Die Frage, ob er der bessere Landrat wäre, stellte keiner. Aber die Themen, die Thomas Habermann, Landrat aus Bad Neustadt, ansprach, waren Balsam auf "geschundene Eberner Seelen", als er bei der Jahresversammlung der kommunalpolitischen Vereinigung (KPV) der CSU im Landhotel "Stadl" so Reizthemen wie Altkennzeichen oder Lebensmittelüberwacher aufgriff.

Obwohl mitten im Wahlkampf unterwegs, hielt sich der einstige Richter am Oberlandesgericht in Bamberg mit kämpferischen Tönen zurück. Statt der politischen Gegner wurde vielmehr die innerparteiliche Diskussion angeheizt, die zwischen dem "Wasserkopf München" und dem ländlichen Raum in Franken tobt - nach 200 Jahren bajuwarischen Zentralismus'.

Mitstreiter fand Habermann dabei im bisherigen KPV-Kreisvorsitzenden Horst Hofmann und CSU-Kreis-Chef Steffen Vogel. Und so tönte es aus der Provinz in die Landeshauptstadt: "Dem Freistaat geht gut, aber nicht überall, wie das Beispiel Königsberg zeigt. Aber es gibt in unserem Freistaat einige, die hangeln sich durch, während andere vor lauter Kraft kaum laufen können." Wen er damit meinte, machte Hofmann, der nicht mehr als Vorsitzende kandidierte, auch deutlich: "München Stadt und Land nehmen so viele Steuern ein, wie ganz Franken zusammen." Und Hofmann, im Hauptberuf Geschäftsleiter im Landratsamt, machte auch die Gegenrechnung auf: "Wir haben unsere Stärken durch die örtlichen Gemeinschaften, müssen aber überlegen, ob wir alles, das wir lieb gewonnen haben, erhalten können."

Da rannte er beim Nachbar-Landrat Thomas Habermann, der fast 90 Minuten ohne Manuskript oder Stichwort-Katalog referierte, offene Türen ein. "Das Finanzausgleichsgesetz muss geändert, wenn jetzt auch schon der Landkreis Starnberg bedacht wird. Das ist etwas schief gelaufen"", da das Berechnungsmodell geändert wurde.

So gedanklich in Oberbayern angekommen, schob Habermann gleich die nächste Sorge nach: "Es fehlt die Balance, wenn für die zweite Münchner U-Bahn-Stammstrecke drei Milliarden anfallen, aber kein Geld für die Sanierung von Staatsstraße mehr vorhanden ist."

Zurück in der Heimat:"Am meisten habe ich mich gefreut, dass nun auch das EBN-Kennzeichen wiederkommt", verriet der Nachbar-Landrat, der nach eigener Aussage deswegen oft mit dem Kollegen Handwerker und dessen Nachfolge-Kandidat Wilhelm Schneider telefoniert habe, damit es "Schneider leichter hat". Habermann: "Wir Landräte in Unterfranken haben das alle für einen Schmarrn gehalten, aber der Verkehrsminister Ramsauer (CSU) hat's wieder ausgegraben. Deshalb geht die Welt auch nicht unter und ich hab' schnell gemerkt, dass es viele Leute wollen und deswegen als staatlicher Landrat wieder eingeführt und mir auch einen alten Bulldog mit MET-Kennzeichen zugelegt."

Die Lebensmittelüberwacher

Und bei noch einem Thema sprach Habermann Gewerbetreibenden aus dem Landkreis aus dem Herzen.
Als Ralf Nowak aus Pfarrweisach Schwächen beim Tourismuskonzept ansprach ("Die Wanderkarten sind gedruckt, die Einkehrmöglichkeiten aber geschlossen."), wusste Habermann gleich um Ansatzpunkte: "Es gibt Probleme bei Nachfolgeregelungen, weil die Investitionen und staatliche Gängelungen nach sich ziehen. Wenn die Lebensmittelkontrolleure von einer landesweiten Tagung kommen, sind die kaum mehr zu halten, wenn es um die Umsetzung von EU-Recht geht. Da denkt man ja, dass in jeder fränkischen Metzgerei und Wirtschaft schon 20 Leute tot umgefallen sind. Aber ich kämpfe bis zur letzten Patrone um meine Hausmacherwurst", umschrieb er heftig-deftige Diskussionen mit dem Regierungspräsidenten.

Damit nicht genug mit der Kritik an den "Öberen". Auch andere Problemfelder könnten Gemeinden nicht allein schultern: "Breitbandversorgung, Straßenbau und öffentlicher Nahverkehr können wir uns nicht ohne Unterstützung leisten", so Habermann

Der Schulterschluss mit der Staatsregierung muss also her - ebenso innerhalb eines Landkreises. "Wir haben bald nur noch zwei Standesämter im Landkreis Rhön-Grabfeld. Wer braucht denn ein Standesamt, das ist doch nicht mehr als ein Backoffice, dessen Arbeit keinen Menschen interessiert - und Trauungen kann der Bürgermeister stets vor Ort vornehmen", weswegen nichts gegen eine Zusammenfassung von Standesämtern spreche.

Fusionsgedanken auch auf dem medizinischen Sektor: "Die klassische Einzelpraxis wird es nicht mehr lange geben" weswegen es Habermann gut findet, wenn "Doktoren zusammenarbeiten".

CSU-Kreisvorsitzender Steffen Vogel forderte eine Rückkehr des Staates bei der Finanzierung von Ab- und Trinkwasseranlagen. "Der Staat stellt die Anforderungen, dann muss er den Kommunen auch helfen." 150 Millionen Euro für Staatsstraßen sei viel zu wenig und 500 Millionen Euro für die Breitbandversorgung "zwar ein guter Ansatz, aber zu wenig differenziert".

Als Grundproblem machte Vogel aus, dass der Freistaat seine Förderung nach Einwohnerzahlen und nicht nach Fläche berechne: "München hat mehr Abgeordnete im Landtag als ganz Unterfranken zusammen. Und die Probleme in Würzburg, Schweinfurt und Aschaffenburg liegen ganz anders als bei uns im Haßbergkreis."
Gleichzeitig gab Vogel zu bedenken, dass zwei Drittel des Steueraufkommens in Bayern aus dem Großraum München kommt.

Neuwahlen


Spitze Der neue Vorstand der kommunalpolitischen Vereinigung der CSU setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitzender Matthias Schneider, Stellvertreter Wolfgang Borst und Elke Heusinger.

Beirat Weiter vertreten sind: Wilhelm Schneider, Gabi Rögner, Thomas Sechser, Georg Hiernickel, Markus Oppelt, Thomas Wagenhäuser, Hermann Niedieck und Uwe Stubenrauch.