke können nicht verkauft werden).

In der ursprünglichen Form

Der Stadtrat folgte am Montagabend der Haltung der Stadtverwaltung und beschloss den Bebauungsplan "Osterfeld II" so, wie er ursprünglich angelegt worden ist - ohne Umgehung.

Er nahm aber in den Beschluss auf, dass die Verkehrssituation im Auge behalten wird. "Die Verkehrsgeschichte wird weiter verfolgt", versprach der Bürgermeister. Das heißt eventuell: Wenn es die Situation erfordert bei zunehmender Verdichtung des neuen Baugebiets, könne die Stadt sicher noch über einen Bogen zur Sailershäuser Straße nachdenken (das wäre eine Entlastung im Sinne der Feldweg-Trasse).

Und: Der gesamte Erschließungsverkehr sowie der Baustellenverkehr sollen so weit wie möglich über den Feldweg abgewickelt werden. Das könne "vertraglich mit Firmen" organisiert werden, wenngleich Eck einräumte, dass sicher nicht jeder Lastwagen über den Feldweg fahren wird. "Mehr kann aus heutiger Sicht nicht geregelt werden", fasste Eck zusammen.

Fuß in der Tür

Trotz der Ablehnung der Umgehung gingen viele der Besucher gar nicht so enttäuscht aus der Stadtratssitzung. Dass die Umgehung beschlossen würde, hatten ohnehin nur die wenigsten erwartet. Aber die Zusicherung des Stadtrates, die Verkehrslage im Auge zu behalten und bei Bedarf nachzubessern, beruhigte die meisten Zuhörer. Man habe den Fuß in der Tür, sagte Bernhard Walter. Der Wülflinger ist einer der Initiatoren der Verkehrsdiskussion. Wichtig für ihn ist auch, dass das Thema überhaupt erörtert worden ist.