Es riecht nach Holz. Man kann sich mit relativ vielen Menschen schnell darauf einigen, dass Holz gut riecht. In der Werkstatt von Michael Götz in Kirchlauter lagern sehr viele Hölzer: Zwetschge, Birne, Alpenfichte, Koa, Mahagoni, auch Maulbeerbaum, um nur einige zu nennen. Es riecht hier richtig lecker nach Holz.

Freilich schwer zu sagen für eine amateurhafte Nase, welches der oben genannten Stoffe da gerade heraussticht, aber es breitet sich ein wohlig-duftendes Aroma aus, wenn man die Werkstatt betritt. Und es wird noch besser: Aus diesen Hölzern werden Instrumente gebaut - dann riecht es nicht nur gut, es klingt auch gut.

Michael Götz ist Gitarrenbaumeister (genauer gesagt: Zupfinstrumentenbaumeister) und hat sich spezialisiert auf die Herstellung sogenannter Lap-Steel-Gitarren. Insbesondere nach der Methode des deutschamerikanischen Instrumentenbauers Hermann Weissenborn. "Lap" ist das englische Wort für "Schoß", weil das Instrument auf den Oberschenkeln ruht, während man es spielt. "Steel" bezeichnet den massiven Metallstab, den man über die Bünde schiebt ("slide") und mit dem die Saiten von oben gedrückt werden - der Gitarrenhals wird nicht wie bei üblichen Gitarren von der Hand umgriffen. Die Lap-Steel- wird auch als Hawaiigitarre bezeichnet.

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Michael Götz hat sich nach dem Gitarrenbau-Studium auf diese Gitarrenart konzentriert und anhand von über 100 Jahre alten Originalinstrumenten etwa der Lap-Steel-Pioniere Chris Knutsen oder Hermann Weissenborn die Bauweise adaptiert und durch eigene Techniken verfeinert. Nach vielen Jahren Erfahrung kommen sehr sauber gearbeitete, hochpräzise Instrumente heraus, die von Musikliebhabern aus der ganzen Welt geschätzt werden: Michael Götz hat unter anderem Kunden in Kanada und Neuseeland. Er fertigt die Gitarren nach den persönlichen Wünschen der Musiker.


Alpenfichte, Nordhang bitte!

Häufig verwendet er Alpenfichte, bevorzugt Nordhangwuchs, denn, so erklärt der 38-Jährige, diese bekommen weniger Licht, wachsen dadurch langsamer und gleichmäßiger, das macht sie für den Gitarrenbau besonders wertvoll. Fichten sind "das Tonholz schlechthin", erklärt Götz: Weich und elastisch, trotzdem robust, gut zu verarbeiten, bestens geeignet für die Resonanzdecke der Gitarre. Zwischen 150 und 200 Jahre alt sind die Bäume. In Kirchlauter lagern die Hölzer nach dem Einschneiden dann weitere vier bis fünf Jahre und trocknen an der Luft. "Je größer das Zeitfenster, desto ruhiger wird das Holz und es verzieht sich nicht so stark - der Instrumentenbau ist sehr langfristig angelegt", sagt er und streicht über ein fertiges Instrument. Entsprechend lange ist auch die Lebensdauer: Bei guter Behandlung überdauert ein solches Instrument viele Generationen.

Bis zu zehn Gitarren baut Götz im Jahr, in jeder stecken etwa 100 Arbeitsstunden. Der Rest seiner Zeit fließt in Reparatur- und Servicewerkstatt, für einen Gitarren-Großhändler ist er auch tätig. Zudem spielt der 38-Jährige mit vier Musikerkollegen in der Band "MeeGrass". Darunter ist auch Hartmut Stührenberg - der gelernte Tischler schult seit zwei Jahren in Götz' Werkstatt auf Gitarrenbauer um, sein Gesellenstück ist fast fertig. Ein Traumberuf? "Ohne Zweifel: ja", sagt der.