Einmal im Jahr veranstaltet Albert ein großes Fest, zu dem viele in Deutschland lebende Äthiopier aus Haßfurt, Zeil, Bamberg, Nürnberg oder Frankfurt am Main kommen. Heuer fand das Fest zum fünften Mal statt. Dabei konkretisierte sich die Idee, einen gemeinsamen Verein ins Leben zu rufen.
"Wir streben eine kulturelle Zusammenarbeit an, wollen Projekte für Straßenkinder und soziale Aktivitäten von Firmen unterstützen sowie langfristig jungen Leuten aus Äthiopien in Deutschland eine Ausbildung ermöglichen", sagte Albert.
Er ist seit 23 Jahren mit Henok Semru befreundet, der in Äthiopien Landwirtschaft studiert hat und unter dem früheren kommunistischen Regime wegen politischer Differenzen mehrmals inhaftiert wurde. 1986 zog er mit seiner Frau Aynalem in die Tschechei, um Tiermedizin zu studieren. Repressalien gegen regimekritische Studenten veranlassten sie zwei Jahre später aus Angst vor der Abschiebung nach Äthiopien zur Flucht nach Ostberlin. Sie schafften es weiter nach Westberlin, von wo aus sie als Asylbewerber nach Haßfurt gebracht wurden.
"Es war anfangs eine schlimme Zeit", erzählte Henok. "Denn wir sprachen neben unserer Muttersprache Amharisch nur Englisch und Tschechisch und konnten kein Deutsch."

Fortuna ist zur Stelle


Per Zufall lernten er und seine Frau Reinhold Albert beim TV Haßfurt kennen. "Durch ihn haben wir viele Freunde gefunden und lernten auch bald Deutsch", so Semru. 1990 erhielt das Ehepaar Asyl und 1995 die deutsche Staatsbürgerschaft. 2001 zog Henok Semru mit Frau und drei Kindern nach Frankfurt, wo sein Bruder lebte. Dort baute er mit einem Freund, der bereits einen Pflegedienst gegründet hatte, zusätzlich eine Krankentrans portfirma auf.
Seit 2010 ist der 47-Jährige als Projektmanager bei Alphasol Modular Energy Plc tätig. Diese Firma gründeten Deutsche und Äthiopier in Addis Abeba in Äthiopien - in Sorge um die steigende globale Erwärmung und die Umweltveränderungen. "Wir engagieren uns im Bereich Erneuerbare Energien, die wir einführen, vorantreiben und entwickeln möchten", gab Henok Semru an. "Wir wollen auch eine signifikante Rolle bei der Entwicklung von Klimaschutzprojekten gemäß dem Kyoto-Protokoll spielen und einen Beitrag zur Entwicklung und Förderung der afrikanischen Länder südlich der Sahara leisten." Die Firma arbeite mit Unterstützung der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, der Entwicklungsorganisation SNV und der äthiopischen Regierung am Technologietransfer, helfe Firmen, die in Äthiopien tätig werden wollen, und investiere selbst in Projekte. "Unter anderem sollen aus dem überall wachsenden Stielblütengras Miscanthus Pellets hergestellt werden. Mit diesen Pellets können die Menschen kleine Kocher betreiben, anstatt das schädliche Petroleum zum Brennen zu verwenden. Denn rund zwei Millionen Menschen sterben weltweit jährlich an den giftigen Dämpfen", berichtete der Manager.

Hilfe zur Selbsthilfe


Die beim Verbrennen der Pellets entstehende Biokohle ist Kohlendioxid speichernder Dünger. "Wir wollen kleine Tausch-Gemeinschaften bilden, die die Pellets erhalten und die Kohle dafür zurückgeben", so Semru, der gute Kontakte zur Regierung in Äthiopien pflegt und die Vereinsaktivitäten vor Ort managen will. Seiner Meinung nach muss jede Hilfe eine Hilfe zur Selbsthilfe sein. Almosen zu verteilen, sei nicht sinnvoll, meint er.

Helfer vor Ort


In Äthiopien gebe es Privatleute, die sozial engagiert seien und Hilfe gut gebrauchen könnten. Mit ihnen möchte er zusammenarbeiten. "Unser Verein, der nicht politisch tätig werden möchte, soll als gemeinnützig eingetragen werden", so Henok Semru. Mitglieder sollten keinen festen Beitrag, sondern eine selbst bestimmte Summe zahlen.
"Die Äthiopier sind trotz ihrer Armut ein stolzes Volk voller Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit", hat Reinhold Albert bei seinen Reisen festgestellt. Er ist davon überzeugt, dass Hilfe zur Selbsthilfe eine gute Aufgabe ist. Er möchte gerne auch vor Ort mitarbeiten und den Einwohnern Konzepte an die Hand geben, damit sie sich selbst eine Lebensgrundlage schaffen können.