Familie Schneiderbanger aus der Hauptstraße in Neubrunn hat einen Pflegefall im Haus, der immer wieder ärztlicher Hilfe bedarf. Doch die kommt mitunter nicht auf dem schnellsten Weg. "Mindestens drei Mal ist uns schon passiert, dass es bei Krankendiensteinsätzen zu Problemen kam. Ein Notarzt hat Neubrunn gar nicht gefunden und wir haben über eine Stunde lang gewartet", schimpft Andreas Schneiderbanger.

Ähnliche Erfahrungen hat auch schon Jürgen Krebs aus Kirchlauter bei einem Notfall nachts um 22.30 Uhr gemacht. Nicht anders erging es André Borschert aus Kirchlauter, der vom Notarzt zurückgerufen wurde, weil "der nur in Neubrunn eine Hauptstraße findet".

Solche Erlebnisse aufgrund der verwechselten Örtlichkeiten kennt auch Inge Werb aus Neubrunn: "Mitten in der Nacht standen Notarzt und Polizei mit Blaulicht bei mir vor dem Haus und wollten jemanden abholen." Und alle drei Wochen tauchen Laster bei ihr auf, die Waren abladen wollen, die eigentlichen für den Schreiner in Kirchlauter bestimmt sind. "Irgendetwas muss passieren", fordert Inge Werb.

Bürgermeister überzeugt

Damit stieß sie auf offene Ohren bei Bürgermeister Jochen Steppert, der nach einigen gescheiterten Anläufen in der Vergangenheit das Thema bei der Gemeinderatssitzung am Montagabend zu einem guten Ende bringen will und zumindest eine Straße umbenennen möchte.

Die Tatsache, dass zu einer Anliegerversammlung am Mittwochabend im Saal der Oberen Wirtschaft so viele Leute gekommen waren, dass die Sitzplätze nicht ausreichten, zeigte, wie sehr das Thema die Betroffenen berührt und "sie an ihrem Straßennamen hängen", fand Steppert.

Seit 1993, als die neuen Postleitzahlen eingeführt wurden, tauche das Problem immer wieder auf. "Dass es immer wieder zu Verwechslungen kommt, ist eine Tatsache", stellte der Bürgermeister fest, erinnerte aber auch daran, dass der Gemeinderat noch 2006 eine Umbenennung mit 10:1 Stimme ablehnte.

Seither habe sich die Situation aber noch verschärft. Durch Brief- und Paketzusteller spitze sich das Problem zu - und durch die Navis, die "nicht durchblicken, das ist der springende Punkt". Steppert verwies auf einen Selbstversuch mit dem eigenen Auto vom Nachmittag, der zeigte, dass keine eindeutige Zuordnung erfolge. "Wenn aber die Sanis unterwegs sind, zählt jede Sekunde. Es kann sein, dass jemand wegen zwei, drei Minuten den Löffel wegschmeißt, wenn wir nicht reagieren."

Nicht nur das Selbstexperiment hatte der Bürgermeister durchgeführt, auch nach belastbaren Argumenten gesucht. So versprach er für den Fall einer Änderung des Straßennamens, dass für alle Betroffenen die Mitteilung an alle öffentlichen Stellen von der Gemeinde übernommen werden. "Auch beim Grundbuchamt und das kostet den Beteiligten nichts."

Während er für Privatleute kaum Schwierigkeiten erkennen mochte, sah Bürgermeister Steppert für Gewerbetreibende den Mehraufwand sehr wohl. "Da müssen Briefbögen und Stempel geändert werden." Anton Kirchner und Bernhard Hümmer ergänzten diese Liste schnell: Visitenkarten, Bautafeln und auch Busaufschriften gelte es zu ändern.

Deswegen hatte sich Steppert in der Verwaltung auch die Zahl der Gewerbebetriebe in den jeweiligen Hauptstraßen heraus suchen lassen: 20:11 zu Gunsten von Kirchlauter.

Aus diesen Reihen meldete sich mehrfach und vehement Bernhard Hümmer zu Wort: Die Orientierungslosigkeit via Navi gehe in der Regel auf Eingabefehler zurück, klagte der Busunternehmer. Und: Eine Adressänderung würde ihn 20 000 Euro kosten, die "den Kamin nauf gehen", da allein bei 40 Fahrzeugen die Aufkleber geändert werden müssten und eine "Schloss-Allee" schon in den Diskussionen herumgeistere.
Andere Vorschläge waren für Neubrunn beim Bürgermeister eingegangen: Ebelsbach Straße oder Heilig-Länder-Straße.

Bürgermeister Steppert verwies darauf, dass in vielen Eberner Stadtteilen die Straßennamen abgeändert wurden, aber auch in Lußberg und Kottendorf.

Lothar Rippstein regte an, die Zusammengehörig beider Ortsteile dergestalt zu dokumentieren, dass die Hauptstraße von Kirchlauter einfach bis Neubrunn verlängert wird und nur die Hausnummern geändert werden. Jürgen Krebs gab zu bedenken, dass "es nicht unsere Aufgabe sein kann, andere Leute - wie die vom Roten Kreuz - zu schulen".

Franz Ludwig Graf von Staufenberg hat auch schon (negative) Erfahrungen gemacht: "Wir bekommen mehr Post als mancher Gewerbebetrieb, aber einmal wird die Post hier eingeworfen, ein ander Mal in Neubrunn. Wir müssen nicht nach Hause finden, weil wir kennen den Weg, aber Auswärtige tun sich schwer und das ist ein Fakt. Überall werden die Stellen zentralisiert und dann sitzen da ahnungslose Leute, die die örtlichen Gegebenheiten nicht kennen. Es gibt immer wieder Dinge, die nach Kirchlauter sollen und in Neubrunn landen."

Roland Söldner fragte, ob die Mehrkosten der Betroffenen auf die Allgemeinheit umgelegt können, sprich aus Steuermitteln bezahlt werden? "Das geht nicht - Ende!", hielt Bürgermeister Steppert barsch entgegen.
Sein Vorschlag lautete, die Hauptstraße in Kirchlauter zu belassen und eine Neubrünner Hauptstraße einzuführen. "Dann ist Neubrunn auch wieder in der Anschrift."